Der Narwal Flow 2* kostet rund 1.100 Euro und tritt damit selbstbewusst gegen die etablierten Namen der Branche an. In unserem Test hat er uns in mehreren Disziplinen klar überrascht – besonders dort, wo viele Konkurrenzgeräte an ihre Grenzen stoßen. Wischleistung, Kartierung und Hinderniserkennung liegen auf einem sehr hohen Niveau.

Narwal ist hierzulande noch nicht ganz so präsent wie Ecovacs, Roborock oder Dreame – wir haben bislang primär Geräte dieser Hersteller getestet. Umso gespannter waren wir, was der Flow 2 in der Praxis tatsächlich leistet.

Das Gerät richtet sich an alle, die möglichst wenig Zeit mit dem Thema Bodenreinigung verbringen wollen. Die vollautomatische All-in-One-Station übernimmt Laden, Entleeren, Nachfüllen und Reinigen des Wischmopps – einschließlich anschließender Trocknung.

Einrichtung und erste Schritte

Nach dem Auspacken haben wir zunächst die Seitenbürste und die Reinigungslösung gesucht . Schließlich haben wir beides im Abwassertank entdeckt, wo es sicher verstaut, aber irgendwie auch recht gut versteckt war.

Foto des Narwal Flow 2 in der Basisstation
Narwal Flow 2: Die Verarbeitung ist hochwertig, das Design wirkt modern.

Die Einrichtung war schnell erledigt. Die App führt durch die Erstinstallation, unterstützt 2,4- und 5-GHz-WLAN und lässt sich mit Alexa, Google Assistant und Siri (über Apples Kurzbefehle-App) verknüpfen. Außerdem ist ein eigener Sprachassistent an Bord, mit dem ihr den Roboter ganz ohne Umwege über Alexa und Co. direkt Sprachbefehle erteilen könnt.

Damit ihr nicht lange suchen müsst: Die Möglichkeit, die Sprachausgabe von Englisch auf Deutsch umzustellen, findet ihr unter Einstellungen / Navo-Sprachassistent.

Unterseite des Narwal Flow 2
Die Unterseite des Narwal Flow 2: Das breite Mikrofaser Wischpad sorgt für ein gutes Reinigungsergebnis.

Kartierung: Einer der besten Ersterstellungen, die wir gesehen haben

Die Kartierung des Flow 2 hat uns im HouseControllers-Test direkt beim ersten Durchgang beeindruckt. Rund 100 m² hat der Roboter in etwa 7 Minuten erfasst – inklusive Möbelerkennung. Größere Möbelstücke wurden automatisch in den Grundriss eingezeichnet. Was uns noch mehr überrascht hat: Die meisten Räume wurden korrekt und automatisch benannt. Küche, Wohnzimmer, Toilette – der Flow 2 hat die Raumtypen zuverlässig identifiziert und beschriftet. Kein Konkurrenzgerät, das wir bislang getestet haben, hat das in dieser Qualität hinbekommen.

Der Grundriss lässt sich in der App sowohl in 2D als auch in 3D ansehen. Über die App könnt ihr außerdem Sperrzonen einrichten, Möbel hinzufügen, mehrere Etagenpläne verwalten und Zeitpläne festlegen. Teppiche werden in der Karte gesondert markiert, und für jeden erkannten Teppich lässt sich individuell einstellen, ob der Roboter ihn reinigen, vermeiden, nur saugen oder schlicht ignorieren soll.

Screenwhot der Narwal App
Die Kartierung hat auf Anhieb gut funktioniert. Einige Räume und Möbel wurden automatisch erkannt.

Navigation und Hinderniserkennung

Zwei HD-Kameras und das NarMind Pro-System sorgen dafür, dass der Flow 2 Hindernisse zuverlässig erkennt und umfährt. In unserem Test wurden selbst kleinere Gegenstände wie einzelne Legosteine in den meisten Fällen korrekt identifiziert. Schuhe, Kabel und ähnliche Alltagshindernisse stellten kein Problem dar.

Eine Besonderheit, die wir so bei der Konkurrenz noch nicht gesehen haben: Der Roboter fotografiert erkannte Hindernisse und zeigt euch die Bilder nach der Reinigung in der App. Ihr könnt dann per Tipp bestätigen, ob ein Objekt korrekt erkannt wurde – und helft so dem System, seine Erkennungsrate im Laufe der Zeit zu verbessern.

Interessanterweise kann euch der Roboter sogar dabei helfen, verlorene Gegenstände zu finden: Erkennt er Objekte wie Geldbörsen oder Handys, werdet ihr in der App darüber informiert. In unserem Test hat diese Funktion nicht immer zuverlässig funktioniert, könnte im Alltag jedoch dennoch eine nützliche Unterstützung sein.

Bei Dunkelheit schaltet der Flow 2 automatisch eine LED-Beleuchtung ein und reinigt auch dann zuverlässig.

