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Vor fast einem Jahr haben wir zum ersten Mal über die Heimautomatisierungs- und Überwachungslösung „Piper“ berichtet, die zu dieser Zeit als Indiegogo-Projekt um Unterstützer geworben hat. Nachdem sich die Auslieferung der EU-Version von Piper von April 2014 auf Ende Juli 2014 verschoben hat, haben wir unser bestelltes Gerät nun aus Kanada erhalten und konnten erste Erfahrungen sammeln.

Funktionen der „All-in-one“ Überwachungs- und Smarthome-Lösung

Piper soll als Komplettlösung für die Überwachung und Heimautomatisierung dienen. Hierzu wurde das Gerät mit einer ganzen Reihe von Schnittstellen und Funktionen ausgestattet, so dass Piper als „Zentrale“ im Haushalt Z-Wave kompatible Geräte steuern (+ Sensoren auslesen) und gleichzeitig durch den eingebauten Infrarot-Bewegungsmelder und die Kamera die Räume überwachen kann. Möchte man mehr als einen Raum überwachen, kann man mehrere „Pipers“ zentral über die Smartphone-App steuern.

Piper-Ansicht
Überwachung und Heimautomatisierung mit Piper

Heimautomatisierung mit Piper

Aber kommen wir zunächst zum Bereich der Heimautomatisierung mit Piper. Durch den eingebauten Z-Wave Controller kann Piper mit kompatiblen Z-Wave-Sensoren und Schaltern verbunden werden. Z-Wave ist in Deutschland bisher wenig verbreitet, das Zubehör ist aber mittlerweile in einigen Shops erhältlich. Hardwareseitig ist Piper mit allen Z-Wave Sensoren und Schaltern kompatibel, die Software unterstützt allerdings bisher nur einfache Ein/Aus-Schalter, Dimmer und Fenster/Tür-Kontakte (auf/zu). Die Software soll jedoch erweitert werden, so dass bald vielleicht auch Rolladen-Steuerungen über Piper bedient werden können.
Über die Piper-App kann das kompatible Zubehör hinzugefügt und anschließend gesteuert werden. „Gesteuert“ bedeutet hier allerdings nicht nur einfaches manuelles „Ein/Aus“ über die App, sondern die Schalter können regelbasiert und abhängig von den Sensoren (den Eingebauten oder den verbundenen Z-Wave-Sensoren) automatisch geschaltet werden. Man kann so z.B. eine Lampe (an einem Z-Wave Schalter) automatisch einschalten lassen wenn es im Raum dunkel wird und nach 3 Stunden wieder ausschalten lassen. Auch Zeitpläne sind möglich (Am Wochenende immer um 20:00 einschalten und um 21:00 Uhr wieder aus), sowie eine Steuerung abhängig von der Temperatur – z.B. soll der Ventilator eingeschaltet werden, wenn über 25°C im Raum gemessen werden.

piper_app_zwave
Screenshot: Piper Z-Wave Verwaltung

Überwachung mit Piper

Die Überwachungsfunktionen von Piper ermöglichen zum einen die Video-Überwachung durch die HD-Kamera, zum anderen aber auch die Erkennung einer Bewegung (Infrarot Bewegungssensor) oder das Öffnen einer Türe durch die Verbindung mit Z-Wave Tür-Kontakten. Auf Basis der Sensoren (interne Sensoren + Z-Wave-Zubehör) können regelbasiert Aktionen ausgelöst werden – hier einige Beispiele:

– Wenn durch den Infrarot-Bewegungssensor eine Bewegung registriert wurde soll eine E-Mail und eine Push-Nachricht an mein Smartphone gesendet und die Video-Aufzeichnung gestartet werden.

– Wenn die Raumtemperatur über 50°C steigt, soll ebenfalls eine E-Mail, eine SMS, eine Push-Nachricht und ein Telefonanruf ausgelöst werden und außerdem sollen weitere hinterlegte Kontakte zusätzlich benachrichtigt werden (-> denn vermutlich brennt es).

