Eine Split-Klimaanlage smart zu steuern, scheitert selten am Geld und fast immer an der Software: Die mitgelieferte Fernbedienung ist klobig, die Hersteller-App kann oft nur das Nötigste, und Funktionen wie Geofencing sucht ihr meist vergeblich. Zum Glück gibt es drei Wege, die das lösen – die App des Herstellers, ein Nachrüst-Adapter wie Tado oder Netatmo und die Einbindung in ein Smart-Home-System wie Homey oder Home Assistant. Welcher Weg sich für wen lohnt, was er kostet und wo er hakt, klären wir hier auf Basis unserer eigenen Erfahrung.

Kurzfazit: Die Kurzfassung vorweg: Wollt ihr ohne Bastelei Zeitpläne, Geofencing und eine genaue Temperaturmessung, sind Tado* oder Netatmo* für rund 90 bis 120 Euro die einfachste Lösung. Wir nutzen aktuell Tado und sind zufrieden. Habt ihr ein gutes WLAN-Modul, reicht oft die Hersteller-App. Und wer alles in einem System bündeln will, geht über Homey oder Home Assistant.

Was bringt eine smarte Klimasteuerung im Alltag?

Eine smarte Klimasteuerung lohnt sich vor allem wegen vier Funktionen.

Zeitpläne sorgen dafür, dass das Schlafzimmer abends vorgekühlt oder das Homeoffice morgens vorgeheizt wird, ohne dass ihr daran denken müsst. Geofencing schaltet die Anlage ab, sobald alle das Haus verlassen, und fährt sie rechtzeitig wieder hoch, wenn sich der erste Bewohner nähert. Die Fenster-offen-Erkennung stoppt das Gerät beim Lüften. Und ein Energiemonitoring zeigt euch, wo der Strom hingeht – gerade beim Heizen mit der Klimaanlage im Winter ein hilfreicher Hebel.

Wir erläutern die verschiedenen Optionen.

Foto: Fernbedienung der Daikin des Soplit-Klimageräts
Kein Witz: Daikin verkauft seine Split-Klimageräte im Jahr 2026 ernsthaft mit solchen Knochen als Fernbedienung.

Warum Infrarot der Knackpunkt ist

Die meisten Split-Klimaanlagen werden per Infrarot-Fernbedienung gesteuert. Das ist eine Einbahnstraße: Die Fernbedienung sendet Befehle ans Gerät, bekommt aber keine Rückmeldung über den aktuellen Zustand. Jede Lösung, die über Infrarot arbeitet, erbt dieses Problem. Das System weiß nur, welchen Befehl es zuletzt geschickt hat – nicht, ob die Anlage tatsächlich läuft oder ob jemand zwischendurch mit der Originalfernbedienung eingegriffen hat.

In der Praxis lässt sich das gut in den Griff bekommen: Macht den smarten Adapter zur einzigen Steuerung und legt die Originalfernbedienung in die Schublade. Dann gibt es keine Zustände mehr, die auseinanderlaufen. Genau so handhaben wir es bei uns.

Anders sieht es aus, wenn die Anlage ein echtes WLAN-Modul besitzt. Dann meldet das Gerät seinen Status zurück, und die App zeigt zuverlässig an, was gerade passiert. Behaltet diesen Unterschied im Hinterkopf – er erklärt, warum die folgenden Optionen unterschiedlich gut funktionieren.

Option 1: Klimaanlage über die Hersteller-App steuern

Viele aktuelle Split-Klimaanlagen lassen sich ab Werk oder per nachrüstbarem WLAN-Modul mit der Hersteller-App verbinden. Die bekanntesten sind Daikin Onecta, Mitsubishi MELCloud beziehungsweise das neuere MELCloud Home, LG ThinQ, Samsung SmartThings und Panasonic Comfort Cloud.

Der große Vorteil: Diese Apps kommunizieren direkt mit der Anlage und kennen deren echten Status. Das Infrarot-Problem entfällt komplett. Bei Daikin Onecta bekommt ihr zudem ein brauchbares Energiemonitoring mit dem tatsächlichen Verbrauch, was bei den Adapter-Lösungen so nicht möglich ist. Samsung SmartThings reagiert flott und bringt eine native Anbindung an Alexa und den Google Assistant mit; Apple HomeKit lässt sich nur über Umwege wie Matter einbinden.