Besonders erwähnenswert: Unsere verspiegelte Sockelleiste in der Küche hat den Flow 2 nicht beeindruckt. Viele Konkurrenzgeräte scheitern dort regelmäßig, weil die Spiegelflächen die Sensoren irritieren. Der Flow 2 ist damit gut klargekommen.

Einen Punkt solltet ihr vor dem Kauf prüfen: Der Flow 2 kommt ohne den bei manchen Modellen üblichen Sensorturm auf der Oberseite aus, ist mit 95 mm Bauhöhe aber trotzdem nicht besonders flach. Ob er unter euren Möbeln durchpasst, hängt von den Gegebenheiten bei euch zu Hause ab – ein kurzes Nachmessen vor dem Kauf ist deshalb sinnvoll.

Trotz fehlendem Laserturm ist der Saugroboter mit 95 mm Bauhöhe kein Ultraflachmodell.

Saugleistung und KI-gestützte Schmutzanpassung

Mit 31.000 Pa Saugkraft liegt der Flow 2 in der Spitzenklasse. Relevanter im Alltag ist allerdings, wie das Gerät diese Leistung einsetzt. Im KI-gesteuerten Freo-Modus erkennt der Roboter, wo besonders viel Schmutz liegt, reduziert dort sein Tempo und erhöht die Saugkraft. In unserem Test mit Haferflocken hat er verschmutzte Bereiche konsequent mehrfach angefahren, bis nichts mehr zu sehen war – ganz so, wie es ein Mensch auch machen würde.

Auf kurzflorigen Teppichen erhöht die CarpetFocus-Technologie den Luftstrom automatisch, um tiefer sitzenden Schmutz und Tierhaare zu lösen. Für Hochflorteppiche (Faserlänge über 7 mm) ist der Flow 2 allerdings laut dem Hersteller nicht geeignet – die lassen sich aber immerhin gezielt aus der Reinigungsroute ausschließen.

Die Seitenbürste ist fest positioniert und lässt sich nicht seitlich ausfahren – ein kleines Manko, da eine ausfahrbare Bürste die Reinigung von Ecken weiter verbessern würde. Allerdings gleicht der Saugroboter dies teilweise aus: Der Wischmopp (dazu gleich mehr) lässt sich seitlich ausfahren, und die hohe Saugleistung sorgt zusätzlich dafür, dass Ecken dennoch gründlich gereinigt werden.

Akustisch hält sich der Narwal Flow 2 angenehm zurück: Im normalen Reinigungsmodus haben wir aus zwei Metern Abstand 60 dB gemessen – ein Wert, bei dem sich der Roboter problemlos im Hintergrund bewegen lässt, ohne das Gespräch zu unterbrechen oder den Fernseher lauter stellen zu müssen.

Wischleistung: Das stärkste Argument für den Flow 2

Die Wischleistung ist das, womit der Flow 2 von vielen Konkurrenzprodukten abhebt. Der sogenannte Track Mop ist eine flache Walze mit großer Auflagefläche, die mit konstantem 12-N-Druck auf den Boden drückt. 16 Düsen spülen die Walze kontinuierlich mit Frischwasser – bei Bedarf mit bis zu 60 Grad heißem Wasser. Ein integrierter Schaber entfernt Schmutzrückstände von der Walze, das Abwasser wird in einen separaten Tank abgeleitet.

In unserem Test haben wir neben alltäglichem Schmutz auch hartnäckigere Substanzen geprüft. Ketchup und Kaffee wurden in den meisten Fällen bereits im ersten Durchgang vollständig entfernt. Eine Einschränkung gilt dabei: Bei sehr großen Mengen an flüssigem Schmutz empfiehlt es sich, grobe Rückstände vorher manuell aufzunehmen. In solchen Extremfällen würde der Roboter den Schmutz eher verteilen als aufnehmen. Das ist keine Schwäche des Flow 2 speziell, sondern eine grundsätzliche Grenze dieser Geräteklasse.

Der Wischmopp wird bei Bedarf seitlich ausgefahren, um Ecken und Ränder gut zu erreichen,

Die Basisstation: Voll automatisch, mit praktischem Statussignal

Die All-in-One-Station erledigt nach jeder Reinigung eine ganze Reihe von Aufgaben: Sie lädt den Akku, entleert den Staubbehälter, leitet das Schmutzwasser ab, befüllt den Frischwassertank inklusive Reinigungsmittel und wäscht den Wischmopp mit 100 Grad heißem Wasser. Danach trocknet sie die Wischwalze mit 60 Grad warmer Luft.

Das Absaugen des Staubbehälters und das Waschen des Mopps sind dabei deutlich hörbar – kurze, kräftige Geräusche, die jedoch schnell wieder verstummen. Die anschließende Trocknung hingegen läuft leise im Hintergrund und fällt im Alltag kaum auf. Ein leises Rauschen ist zwar wahrnehmbar, stört aber wenig – dennoch empfiehlt es sich, die Station nicht im Schlafzimmer aufzustellen. Alternativ lässt sich der Roboter so einstellen, dass der Trocknungsvorgang abends rechtzeitig abgeschlossen ist.