Wir können hier nicht alle Funktionen ausführlich beschreiben, möchten euch aber noch die Wichtigsten vorstellen:

  • Live Video über die App, dabei kann das Videobild in 4 Teile aufgeteilt werden, die jeweils einen unterschiedlichen Bereich des 180°C Winkels zeigen (das ist gut gemacht: Ausschnitt und Zoom frei wählbar)
  • Panik-Modus: Bei einem Überfall kann über einen Schalter in der App der Panik-Modus aktiviert werden, der die 105dB-Sirene aktiviert (wirklich extrem laut, wir haben es ausprobiert)
  • 4 Voreinstellungen für „Anwesend“, „im Urlaub“, bin Arbeiten“ und „deaktiviert“ konfigurierbar. Beispiel: Im Modus „Anwesend“ soll die Bewegungserkennung deaktiviert sein, der Temperatur-Alarm aber nicht
  • Aufzeichnung und Anzeige der gemessenen Temperatur (Außentemperatur kommt dabei mangels Außensensor über Internet), Luftfeuchtigkeit, Helligkeit, Lautstärke und Bewegungen der letzten 48 Stunden
  • Notstrom-Versorgung über Batterien für 4-6 Stunden: Fällt der Strom (und die WLAN-Verbindung) aus, arbeitet Piper trotzdem weiter und läd die in der Zwischenzeit eventuell lokal gespeicherten Videos in die „Piper-Cloud“, sobald der Strom wieder da ist. Zusätzlich wird bei einem Stromausfall eine Benachrichtigung über die App von Piper ausgelöst („Gerät nicht mehr erreichbar“). Dies wird durch eine „Heartbeat“-Funktion ermöglicht, die Piper-Server prüfen also über das Internet, ob das Gerät noch erreichbar ist.
  • 2-Wege Audio: Man kann über die App eine Durchsage auf das Piper machen oder in den Raum reinhören (beides klappt gut)
  • Sprachausgabe: bei verschiedenen Aktionen gibt es eine akustische Bestätigung, z.,B. bei der Aktivierung einer Voreinstellung „abwesend/Arbeit“ (sinngemäß: „away mode activated“)
  • Alarmierung per Mail, SMS, Anruf und/oder Push-Nachricht

 

Für alle, die sich für die technischen Details interessieren, hier noch alle technischen Daten im Überblick:

  • Prozessor: TI DaVinci ARM SoC (mit h.264 encoding)
  • Speicher: 128MB Arbeitsspeicher; 256MB flash
  • WLAN: 802.11b/g/n (Marvell WiFi chipset)
  • Z-Wave controller (zur Kommunikation mit Sensoren und Schaltern über den Z-Wave Standard)
  • Infrarot Bewegungsmelder
  • HD-Kamera mit 180 Grad Weitwinkel (1920 x 1080)
  • Mikrofon + Lautsprecher und 105 dB Sirene
  • Sensoren:
    • Helligkeit
    • Temperatur
    • Luftfeuchtigkeit
    • Bewegung (3 Achsen)
  • RGB LED vorne
  • Stromversorgung: 7.5W + Notstrom über Batterien (im Lieferumfang)
  • Betriebssystem: Linux (OpenEmbedded)
  • Wandhalterung, Standfuß

 

