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Günther Ohland ist Fachjournalist und Autor mehrerer Bücher zu den Themen SmartHome, wie beispielsweise einem Smart Home-Ratgeber für Bauherren (Amazon*). Herr Ohland ist darüber hinaus Initiator des Musterhauses SmartHome Paderborn und Gründungsmitglied des SmartHome Initiative Deutschland e.V. Der Verein verfolgt das Ziel, die Funktionalität intelligenter und vernetzter Häuser zu fördern, den Erfahrungsaustausch in der Smart Home-Branche anzuregen und ein smarte Basisinfrastruktur zur Wohn-Standard in Deutschland zu machen. 

Smart Home-Experte Günther Ohland

HouseControllers: Herr Ohland, die Frage, die uns zunächst brennend interessiert: Wie sieht eigentlich das Smart Home des Gründungsmitglied der Initiative SmartHome Deutschland aus?Welches System setzen Sie ein? 

Günther Ohland: Ich habe mich nach vielen Versuchen für die Software myHomeControl der Schweizer Herstellers BootUp zusammen mit EnOcean Sensoren und Aktoren verschiedener Hersteller entschieden. Integraler Teil des Systems ist ein Sonos Soundsystem, die Netatmo-Wetterstation, Philips Hue Licht und zur Sprachsteuerung Alexa. Mit myHomeControl habe ich alles in einem System und mit einer App. Mehrere IP-Cams sichern mein Haus und den Eingangsbereich ab.

Das Smart Home-System myHomeControl zeigt alle Sensoren, Aktoren und Kameras auf einen Touch-Display an. (Bildnachweis: WeberHaus)

HouseControllers: …und auf welche Smart Home-Funktion möchten Sie im Alltag nicht mehr verzichten? Gibt es ein „Killerfeature“?

Günther Ohland: Es gibt schon ein paar Funktionen, die vielleicht ein bisschen verrückt sind. Beispielsweise zeigt eine Leuchte in der Küche durch ihre Farbe an, welche Mülltonnen raus muss: Gelb für die gelbe Tonne, Grün für die grüne, etc.  Und da bei mir mehrere Postdienste zu ganz unterschiedlichen Zeiten kommen, meldet auch der Briefkasten per Sonos Ausgabe: „Die Post war da“. Natürlich fahren Rollläden nach bestimmten Regeln automatisch und bei längerer Abwesenheit wird die Soll-Temperatur abgesenkt.

HouseControllers: Was sind aus Ihrer Sicht die wesentlichen Vorteile eines Smart Homes?

Günther Ohland: Es sind die drei Säulen Energieeffizienz, Sicherheit und Komfort beziehungsweise Leben im Alter. Nachdem ich die Heizung in den Räumen auf Zeitprofile umgestellt habe, geöffnete Fenster erkannt werden und dadurch nicht zum Fenster hinaus geheizt wird und auch die Außenjalousien konsequent automatisch über Nacht abgesenkt werden, habe ich mehr als ein Drittel weniger Gas für die Heizung verbraucht, natürlich Wetter bereinigt verglichen. Damit haben sich die Investitionen der nachträglichen „Versmartung“ schon in zwei Jahren ausgezahlt.

Die Investitionen haben sich schon nach zwei Jahren ausgezahlt

Viele der für die Heizkostenreduzierung notwendigen Sensoren verbessern auch die Einbruchsicherheit. Beispielsweise die Fensterkontakte aber auch das nächtliche Absenken der Rollläden und Hochfahren über Tag.

Ein smartes Heizkörperthermostat reduziert die Energiekosten (Bildnachweis: G. Ohland)
Tür- und Fensterkontakte verbessern die Einbruchssicherheit (Bildnachweis: Kooperation SmartFriends)

HouseControllers: Den Vorteilen stehen mögliche Probleme mit Blick auf den Datenschutz und die Sicherheit der Systeme gegenüber: Glaubt man den diversen Studien zum Thema Smart Home, haben viele Verbraucher Angst vor „digitalen Spionen“. Gibt es Gütesiegel oder andere Kriterien, an denen ich mich als Verbraucher orientieren kann, um Hersteller zu finden, die meine Daten bestmöglich schützen?

Günther Ohland: In der Tat haben viele Menschen Angst davor, ausgespäht zu werden oder, dass Einbrecher mit dem Handy die Haustür öffnen könnten. Bei einem seriösen SmartHome System kann man das praktisch ausschließen.