Auch die Reinigungsmitteldosierung übernimmt die Basisstation vollautomatisch aus einem befüllbaren Behälter. Ihr müsst im Alltag nicht mehr selbst daran denken und auf die richtige Dosierung achten.

Eine weitere Kleinigkeit, die sich im Alltag als praktisch erweist: Die Basisstation verfügt über eine farbige LED-Leiste, die den aktuellen Status des Geräts anzeigt. Klingt nach Spielerei, ist es aber nicht – wer im Wohnzimmer sitzt und wissen möchte, ob der Roboter noch arbeitet, lädt oder gerade den Mopp trocknet, bekommt die Antwort mit einem kurzen Blick auf die Station. Der ein oder andere Griff zum Smartphone, um die App zu öffnen, entfällt dadurch im Alltag tatsächlich.

Foto der Basisstation des Narwal Flow 2
Eine farbige LED-Leiste informiert über den Status des Saugroboters.

Was uns außerdem positiv aufgefallen ist: Die Wassertanks lassen sich mit einem einzigen Handgriff aus der Station entnehmen und sind kompakt genug, um problemlos unter einen normalen Wasserhahn zu passen. Bei einigen Konkurrenzgeräten sind die Tanks so groß, dass das zur echten Herausforderung wird.

Narwall Flow 2: Foto des Wassertanks
Die Kompakten Wassertanks lassen sich mit einem Handgriff aus der Station nehmen.

App-Steuerung: Funktional, aber mit kleinen Schwächen in der Übsetzung

Die Narwal-App bietet einen großen Funktionsumfang: Grundrissansicht in 2D und 3D, Raumauswahl, Sperrzonen, Teppicheinstellungen, Zeitpläne und die Möglichkeit, Saug- und Wischleistung auch während einer laufenden Reinigung anzupassen. Das funktioniert alles absolut solide.

Luft nach oben gibt es noch für die Übersetzung. Ein Beispiel: Auf dem Homescreen steht als Button-Beschriftung „Bitte Geräte-Startseite eingeben“ – gemeint ist ein einfacher Weiter-Button zum Gerät. Solche Formulierungen finden sich hier und da in der App, halten sich aber insgesamt in Grenzen. Wir gehen davon aus, dass Narwal das mit kommenden Updates bereinigt.

Narwal Flow 2: Screenshot der App
Schuh erkannt: Hindernisse werden zuverlässig erkannt und inklusive Foto in der App dargestellt.

Narwal Flow 2 im Test: Unser Fazit

Der Narwal Flow 2 ist ein Saugroboter, der seine Stärken klar definiert hat und sie konsequent ausspielt. Die Wischleistung gehört zu den besten, die wir in dieser Produktkategorie gesehen haben. Die Kartierung beim Erstdurchgang war so präzise und selbstständig wie bei keinem Konkurrenzgerät zuvor. Die Hinderniserkennung funktioniert zuverlässig, die KI-gestützte Schmutzanpassung arbeitet nachvollziehbar und effektiv – und dass der Roboter mit verspiegelten Sockelleisten klaglos klarkommt, ist in unserem Testfeld eine echte Ausnahme.

Für wen lohnt sich der Flow 2? Für alle, die auf Hartböden höchste Wischqualität erwarten, wenig Aufwand mit der täglichen Reinigung betreiben wollen und bereit sind, dafür 1.100 Euro zu investieren. Haushalte mit kurzflorigen Teppichen kommen ebenfalls auf ihre Kosten, solange Hochflorteppiche ausgespart oder aus der Reinigung ausgeschlossen werden. Behaltet die 95 mm Bauhöhe im Hinterkopf, wenn ihr plant, den Roboter unter Möbeln fahren zu lassen.

Im HouseControllers-Test bekommt der Narwal Flow 2 eine klare Empfehlung für alle, die Saugen und Wischen auf einem hohen Niveau automatisieren wollen – und dabei auf eine der überzeugendsten Wischlösungen setzen, die der Markt aktuell bietet.

Der Narwal Flow 2 ist für rund 1.100 Euro im Handel, zum Beispiel bei Amazon*, erhältlich.

Narwal Flow 2: Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

  • sehr gute Wischleistung
  • hohe Saugleistung inkl. KI-gestützter Schmutzerkennung
  • reibungslose Kartierung
  • Hoher Funktionsumfang und weitreichende Anpassungsmöglichkeiten
  • Zuverlässige Hinderniserkennung
  • leise Mopp-Trocknung
  • Unterstützt Alexa, Google Assistant und Siri

Nachteile

  • App-Übersetzung noch mit Luft nach oben
  • nicht geeignet für Hochflorteppiche
  • Mit 95 mm Bauhöhe nicht für alle Möbel geeignet

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Author

Ich bin Nico Zorn und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.

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