Installation und Inbetriebnahme von Piper

Zur Inbetriebnahme müssen zunächst die mitgelieferten Batterien eingelegt und der Standfuß montiert werden, was schnell und einfach erledigt werden kann. Anschließend wird das Gerät mit dem Netzteil verbunden und die Piper-App aus dem jeweiligen Appstore (Android und iOS verfügbar) geladen. Man sollte mit den weiteren Schritten (Konfiguration in der App) warten, bis das Gerät wirklich vollständig gestartet ist, was durch eine Sprachansage über den Lautsprecher von Piper auf Englisch signalisiert wird (sinngemäß „piper is ready“). Nun kann die Einrichtung über die Piper-App beginnen: Man startet die App und folgt einfach den Hinweisen bis zur WLAN-Einrichtung. In diesem Schritt muss man die App in den Hintergrund schieben (z.B. bei iOS einfach „Home-Button“ drücken) und die WLAN-Einstellungen öffnen. Nun verbindet man sich mit dem neuen WLAN, das Piper gestartet hat. Nach dem erfolgreichen Verbinden ruft man wieder die Piper-App auf um anschließend den WLAN-Schlüssel für das eigene WLAN einzugeben, damit sich Piper mit dem eigenen WLAN verbinden kann.

piper_lieferumfang
Piper Lieferumfang

Als wir das Gerät eingerichtet haben war dieser Schritt zunächst nicht möglich (es wurden überhaupt keine WLAN-Netzwerke gefunden), erst nach einem vollständigen Zurücksetzten auf Werkseinstellungen hat es im zweiten Versuch dann geklappt. Das Gerät setzt man übrigens auf Werkseinstellungen zurück, indem man zunächst die Stromversorgung trennt (Batterien ebenfalls entfernen) und bei gedrücktem Schalter am Gehäuse den Netzstecker wieder einsteckt.

Alle weiteren Schritte in der App haben dann problemlos funktioniert. Damit man Piper über die App auch dann erreichen kann, wenn man sich nicht im eigenen WLAN befindet, muss je nach eingesetztem Router/Firewall der Port 7477 in der Firewall freigeschaltet werden – ansonsten funktioniert auch nicht die Alarmierung bei einem Stromausfall, da die Piper-Server das Gerät nicht erreichen können. In der Fritz-Box gibt man den Port z.B. einfach über den Menüpunkt „Internet“ -> „Freigaben“ -> „Portfreigaben“ frei und wählt im Feld  „an Computer“ das Piper-Gerät in der Liste aus. Piper sollte immer die gleiche IP-Adresse zugewiesen bekommen, was man in der Übersicht der verbundenen Geräte im „Heimnetz“ einstellen kann.

Sicherheit

Zu bedenken ist hier, dass damit Piper natürlich im Internet für „jedermann“ erreichbar ist und bei einer potentiellen Sicherheitslücke in Piper für einen Zugriff auf das eigene Netzwerk genutzt werden könnte. Dies gilt nicht nur für Piper, sondern für alle „Smarthome“-Geräte, die über das Internet erreichbar sind. Die Verbindung von Piper zur App und zu den Piper-Servern ist laut den Angaben des Herstellers verschlüsselt. Die durch Piper aufgezeichneten und zu Piper hochgeladenen Videos werden in der „sicheren Piper-Cloud“ gespeichert um sie dann über die App anschauen (und auch wieder löschen) zu können. Wie sicher dieser Cloud-Service von Piper nun wirklich ist können wir nicht beurteilen. Schaut man sich über die App das Live-Video an, werden die Videobilder laut Hersteller vom Gerät direkt an die App gesendet, also nicht über die Server von Piper.

Die Piper-App für Android und iOS

Die zahlreichen Funktionen von Piper haben wir ja bereits dargestellt. Alle Funktionen werden über die App bedient, es gibt also keine Webseite von Piper, auf der man Konfigurationen ändern oder die Alarm-Meldungen verfolgen kann. Aus Sicherheitsgründen sollte es aus unserer Sicht aber auch bei der App bleiben (-> Webseite wäre ein weiteres Angriffsziel). Die Android und iOS-App ist jeweils auch für Tablets gedacht und entspricht von der Aufteilung her genau der Smartphone-Version. Eine App für Windwos Phone ist derzeit nicht verfügbar.

