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Im Interview mit Housecontrollers berichtet der Smart Home-Experte Frank Völkel über seinen Einstieg in die Hausautomatisierung, welche Systeme er heute einsetzt und welche Aspekte bei dem Aufbau eines Smart Homes berücksichtigt werden sollten.

Der Diplomingenieur Frank Völkel ist Geschäftsführer und Co-Founder der Smartest Home AG, die die Konzeption, Planung und Programmierung von intelligenten Häusern übernimmt. Sein YouTube-Channel „Smartest Home“ gehört zu den ersten Adressen für Smart Home-Interessierte. Darüber hinaus ist er Fachautor von Büchern und Publikationen zu dem Thema „Smart Home“ und als Speaker tätig.

Smart Home-Experte Frank Völkel

Housecontrollers: Herr Völkel, in ihrem Buch „Smart Home – Bausteine für ein intelligentes Zuhause“ widmen Sie sich umfassend dem Thema Hausautomatisierung. Wann haben Sie das Thema Smart Home für sich entdeckt und mit welchen Lösungen sind Sie damals in das Thema eingestiegen?

Frank Völkel: Ich beschäftige mich seit ca. 12 Jahren mit den Themen „Smart Home“ und „intelligentes Haus“. Im Jahre 2008/2009 habe ich dann das erste echte Smart Home im Münchner Landkreis gebaut. Das war mein eigenes Haus. Es zeichnet sich durch vernetzte Technik und moderne Architektur aus. Wir haben damals Preise gewonnen, vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Architektur. Die kluge und vernetzte (unsichtbare) Technik, die dahinter steckt und das ganze Haus steuert, hat damals keiner so richtig verstanden.

Ich erinnere mich noch an einen Energieeffizienz-Wettbewerb, den die Stadt München veranstaltet hat. Dort ging es darum, möglichst energieeffiziente Gebäude im Neubau vorzustellen. Ich habe zweimal teilgenommen. Ich konnte damals schon eine Echtzeit-Energiebilanz – was wird an Energie per Photovoltaik gewonnen und was wird im ganzen Haus für Heizung/Lüftung etc. verbraucht – liefern und jederzeit abrufen. Und das die Jalousien in Abhängigkeit von der Helligkeit, Wetter, Anwesenheit etc. hoch- und runterfahren und zur hohen Energieeffizienz beitragen. Das hat allerdings keiner verstanden. Es hat dann jemand gewonnen, der möglichst viel (und dick) gedämmt hat. Dämmung haben wir übrigens auch.

Als Lösung kam für mich von Anfang an eine komplette Kabel-Vernetzung in Frage. Die Systeme dahinter sind dann auf KNX-, IP-, und DMX/DALI-Basis.

Housecontrollers: Welche Smart Home Lösungen setzen Sie heute ein und warum haben Sie sich für diese Systeme entschieden?

Frank Völkel: Wie schon gesagt, die Lösung ist immer noch die gleiche: Ein Kabel-basierendes vernetztes System basierend auf KNX-, IP- und DMX/DALI-Basis. Die Steuerung übernimmt ein zentraler lokaler Rechner. Dafür gibt es mit Abstand die meisten Produkte am Markt. Und es gibt wohl über 400 Hersteller die mittlerweile über 7.500 Produkte anbieten. Das bedeutet höchste Flexibilität und auch die Befriedigung der unterschiedlichsten Ansprüche.

Das Spektrum bei den KNX-Produkten ist sehr groß: Es gibt günstige Anbieter, die viele gute Funktionen reinpacken und sich an den preissensitiven Käufer richten. Und dann gibt es Anbieter, die sehr hochwertige Produkte anbieten und sich an ein sehr Design- und Ambiente-affines Publikum richten. Wie gesagt, beide Zielgruppen können Sie mit den gleichen technischen Standards (KNX etc.) erreichen.

Housecontrollers: Welche Tipps würden Sie jemanden geben, der sich ein intelligentes Zuhause aufbauen möchte? Worauf sollte man bei der Auswahl entsprechender Systeme unbedingt achten?

Frank Völkel: Da müssen wir zuerst unterscheiden, ob es sich um Neubau oder Bestand handelt. Im Neubau gibt es alle Freiheiten, da ja alles frei und individuell geplant werden kann. Da würde ich jedem raten, sich unbedingt viel Zeit zu nehmen und eventuell professionelle Hilfe bei der smarten Planung zu holen. Passiert das nicht, haben wir dann am Ende lange Gesichter und eine große Enttäuschung darüber, dass das neue Haus eigentlich ein „Altbau“ geworden ist.