Daikin Onecta App mit Temperaturregler auf 22 Grad und aktivem Kühlmodus
Die Daikin Onecta App: Temperatur, Betriebsmodus und Ventilatorstufe lassen sich direkt einstellen.
Startbildschirm der Daikin Onecta App mit drei Räumen und ihren aktuellen Temperaturen
Geräteübersicht in der Onecta App – Schlafzimmer, Büro und Kinderzimmer auf einen Blick.

Die Schwächen liegen im Detail. Der Funktionsumfang schwankt von Hersteller zu Hersteller erheblich. Geofencing fehlt bei vielen Apps ganz oder steckt in den Tiefen der Menüs. Jede Marke kocht ihr eigenes Süppchen, mit eigenem Cloud-Konto und eigener Bedienlogik – wer Geräte verschiedener Hersteller im Haus hat, jongliert mit mehreren Apps. Hinzu kommt ein Trend, der uns nicht gefällt: Die Hersteller setzen zunehmend auf die Cloud und schließen lokale Schnittstellen. Daikin hat lokale Zugriffe bei seinen Adaptern bereits 2023 weitgehend dichtgemacht, Mitsubishi geht mit MELCloud Home in eine ähnliche Richtung. Fällt die Cloud aus oder stellt der Hersteller den Dienst ein, steht ihr ohne smarte Funktionen da.

Praktisch heißt das: Prüft zuerst, ob euer Modell WLAN ab Werk mitbringt oder ob sich ein Modul nachrüsten lässt – die kosten je nach Marke meist zwischen 100 und 150 Euro. Wenn die App eures Herstellers die Funktionen bietet, die ihr braucht, ist das der sauberste Weg, weil ihr den echten Gerätestatus bekommt. Reicht der Funktionsumfang nicht, kommen die nächsten beiden Optionen ins Spiel.

Option 2: Klimaanlage nachrüsten mit Tado oder Netatmo

Wenn eure Anlage kein gutes WLAN-Modul hat oder die Hersteller-App enttäuscht, sind Nachrüst-Adapter die unkomplizierteste Lösung. Das Prinzip: Eine kleine Box wird per WLAN ins Heimnetz eingebunden und gibt die Steuerbefehle per Infrarot an die Klimaanlage weiter. Weil die Box einen eigenen Temperatursensor mitbringt, misst sie die Raumtemperatur dort, wo ihr euch tatsächlich aufhaltet – und nicht am Innengerät, wo die Messung oft danebenliegt.

Tado: Unser aktuelles Setup

Wir steuern unsere Klimaanlage derzeit mit der smarten Klimaanlagensteuerung von Tado und sind damit zufrieden. Die Einrichtung war in unserem Test mit einer Daikin Comfora in wenigen Minuten erledigt: Code an der Box scannen, Bezeichnung vergeben, Originalfernbedienung einmal auf die Box richten – fertig. Tado hat die Anlage sofort erkannt.

Im Alltag überzeugt vor allem der Funktionsumfang. Zeitprofile, Geofencing, Fenster-offen-Erkennung über plötzlichen Temperaturabfall, eine Wettervorhersage-Steuerung und ein Überblick über die Energieeinsparungen gehören dazu. Die Box dient gleichzeitig als Thermostat mit LED-Display, sodass die unhandliche Daikin-Fernbedienung bei uns in der Schublade verschwunden ist. Praktisch gelöst ist auch der Temperaturunterschied: Unsere Daikin misst die Raumtemperatur am Innengerät ungenau – beim Heizen mussten wir 18 Grad einstellen, um 20 Grad zu erreichen. Mit dem eigenen Sensor von Tado stimmt der Wert. Die Sprachsteuerung über Alexa, Apple HomeKit beziehungsweise Siri und den Google Assistant läuft ebenfalls ohne Murren.

Tado App Startbildschirm mit Kacheln für Büro, Schlafzimmer, Kinderzimmer, Geofencing und Energieeinsparungen
Der Startbildschirm der Tado App: alle Räume, Geofencing und Energieeinsparungen auf einen Blick.
Tado App Raumansicht Büro mit Solltemperatur 22 Grad, Kühlmodus und 54 Prozent Luftfeuchtigkeit
Raumansicht in der Tado App: Solltemperatur, Betriebsmodus und Luftfeuchtigkeit für das Büro.

