Home Assistant gilt als das mächtigste Smart-Home-System – und gleichzeitig als eines, das Einsteiger schnell überfordert. Genau daran arbeitet das Team hinter der Plattform seit Monaten, und das August-Update 2026.8 ist der bislang deutlichste Schritt in diese Richtung. Wir zeigen euch, was sich ändert und worauf ihr achten solltet.

Kein Port 8123 mehr nötig

Jahrelang gehörte es zum Grundwissen jedes Home-Assistant-Nutzers: An die Adresse der eigenen Installation muss :8123 angehängt werden. Damit ist jetzt Schluss – zumindest bei Neuinstallationen. Wer Home Assistant OS frisch aufsetzt, erreicht sein System künftig über eine ganz normale Webadresse, so wie jede andere Website auch.

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Wichtig für euch als Bestandsnutzer: An eurer Installation ändert sich nichts. Der bisherige Port bleibt bestehen, alles funktioniert wie gewohnt. Wer die sauberere Adresse trotzdem haben möchte, kann den Port jetzt direkt über die Benutzeroberfläche ändern – inklusive eingebauter Absicherung. Bestätigt ihr nach der Umstellung nicht innerhalb von fünf Minuten, dass alles läuft, setzt Home Assistant die alten Einstellungen automatisch zurück. Aussperren ist damit praktisch unmöglich.

Ein Hinweis: Wenn ihr den Port ändert, müssen Lesezeichen, verbundene Dienste und auch die Companion-App auf die neue Adresse angepasst werden. Läuft bei euch alles stabil, gibt es keinen Grund, etwas umzustellen.

Home Assistant: Weniger „Erweitert“, mehr Klartext

Das Update räumt auch sprachlich auf: An rund 43 Stellen in der Oberfläche, der Dokumentation und den Apps verschwinden Begriffe wie „Erweitert“ oder „Experte“. Die Idee dahinter: Solche Labels schrecken ab und suggerieren, eine Funktion sei „nichts für mich“ – obwohl sie oft völlig unproblematisch zu bedienen ist. Statt das Können der Nutzer zu bewerten, beschreiben die Texte jetzt schlicht, was eine Funktion tut.

Konsequenterweise heißen die „Entwicklerwerkzeuge“ künftig nur noch „Werkzeuge“. Wer dort Zustände prüft, Templates testet oder Teile der Konfiguration neu lädt, musste dafür noch nie Entwickler sein – der neue Name spiegelt das endlich wider.

Home Assistant Cloud: Neue Übersicht und geführte Einrichtung

Die Cloud-Seite von Nabu Casa – zuständig für Fernzugriff, Sprachassistenz und verschlüsselte Backups – war bislang eine lange Liste von Schaltern. Jetzt bekommt jede Funktion einen eigenen Bereich, sodass ihr auf einen Blick seht, was aktiviert ist. Neu ist außerdem eine geführte Einrichtung, die Einsteiger Schritt für Schritt durch die Optionen führt, statt sie vor eine Wand aus Einstellungen zu stellen.

Entity-IDs: Ihr entscheidet, wie eure Geräte heißen

Hinter jedem Gerät steckt eine Entity-ID wie light.kitchen_ceiling, auf die Automationen und Dashboards verweisen. Frühere Pläne, diese IDs automatisch aus dem zugewiesenen Raum zu bilden, kamen nicht bei allen gut an. Das Team zieht daraus die richtige Konsequenz: Ab sofort könnt ihr Entity-IDs selbst umbenennen und deren Aufbau steuern – euer Namensschema, eure Regeln.

Aufgeräumte Geräteverwaltung im Hintergrund

Eine technische, aber wichtige Änderung: Wurde ein physisches Gerät bisher über zwei Integrationen eingebunden, verschmolz Home Assistant beide zu einem Eintrag – mit teils widersprüchlichen Angaben etwa bei Modell oder Seriennummer. Ab jetzt behält jede Integration ihren eigenen Geräteeintrag. Die Trennung passiert beim Update automatisch, eure Automationen laufen weiter. Nur wer Automationen direkt auf Geräte-IDs aufgebaut hat, sollte einen Blick auf mögliche Reparaturhinweise werfen. Das Ganze ist die Grundlage für flexiblere Geräteverwaltung, die in den kommenden Monaten folgen soll.

Neue Trigger: Vom Mond bis zur Waschmaschine

Die im letzten Release eingeführten zweckgebundenen Trigger und Bedingungen wachsen weiter. Vibration lässt sich jetzt auch als Bedingung nutzen – praktisch, um die „Wäsche fertig“-Nachricht erst zu verschicken, wenn die Maschine tatsächlich aufgehört hat zu schleudern. Und der Mond bekommt eigene Trigger und Bedingungen: Automationen können auf Mondphasen reagieren, ob für Stimmungslicht bei Vollmond oder einfach als Spielerei.

Neue Integrationen: Von Midea bis lokale KI

Unter den 15 neuen Integrationen stechen einige hervor:

Midea bringt Klimaanlagen und Luftreiniger mit Midea-Protokoll nativ ins System – relevant für viele Geräte, die unter verschiedenen Markennamen verkauft werden. NeoPool spricht Poolsteuerungen von Sugar Valley (auch als Hidrolife oder Aquarite bekannt) lokal über Modbus an, ganz ohne Cloud. Für KI-Enthusiasten interessant: Mit llama.cpp und LiteLLM lassen sich lokale Sprachmodelle oder nahezu beliebige Modell-Anbieter als Sprachassistent einbinden. Und Google Health holt Fitnessdaten wie Schritte, Gewicht und Ruhepuls ins Dashboard.

Kleine Verbesserungen mit großer Wirkung

Drei Neuerungen, die im Alltag auffallen werden: Das Energie-Dashboard berechnet den kombinierten Ladestand mehrerer Batteriespeicher jetzt gewichtet nach Kapazität – ein kleiner voller und ein großer leerer Speicher ergeben nicht länger einen irreführenden Mittelwert. Der Medienbrowser unterstützt endlich eine Suche: Statt durch Ordner zu klicken, tippt ihr einfach, was ihr sucht – Immich findet Fotos sogar anhand ihres Inhalts. Und wer ein Z-Wave-Schloss betreibt, verwaltet Zugangscodes und Fingerabdrücke künftig über einen dedizierten Access-Control-Bereich in Z-Wave JS UI, inklusive Audit-Log aller Änderungen.

Ein Update für alle – besonders für Neulinge

Home Assistant 2026.8 bringt keine spektakuläre Einzelfunktion, sondern etwas Wertvolleres: Es senkt konsequent die Einstiegshürden, ohne Power-Usern etwas wegzunehmen. Der Wegfall des Ports, die entschärfte Sprache und die geführte Cloud-Einrichtung machen die Plattform für eine deutlich breitere Zielgruppe zugänglich. Bestandsnutzer können das Update bedenkenlos einspielen – wie immer lohnt sich vorher ein Backup und ein Blick auf die Liste der Breaking Changes, die diesmal unter anderem UniFi Protect, Paperless-ngx und Staubsaugerroboter betrifft.

Mehr Informationen findet ihr auf der Home Assistant Website.

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    Author

    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.