Zwei Jahre Geduld, eine Entschuldigung und jetzt das nächste „Tut uns leid, Europa”: Apples KI-Saga geht in die nächste Runde
Es war ein sehr langer Weg. Vor zwei Jahren versprach Apple eine komplett überarbeitete Siri — intelligenter, kontextbewusst, endlich bereit für die Anforderungen, die Nutzer längst stellen. Was dann kam: eine offizielle Entschuldigung im Frühjahr 2025 und das Eingeständnis, dass die Technologie der Vision hinterherhinkte. Auf der WWDC 2026 in Cupertino sollte nun die Antwort kommen — und zumindest bei der Demo sah es danach aus, als hätte Apple das Problem endlich gepackt.
Siri AI: Das Update, das schon 2024 hätte kommen sollen
Mit iOS 27 erhält Siri den Umbau, auf den Apple-Nutzer so lange warteten. Der Assistent verarbeitet nicht mehr nur isolierte Einzelbefehle, sondern erfasst Zusammenhänge — er liest den aktuellen Bildschirminhalt, verknüpft Informationen aus Mails, Nachrichten, Fotos und Notizen und arbeitet Aufgaben quer durch verschiedene Apps durch. Dazu kommt eine eigenständige Siri-App, die frühere Gespräche speichert und geräteübergreifend synchronisiert.
Technisch setzt Apple auf eine Kombination aus Geräteverarbeitung und Cloud-Infrastruktur, die in enger Zusammenarbeit mit Google entstanden ist. Das leistungsstärkste Modell läuft auf Googles Hardware und soll mit den besten aktuellen KI-Modellen mithalten. In einer Live-Demo fragte ein Entwickler Siri nach dem Weg zu einem Ort, den er gerade in einem Instagram-Post entdeckt hatte — der Assistent antwortete sofort und korrekt. Genau solche Fähigkeiten hatte Apple seinen Nutzern bereits 2024 versprochen.
Deutschland und Europa: Déjà-vu mit Ansage
Und hier beginnt das bekannte Kapitel.
Für iPhone- und iPad-Nutzer in der EU bleibt Siri AI beim Herbst-Start von iOS 27 unerreichbar. Als Begründung nennt Apple den Digital Markets Act — jenes EU-Regelwerk, das offene Märkte und faire Bedingungen fördern soll, in der Praxis aber dazu führt, dass europäische Verbraucher regelmäßig als Letzte von neuen Apple-Funktionen profitieren. Einigung mit den Behörden: keine. Zeitplan für eine Nachlieferung: ebenfalls nicht in Sicht.
Zum Vergleich: Beim ersten Apple-Intelligence-Rollout vergingen von der US-Premiere im Herbst 2024 bis zum deutschen Start Ende März 2025 rund sechs Monate. Diesmal fehlt selbst dieser Anhaltspunkt.
Besonders bitter ist der Blick auf die betroffenen Geräte: iPhone und iPad sind in Europa bei weitem die meistgenutzten Apple-Plattformen. Dass Siri AI auf Mac, Apple Watch und Vision Pro auch für EU-Nutzer verfügbar sein soll, ändert daran herzlich wenig — die allermeisten werden davon im Alltag kaum etwas merken.
Zwischen Begeisterung und Bürokratie
Apple und europäische Regulierer stecken in einer Sackgasse — und beide Seiten haben bislang keinen überzeugenden Ausweg präsentiert. Den Preis zahlen die Nutzer.
Für John Ternus, der Tim Cook im September als CEO ablöst und die WWDC 2026 noch als Zuschauer erlebte, wird der Umgang mit Europa eine frühe Bewährungsprobe. Vielleicht gelingt ihm, was seinem Vorgänger nicht mehr gelang: eine Einigung, bevor der nächste Herbst-Launch die nächste Runde im immer gleichen Spiel einläutet.
Bildnachweis Titelgrafik: Apple
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