Zwei Dinge solltet ihr wissen. Einige der besten Funktionen – Geofencing, Fenster-offen-Erkennung und die Energie-Einblicke – stecken hinter dem Abo „Auto Assist“, das aktuell 3,99 Euro im Monat oder 29,99 Euro im Jahr kostet (Tado hat den Preis gegenüber früher angehoben). Und die Zeitprofile sind uns zu starr: Ein eigener Sommer- und Wintermodus fehlt, ebenso die Möglichkeit, schnell zwischen mehreren Profilen zu wechseln. Hier sollte Tado nachbessern. Unterm Strich ist das System für aktuell rund 90 Euro pro Innengerät aber ein rundes Paket, das im Alltag zuverlässig läuft – deshalb nutzen wir es.

Wichtig zu wissen: Habt ihr mehrere Innengeräte, braucht ihr für jeden Raum eine eigene Box.

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Netatmo: Die Tado-Alternative

Wer Tado nicht möchte, findet in der Netatmo Smarten Klimaanlagensteuerung* eine ernstzunehmende Alternative. Das Funktionsprinzip ist identisch: ein Infrarot-Adapter mit eigenem Temperatur- und Feuchtigkeitssensor, kompatibel mit allen Klimaanlagen und Luft-Luft-Wärmepumpen, die eine Infrarot-Fernbedienung haben. Die omnidirektionale Infrarot-Technik gibt euch beim Aufstellort etwas mehr Freiheit.

Bei Netatmo ist das Geofencing – hier „Eco-Assist“ genannt – kostenlos, ihr braucht also kein Abo, um die Anlage anwesenheitsabhängig zu steuern. Auch Apple HomeKit ist nativ an Bord. Anhand einiger Fragen zu euren Gewohnheiten erstellt die App einen Wochenplan. Die UVP liegt bei rund 120 Euro, im Handel ist das Gerät oft günstiger. Wenn euch die laufenden Abokosten von Tado stören und ihr stark auf Geofencing setzt, ist Netatmo das passendere Gerät.

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Option 3: Klimaanlage in Homey oder Home Assistant einbinden

Wer alles in einer Oberfläche bündeln und die Klimaanlage in eigene Automationen einbinden will, kommt an einer echten Smart-Home-Zentrale nicht vorbei. Homey und Home Assistant sind hier beispielsweise naheliegende Kandidaten. Homey ist eine Hardware-Zentrale mit einfacherem Einstieg, Home Assistant läuft auf einem kleinen Rechner wie einem Raspberry Pi und bietet die größte Flexibilität, verlangt dafür aber mehr Einarbeitung. Für die Klimaanlage gibt es bei beiden vier grundsätzliche Wege.

Homey App zeigt den Temperaturverlauf der Klimaanlage als Wochendiagramm
In Homey lässt sich der Temperaturverlauf der Klimaanlage über die ganze Woche auswerten.
Homey App mit Thermostat-Regler der Klimaanlage, Solltemperatur 22 Grad
Die Klimaanlage als Thermostat in Homey: 22 Grad Soll, 26,2 Grad aktuell im Raum.

Der erste Weg ist ein universeller Infrarot-Sender wie der Broadlink RM4, der SwitchBot Hub 2 oder ein Gerät von LinknLink. Diese Blaster sind günstig und steuern jede IR-Klimaanlage. Der Haken ist das oben beschriebene Einbahnstraßen-Problem in Reinform: Das System sendet nur, kennt den Zustand der Anlage nicht und läuft aus dem Tritt, sobald jemand die Originalfernbedienung benutzt. Für simple Automationen taugt das, für eine verlässliche Statusanzeige im Dashboard eher nicht.

Der zweite Weg ist ein Adapter mit eigener Zustandsverwaltung und offener Schnittstelle, allen voran Sensibo. Sensibo arbeitet wie Tado oder Netatmo mit eigenem Sensor, bietet aber eine API, über die sich das Gerät sauber in Home Assistant und Homey einbinden lässt. Laut Hersteller ist Sensibo mit nahezu jeder IR-Klimaanlage kompatibel, darunter Mitsubishi Electric, Daikin, Fujitsu, Panasonic, Toshiba, Hitachi, LG und Samsung. Das ist oft der beste Kompromiss aus Komfort und Integration.

