Google hat den frühen Zugang zum Model Context Protocol für Google Home freigegeben. Jeder KI-Agent, der MCP-Werkzeuge aufrufen kann, erreicht darüber die Geräte und den Ereignisverlauf im Google-Home-Konto – von der Nest-Türklingel über das Thermostat bis zu Lampen, die per Matter oder „Works with Google Home“ eingebunden sind. Google nennt Antigravity, Claude, Hermes und OpenClaw als Beispiele, die Liste ist ausdrücklich offen.
Model Context Protocol: Ein Standard-Stecker zwischen KI und Smart Home
MCP ist ein offener Standard dafür, wie ein KI-Agent mit Programmen und Datenquellen außerhalb seines Chatfensters spricht. Ein MCP-Server meldet dem Agenten, welche Aktionen er ausführen darf und welche Daten er lesen kann; der Agent entscheidet dann selbst, wann er was davon aufruft. Anthropic hat das Protokoll Ende 2024 vorgestellt, inzwischen bieten es Werkzeuge von Entwicklungsumgebungen bis Projektsoftware an.
Niemand muss dadurch jede Kombination aus Agent und Plattform einzeln bauen. Google pflegt einen Server für Google Home, und jeder Agent, der MCP beherrscht, kann ihn ansprechen – ohne dass Google und der Agent-Anbieter sich vorher auf eine gemeinsame Schnittstelle einigen müssten. Ihr nutzt damit den Agenten, mit dem ihr ohnehin arbeitet, statt den Assistenten zu nehmen, den der Hersteller eurer Geräte vorgesehen hat.
Home MCP: Der Agent fasst Kameraclips zusammen und wertet Gerätehistorien aus
Google nennt vier Beispiele aus dem Testbetrieb. Ein Agent kann Aufnahmen mehrerer Kameras zusammenfassen und auf die Frage, was die Kinder nach der Schule gemacht haben, eine Übersicht samt passender Clips liefern. Über den Statusverlauf der Geräte lässt sich außerdem auswerten, wie viele Waschgänge in einer Woche liefen oder wie lange das Licht an war.
Über einen Google-Home-Lautsprecher kann der Agent euch zudem eine Rückmeldung vorlesen, wenn er eine Aufgabe im Hintergrund abgeschlossen hat. Und er baut euch ein Dashboard für euer Smart Home zusammen, beschrieben in normaler Sprache statt in einer Konfigurationsdatei.
Aus unserer Sicht zahlt sich das vor allem bei Fragen aus, für die ihr sonst erst eine Automatisierung anlegen müsstet. Auswertungen über mehrere Wochen, Zusammenfassungen über mehrere Räume hinweg oder die einmalige Kontrolle, ob das Garagentor offen geblieben ist, fallen durch das Raster der klassischen Wenn-Dann-Logik. Wie zuverlässig ein Agent das im Alltag hinbekommt, muss sich erst zeigen.
Sicherheitsregeln: Türen aufsperren darf der Agent nicht
Die Schnittstelle arbeitet mit Anfragelimits und sperrt sensible Befehle – das Entriegeln von Türschlössern nennt Google explizit als Beispiel. Die Sperre sitzt in der Schnittstelle selbst und hängt damit nicht davon ab, wie sorgfältig der jeweilige Agent arbeitet.
Aber: Google warnt gleichzeitig, dass die Verbindung je nach Agent zu unerwartetem oder unerwünschtem Verhalten führen kann, und verweist auf die Richtlinien und Nutzungsbedingungen des jeweiligen Anbieters. Wir halten den Hinweis für angebracht – ein Agent mit Zugriff auf Kameraverlauf und komplette Geräteliste ist eine andere Hausnummer als eine Automatisierung, die ihr selbst geschrieben habt. Wer das ausprobiert, sollte vorher wissen, wohin die Daten des gewählten Anbieters fließen.
Einrichtung: Ohne eigenes Google-Cloud-Projekt geht es nicht
Ihr legt zunächst ein Projekt in der Google Cloud an und aktiviert dort Home MCP. Die Konfigurationsdaten übergebt ihr anschließend eurem Agenten, der euch durch Anmeldung und Rechtevergabe führt. Die Anleitungen dazu liegen im Google Home Developer Center.
Für die angepeilte Zielgruppe – Google adressiert ausdrücklich Bastler und Enthusiasten – ist diese Hürde machbar. Wer sein Smart Home bisher nur über die Google-Home-App bedient, dürfte an dieser Stelle aussteigen.
Eigenbau statt Abo: Home Assistant kann das seit Anfang 2025 kostenlos
Home Assistant bringt seit Version 2025.2 eine eigene MCP-Server-Integration mit, über die sich Agenten genauso anbinden lassen. Freigegeben wird dort nur, was ihr vorher ausdrücklich für den Assistenten freischaltet; die Anmeldung läuft über OAuth oder ein Langzeit-Token.
Home Assistant ist quelloffen und kostenlos, läuft dafür auf eurer eigenen Hardware und verlangt Einarbeitung. Google liefert die bequemere Variante, koppelt sie aber an die teuerste Abostufe – für alle, die Grundgebühren im Smart Home ohnehin kritisch sehen, kommt damit die nächste dazu.
Der frühe Zugang läuft seit dem 16. September, ausschließlich auf Englisch und ausschließlich in den USA, dort nur mit einem Abo von Google Home Premium Advanced. Für Deutschland hat Google bislang weder einen Termin noch eine Preisangabe genannt – die Advanced-Stufe gibt es hier zwar, die MCP-Schnittstelle ist damit aber noch nicht freigeschaltet.
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