Ein Einbrecher steht an eurem Gartenzaun und entscheidet in wenigen Sekunden, ob er es bei euch versucht oder lieber nebenan. Was in diesem Moment den Ausschlag gibt, haben Forscher der University of North Carolina at Charlotte 422 verurteilte Einbrecherinnen und Einbrecher aus Gefängnissen in North Carolina, Kentucky und Ohio selbst gefragt. Wer über eine Außenkamera nachdenkt, kann aus ihren Antworten einiges mitnehmen.
Wer wirklich einbricht – und warum das gute Nachrichten sind
Zunächst räumt die Studie mit einem Bild auf, das aus Filmen stammt. Der Meisterdieb, der ein Objekt wochenlang observiert, ist die Ausnahme. Als Hauptmotiv nannten 51 Prozent Drogenkonsum und 37 Prozent die schnelle Geldbeschaffung. Das sind überwiegend Gelegenheitstäter, die aus einer akuten Notlage handeln und in Sekunden am Zaun entscheiden. Für euch heißt das: Ihr müsst kein Hochsicherheitshaus bauen, ihr müsst nur unbequemer sein als die Nachbarn.
Wie gut das funktioniert, zeigen die weiteren Zahlen. 83 Prozent der Befragten schauten vor einem Einbruch gezielt nach einer Alarmanlage; fand sich eine, hätten sich 60 Prozent ein anderes Ziel gesucht. Wer erst während der Tat bemerkte, dass eine Anlage scharf war, brach in der Hälfte der Fälle sofort ab, weitere 31 Prozent zogen sich zumindest manchmal zurück. Nur 13 Prozent machten trotzdem weiter. Überwachungskameras wirkten dabei ähnlich abschreckend wie Alarmanlagen.
Sichtbarkeit schlägt Technik
Die Wahl für oder gegen ein Ziel fällt laut der Studie, bevor der Täter am Haus ist – anhand von Dingen, die er von der Straße aus sieht: Menschen in der Nähe, Verkehr, fehlende Fluchtwege und Zeichen dafür, dass hier jemand nachgerüstet hat. Eine Kamera nützt euch also vor allem dann, wenn man sie von außen erkennt. Die versteckte Linse unterm Dachvorsprung liefert im Ernstfall Beweise, hält aber niemanden ab.
Die Studie ist allerdings von 2013 und stammt aus den USA – mit anderer Bebauung, anderen Wohnverhältnissen und anderer Kriminalitätsstruktur. Ihre Zahlen lassen sich also möglicherweise nicht uneingeschränkt auf den deutschsprachigen Raum übertragen; als Grundmuster, wie Täter ticken, taugen sie trotzdem. Dazu kommt: Eine Kamera schafft den Einbruch nicht aus der Welt – sie verlagert ihn im Zweifel zum Nachbarn, der keine hat. Für die Gesellschaft ist das kein Gewinn. Für euch um zwei Uhr nachts schon.
Smarte Überwachungskameras: Zwei Beispiele aus unseren Tests
Vernetzte Überwachungskameras gibt es von zahlreichen Herstellern; zwei davon haben wir getestet und greifen sie hier exemplarisch heraus.
Ein Beispiel ist die Netatmo Außenkamera Original. Sie hängt am Stromkabel, filmt in 2K mit HDR und speichert lokal auf microSD, ohne Zwang zum Cloud-Abo. Das ist bei der Videoüberwachung keine Selbstverständlichkeit: Bei großen Namen wie Ring oder Arlo braucht ihr fürs Aufzeichnen und das spätere Ansehen der Clips ein kostenpflichtiges Abo. Dass Netatmo darauf verzichtet, ist für uns ein starkes Argument. Dazu erkennt die Kamera Personen, Tiere und Fahrzeuge und bringt ein LED-Flutlicht sowie eine 105-Dezibel-Sirene mit. Im Test standen am Ende 9 von 10 Punkten, der Preis liegt bei rund 250 Euro.
Ein zweites Beispiel, für einen ganz anderen Fall, ist die Reolink Solar Floodlight Cam. Sie löst das Problem, an dem die Netatmo scheitert: Was, wenn an der Wand keine Steckdose sitzt? Ein integriertes Solarpanel versorgt sie selbst, die Montage klappt kabellos in unter 20 Minuten. Auch hier gibt es 2K, dazu ein 1000-Lumen-Flutlicht, das bei Bewegung angeht und Einfahrt oder Garage ausleuchtet. Mit rund 100 Euro kostet sie weniger als die Hälfte. Dafür müsst ihr Abstriche machen: Das Nachtbild wirkt etwas ausgewaschen, in trüben Wintermonaten wird der Akku knapper, und Matter oder HomeKit unterstützt sie nicht. Im Test kam sie auf 8,2 von 10 Punkten.
Wenn ihr die Wahl habt und ein Kabel legen könnt, würde ich zur Netatmo greifen: bessere Bewertung, kein Abo, mehr Smart-Home-Anbindung. Die Reolink ist die richtige Kamera für die Ecken, an die ihr sonst nie eine bekommt – den Schuppen hinten im Garten, die Garagenzufahrt, die dunkle Seite des Hauses. Und weil laut Studie schon die sichtbare Kamera den Großteil der Arbeit übernimmt, ist die günstige Lösung an der richtigen Stelle oft mehr wert als die teure, die keiner sieht.
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