Apple hat gestern Abend seine Entwicklerkonferenz eröffnet, und auch wenn das große Schlagwort wieder einmal künstliche Intelligenz hieß, steckt für euch im Smart-Home-Bereich diesmal einiges Konkretes drin. Wir haben uns angeschaut, was rund um die Home-App, die neue Siri-Generation und die Automationen vorgestellt wurde – und wo der Haken für uns in der EU liegt.

Die Home-App lernt, eure Kameras zu lesen

Apple bringt seine KI in die Home-App. Künftig wertet das System die Aufnahmen kompatibler Kameras aus und schreibt euch in Textform dazu, was darauf passiert ist. Statt euch durch stundenlanges Material zu klicken, könnt ihr einfach nach einem Ereignis suchen – etwa nach der Paketzustellung am Nachmittag – und landet direkt an der richtigen Stelle.

Dazu kommt, dass die App die aus eurer Sicht wichtigen Clips oben in der Suche einsortiert, damit ihr Relevantes schneller findet. Und wenn mehrere Kameras dasselbe Geschehen aus verschiedenen Winkeln aufgenommen haben, fügt die Home-App die Schnipsel zu einem zusammenhängenden Ablauf zusammen.

Praktisch dürfte auch die neue Logik für Benachrichtigungen sein: Bisher hat jedes ausgelöste Gerät seine eigene Meldung geschickt. Künftig erkennt die App zusammenhängende Ereignisse als einen einzigen Vorgang und schickt euch eine einzelne Mitteilung, die sich live aktualisiert, solange etwas passiert.

Eine Neuerung, auf die viele lange gewartet haben, kommt eher unspektakulär daher, ist aber wichtig: Apple Home unterstützt Kamera-Streams und Aufzeichnungen endlich in 4K. Bisher war bei 1080p Schluss.

Automationen ohne Bastelei

Die Kurzbefehle-App war bislang vor allem etwas für Leute, die gern an Abläufen basteln. Das ändert sich. Ihr beschreibt künftig einfach in normaler Sprache, was passieren soll, und die KI baut die Automation im Hintergrund selbst zusammen. Apple hat das mit einem alltagsnahen Beispiel gezeigt: ein Kurzbefehl, der automatisch eure voraussichtliche Ankunftszeit an eine bestimmte Person schickt, sobald ihr das Haus verlasst – ganz ohne manuelles Zusammenstecken einzelner Schritte.

Für alle, die ihr Zuhause bisher vor dem komplizierten Automations-Editor kapituliert haben, ist das vielleicht die größte praktische Veränderung.

Siri wird zur Steuerzentrale

Hinter all dem steht die rundum erneuerte Sprachsteuerung, die Apple jetzt schlicht „Siri AI“ nennt. Technisch baut sie auf einer neuen Grundlage auf, bei der Apple eigene Modelle mit Technik aus Googles Gemini-Familie kombiniert; die Verarbeitung läuft je nach Aufgabe lokal auf dem Gerät oder über Apples abgesicherte Cloud.

Wichtig für euch: Siri versteht künftig den persönlichen Kontext und kann Informationen aus Nachrichten, E-Mails, Fotos und Dateien zusammenführen, um Aufgaben quer über mehrere Apps zu erledigen. Dazu kommt eine Bildschirmwahrnehmung – die Assistenz erkennt also, was gerade auf dem Display zu sehen ist, und reagiert darauf. In Kombination mit den sogenannten App Actions, mit denen Siri Aktionen direkt in Apps auslöst, wird die Sprachsteuerung deutlich mehr zur zentralen Schaltstelle, als sie es bisher war. Außerdem gibt es eine eigene Siri-App im Stil moderner Chatbots, in der ihr per Sprache oder Tippen schreiben könnt, sowie eine natürlicher klingende Stimme, die sich in Tempo und Ausdruck anpassen lässt.

Der Haken: die EU bleibt vorerst außen vor

Und damit zum Wermutstropfen. Siri AI startet auf iPhone und iPad zunächst nicht bei uns. Apple verweist auf den Digital Markets Act und erklärt, die strenge Auslegung der Vorgaben würde bedeuten, dass jeder fremde Assistent denselben tiefen Zugriff auf eure privaten Daten und Apps bekommen müsste – ohne die Schutzmechanismen, die Apple für nötig hält. Einen Kompromissvorschlag mit einer schrittweisen Einführung über 18 Monate hat die EU-Kommission laut Apple abgelehnt, einen Zeitplan für den EU-Start gibt es vorerst nicht. Auch in China verzögert sich die Einführung.

Die gute Nachricht: Auf dem Mac, der Apple Watch und der Vision Pro greift die Einschränkung nicht – dort kommt Siri AI mit allen Funktionen auch in der EU. Und die neue Spotlight-Suche mit Siri-Anbindung soll ebenfalls bei uns starten. Da viele der smarten Home-Funktionen aber an Apple Intelligence hängen, dürfte auf iPhone und iPad in der EU zunächst Geduld gefragt sein, bis sich an der regulatorischen Lage etwas bewegt.

Verfügbarkeit

Die Entwickler-Betas von iOS 27, iPadOS 27, macOS 27, watchOS 27, tvOS 27 und visionOS 27 stehen ab sofort bereit, die öffentlichen Betas folgen im Juli. Die fertigen Versionen erscheinen wie üblich im Herbst, ein genaues Datum hat Apple noch nicht genannt. Siri AI startet zunächst auf Englisch, weitere Sprachen sollen folgen – und selbst zum offiziellen Start trägt die neue Siri vorerst noch das Beta-Etikett.

Smart Home Testberichte, denen du vertrauen kannst und Deals, die sich wirklich lohnen – kostenlos in dein Postfach:

    Author

    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.