Die Schreckensmeldungen betreffen so genannte IoT-Produkte, die als Sensoren in der Wohnung sind und ihre Messwerte auf Cloudserver irgendwo im Internet senden. Dieses „Irgendwo“ ist ein Problem. Wenn die Server nicht im Geltungsbereich unserer Europäischen Gesetze stehen, beispielsweise in China oder den USA, ist es quasi unmöglich zu erfahren, was wirklich mit meinen sensiblen Daten gemacht wird. Deshalb würde ich solche Systeme, auch bei sehr attraktiven Preisen, nicht verwenden. Wir haben hervorragende SmartHome Systeme und Produkte made in Germany, beziehungsweise Europe. 

HouseControllers: Homematic, SmartFriends, KNX, Z-Wave und Co.: Der Einstieg in das Thema Smart Home fällt aufgrund zahlreicher unterschiedlicher Systeme und Standards nicht gerade leicht. Welche Aspekte sollte ich unbedingt bei der Planung eines Smart Homes berücksichtigen?

Günther Ohland: Wir müssen unterscheiden zwischen Neubau, Nachrüstung, Eigentum und Miete. Wenn man beim Neubau richtig plant, ist eine smarte Installation nicht teurer, als eine konventionelle, Funktionsgleichheit vorausgesetzt. Mehr smarte Funktionen, kosten dann allerdings auch etwas mehr. Der weitaus größere Marktanteil ist der Wohnungsbestand. Hier kommt praktisch nur eine Funklösung in Betracht. Wir haben heute technisch sehr gute, einfach installierbare und sichere Systeme. Auch bieten heute alle Marken den vollen Leistungsumfang. Für welches System man sich auch entscheidet, man kann später immer weiter innerhalb des Standards nachrüsten. Die Angst, dass man sich falsch entschieden hat, ist unbegründet.

Entscheidungskriterien sollten sein, ob man Batterien in Schaltern beziehungsweise Sensoren akzeptiert oder nicht. Wenn nicht bleibt nur die EnOcean Technologie, sonst jede andere. Passt das Design der sichtbaren Teile wie Heizkörperventile, Systembox, Fensterkontakte zu meinem Schönheitssinn? Denn technisch Unterschiede kann man aus Nutzersicht inzwischen vergessen. 

HouseControllers: …und mit welchen Kosten muss ich mindestens rechnen, um ein vernetztes Zuhause aufzubauen?

Günther Ohland: Wenn man mit einem Starterset anfängt – und dazu würde ich raten – muss man zwischen 250 und 400 Euro investieren. Je nach Interesse und Aufgabenstellung lässt sich das System dann erweitern. Pro Sensor beziehungsweise Aktor und Hersteller kann mit zwischen 35 und 60 Euro rechnen. Das kann dann Schritt für Schritt erfolgen. Vielleicht Aufgaben bezogen, zuerst die Heizkörperventile oder zuerst die Jalousien oder auch Raum bezogen, zuerst das Wohnzimmer, dann die Küche. Durch die Nachrüstbarkeit sind alle Spielarten möglich.

Smarte Funktionen werden genauso selbstverständlich wie warmes Wasser, Telefon und TV

HouseControllers: Abschließend werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Smart Home-Trends werden aus Ihrer Sicht künftig an Bedeutung gewinnen? Wohin geht die Reise?

Günther Ohland: Inzwischen werden professionelle Produkte immer günstiger und leichter zu handhaben. Ich erfahre ein starkes Interesse aus der Wohnungswirtschaft, die inzwischen erkannt hat, dass es durchaus wirtschaftlich sein kann, beim Neubau oder Sanierung aber sogar beim Mieterwechsel smarte Technik nachzurüsten. Eine älter werdende Mieterschaft möchte man nicht an das das Pflegeheim verlieren und rüstet lieber die Wohnungen technisch auf. Selbst in Ballungszentren mit Wohnungsmangel wie Berlin ist das ein Thema. Es ist also zu erwarten, dass künftig Smarte Basisfunktionen genauso selbstverständlich werden, wie warmes Wasser, Telefon- und TV-Anschluss.

Bildnachweis Titelgrafik: Stanisic Vladimir / Shutterstock

Author

Nico berichtet seit 2013 über Smart Home-Themen und ist Herausgeber von Housecontrollers.de.

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