Im Neubau würde ich immer zu einem flexiblen Kabel-basierenden KNX-/IP-/DALI-System raten, dass ich im Laufe der Jahre erweitern und ausbauen kann. Sofern es auch so gescheit geplant und konzipiert wurde. Andernfalls müssen bei Änderungen die Wände aufgestemmt werden, ich glaube, das will kein Mensch wirklich machen.

 „Smart Home wird häufig falsch interpretiert“

Worauf sollte man achten? Smart Home ist in aller Munde und wird häufig falsch interpretiert. Wenn es um ein „System“ geht, dann soll es mindestens in 25 oder 30 Jahren auch noch verfügbar sein. Es muss Produkte geben, die einen sehr langen Lebenszyklus haben, auch wenn sie nicht mehr produziert werden und durch neue ersetzt wurden. Auch ist die Langzeitqualität sehr wichtig. Sei es durch Updates und Erweiterungen. Da fällt mir wiederum nur KNX ein, welches schon seit fast 30 Jahren am Markt ist. Gleichzeitig entwickeln weltweit viele Hersteller diesen Standard weiter. Viele andere Systeme, ich will hier keine Namen nennen, wird es spätestens in 3 oder 5 Jahren nicht mehr geben.

Für mich persönlich spielen Ästhetik und Anmutung in allen Räumen und auch im Außenbereich eine große Rolle.

Housecontrollers: Angenommen, ich plane gerade einen Neubau und möchte mein neues Zuhause umfassend vernetzen: Beleuchtung, Heizung, Sicherheit, Entertainment – das volle Programm. Mit welchen Kosten für das Smart Home muss ich ungefähr rechnen?

Frank Völkel Ja, diese Frage kenne ich ziemlich gut. Meine Erfahrung mit intelligenten Häusern zeigt, dass Sie ca. 10 Prozent zu den Gesamtkosten hinzurechnen müssen, um ein gutes Smart Home im Neubau zu errichten. Die Gesamtkosten beziehen sich auf ein konventionelles Haus (nicht smartes Haus) gegenüber einem richtig intelligenten Haus. Machen wir ein Beispiel: Ein Neubau kostet insgesamt 500.000 Euro/CHF. Dann können Sie noch 50.000 Euro/CHF für die Intelligente Ausstattung etc. hinzurechnen.

Housecontrollers: Was sind aus Ihrer Sicht momentan die spannendsten Trends im Smart Home-Bereich? Wohin geht die Reise?

„Beleuchtung und Multiroom-Audio gehören zu den wichtigsten Smart Home Trends“

Frank Völkel: Da sehe ich einerseits ganz klar das Thema Beleuchtung. Wo früher eine einzige Glühbirne mit Lampenschirm mitten im Raum hing und undefiniert „hell“ machte, haben wir heute definierte Lichtstimmungen für verschiedene Anlässe. Dazu brauchen wir gutes farbveränderliches Licht, was auch dem Tagesrhythmus der Bewohner angepasst ist. Damit das ganze wirkt, müssen die Leuchtenpositionen und -typen geplant werden. Sämtliche Lichtstimmungen lassen sich per Tastendruck oder über eine App steuern und individuell anpassen/verändern. Alles wird über einen zentralen Rechner, der auch alle übrigen Bereiche des Hauses steuert, permanent geregelt.

Ein weiterer Trend ist das Thema „Musik in allen Räumen“ oder englisch Multiroom-Audio. Jeder Bewohner im Haus kann seine eigene Musik hören und sie bei Verlassen eines Raumes „mitnehmen“. Die meisten Lautsprecher und die Technik dazu sind unsichtbar oder in der Wand/Decke integriert, was wiederum ein Argument für gutes Design und Ästhetik ist. Gesteuert wird die Musik – oder es kann auch Video sein – wie alles andere im Haus, per Szenen-Taster oder über eine einzige App. Die kann dann beispielsweise auf einem iPad sein, welches an der Wand oder am Tisch platziert wurde.

Housecontrollers: Herr Völkel, recht herzlichen Dank für die Beantwortung der Fragen!

Frank Völkel: Sehr gerne.

Author

Nico berichtet seit 2013 über Smart Home-Themen und ist Herausgeber von Housecontrollers.de.

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