Der dritte Weg ist die native Cloud-Integration des Herstellers. Hat eure Anlage ein WLAN-Modul, könnt ihr sie über die jeweilige Integration direkt anbinden – Home Assistant unterstützt offiziell unter anderem Daikin, Mitsubishi MELCloud, LG ThinQ und Samsung SmartThings; für Panasonic Comfort Cloud gibt es eine von der Community gepflegte Integration. Homey bringt eigene Apps für viele dieser Marken mit, etwa eine dedizierte Daikin-App. Voraussetzung ist meist ein Konto in der Hersteller-Cloud. Dafür bekommt ihr den echten Gerätestatus statt einer geschätzten Anzeige.

Der vierte Weg ist etwas für Bastler: Mit ESPHome lässt sich bei manchen Daikin- und Mitsubishi-Geräten ein kleines Modul direkt an die Platine der Anlage anschließen. Das ergibt eine vollständig lokale Steuerung ohne Hersteller-Cloud – die sauberste, aber auch aufwendigste Lösung, die etwas Löt- und Konfigurationsarbeit verlangt.

Welcher Weg der richtige ist, hängt von eurer Anlage ab. Sensibo deckt praktisch alle Infrarot-Klimaanlagen ab und ist der unkomplizierteste Einstieg in Homey oder Home Assistant. Habt ihr ein passendes WLAN-Modul, ist die native Integration die zuverlässigere Wahl, weil sie den realen Status liefert. Und wer maximale Unabhängigkeit von der Cloud will, schaut sich die ESPHome-Variante an.

Klimaanlage smart steuern: Welche Lösung für wen?

Wollt ihr ohne Bastelei eine smarte Steuerung mit Zeitplänen, Geofencing und Fenster-offen-Erkennung, sind Tado oder Netatmo die richtige Wahl. Wir setzen aktuell auf Tado und sind zufrieden; wer das Abo umgehen und kostenloses Geofencing nutzen will, greift zu Netatmo.

Hat eure Anlage bereits ein gutes WLAN-Modul und reicht euch der Funktionsumfang der Hersteller-App, spart ihr euch die Zusatzhardware – das ist der direkteste Weg zum echten Gerätestatus.

Und wenn ihr die Klimaanlage in ein größeres Smart Home mit eigenen Automationen einbinden wollt, führt der Weg über Homey oder Home Assistant – am einfachsten per Sensibo, bei vorhandenem WLAN-Modul über die native Integration eures Herstellers.

Häufige Fragen zur smarten Klimaanlagensteuerung

Kann ich jede Split-Klimaanlage smart steuern?

Praktisch ja. Sobald eure Anlage eine Infrarot-Fernbedienung hat, lässt sie sich mit einem Adapter wie Tado, Netatmo oder Sensibo nachrüsten – unabhängig vom Hersteller. Ein WLAN-Modul des Herstellers ist nur für die native App-Steuerung nötig.

Welche smarte Klimaanlagensteuerung funktioniert ohne Abo?

Netatmo bietet Geofencing und Zeitpläne ohne laufende Kosten. Bei Tado sind Geofencing, Fenster-offen-Erkennung und die Energie-Einblicke an das Abo „Auto Assist“ gebunden (aktuell 3,99 Euro pro Monat oder 29,99 Euro pro Jahr).

Lässt sich die Klimaanlage mit Alexa, Google Assistant und Apple HomeKit steuern?

Ja. Tado und Netatmo unterstützen alle drei Sprachassistenten, Netatmo bringt HomeKit nativ mit. Bei den Hersteller-Apps hängt es vom Modell ab – meist sind Alexa und der Google Assistant dabei, Apple HomeKit ist hier eher die Ausnahme.

Brauche ich für jeden Raum eine eigene Steuerung?

Bei IR-Adaptern wie Tado oder Netatmo ja: Pro Innengerät ist eine eigene Box nötig, da das Infrarotsignal Sichtverbindung zum Klimagerät braucht. Rabattierte Sets gibt es bei Tado nicht.

Hersteller-App oder Nachrüst-Adapter – was ist besser?

Hat eure Anlage ein gutes WLAN-Modul und bietet die App die nötigen Funktionen, ist sie der sauberste Weg, weil sie den echten Gerätestatus kennt. Fehlt Geofencing oder ist die App schwach, holt ihr mit Tado oder Netatmo mehr Komfort heraus.

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    Author

    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.