 

Erfahrungen mit Piper im Alltag

Die Überwachung mit Piper funktioniert bisher absolut zuverlässig. Der Bewegungssensor ist sehr empfindlich und der Alarm wird schnell ausgelöst. Die Alarmierung per SMS oder Anruf, die eigenltich möglich sein soll, hat in unseren Tests jedoch noch nicht funktioniert. Nach Rückfrage beim Support von Piper sucht man derzeit nach der Ursache für dieses Problem.
Was wir bisher mangels Z-Wave Zubehör noch nicht testen konnten ist die Verbindung mit Tür/Fensterkontakten oder Z-Wave-Schaltern. Die Aufzeichnung und Anzeige der Messwerte von den Sensoren (Temperatur etc.) ist ganz praktisch, aber nur als relativ grober Verlauf in der App sichtbar. Exportieren lassen sich diese Daten nicht.

Was uns im Alltags-Betrieb bei Piper stört ist die bisher noch fehlende Unterstützung von Zeitplänen zur Aktivierung der verschiedenen Voreinstellungen (zu Hause, Arbeit, …). So muss man Piper immer über die App „Scharf schalten“ oder deaktivieren, was etwas umständlich ist und durch die etwas lange Ladezeit / Verbindungszeit der App nach einiger Zeit etwas nervt. Denkbar wäre hier zumindest für Android ein Widget für den Homescreen, um nicht jedes Mal die App starten zu müssen.

Schade ist außerdem, dass man die Kamera und Bewegungserkennung von Piper aktuell nicht in Kombination mit anderen Überwachungslösungen nutzen kann – z.B. mit der Synology „surveillance station“. Auch ein Upload der Videos auf einen FTP-Server statt in die Piper-Cloud ist aktuell nicht möglich. Nach Rücksprache mit Piper ist das aber wohl ein Thema an dem in naher Zukunft gearbeitet werden soll.

Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die sicherlich bald durch ein Softwareupdate behoben werden: Aktuell „knackt“ es etwas unschön im Lautsprecher, bevor der Lautsprecher aktiviert wird*. Die Piper-eigene Sprachausgabe ist zudem nicht sehr gut verständlich, da zu schnell und undeutlich. Die eigenen „Sparchansagen“ über die App kann man dagegen gut verstehen.

Kosten & Verfügbarkeit

Ein einzelnes Piper kostet aktuell 149€ + Versand aus Kanada. Es sind verschiedene Pakete erhältlich, die mehrere Piper und/oder Z-Wave Zubehör enthalten. Monatliche Kosten fallen nicht an, auch nicht für das Speichern der Videos in der „Piper-Cloud“. Die Geräte sind direkt beim Hersteller auf der Webseite bestellbar.

Piper im Test: Unser Fazit

Die Überwachungs- und Heimautomatisierungs-Lösung von Piper überzeugt uns insgesamt, auch wenn wir noch nicht alle Funktionen testen konnten (Z-Wave) und einige Kleinigkeiten in der Software durch Updates noch behoben werden sollten. Wie schon oben erwähnt nervt die etwas umständliche Aktivierung/Deaktivierung über die App, was durch die Unterstützung von Zeitplänen sicherlich bald behoben wird.

Wir halten den Preis für ein einzelnes Piper für absolut angemessen, zumal HD-WLAN-Kameras in einem ähnlichen Preisbereich liegen – und natürlich dann nur zur reinen Videoüberwachung geeignet sind.

In den nächsten Monaten werden wir die Entwicklung natürlich weiter verfolgen und auch die Z-Wave Funktionen testen.

 

*Aktualisierung am 16.08.2014

Piper hat Software-Updates für die Smartphone-Apps und das Gerät selbst veröffentlicht. Das von uns beschriebene „Knacken“ bei der Aktivierung des Lautsprechers tritt nun nicht mehr auf.

Author

Martin berichtet seit 2013 über Smart Home-Themen und ist Mitherausgeber von Housecontrollers.de.

1 Kommentar

  1. Piper funktioniert super mit dem Türsensor (gibt es auch auf deren Website).
    Es löst zuverlässig und nur mit kleiner Verzögerung aus

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