Eine neue Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeigt: Wenn ihr euer Haus mit einer Wärmepumpe statt mit einer Gasheizung ausstattet, spart ihr über 20 Jahre gerechnet deutlich Geld. Über den Lebenszyklus liegt die Wärmepumpe bei den Gesamtkosten vorn – vor Fernwärme und mit größerem Abstand vor dem Gaskessel.

Gasheizung wird durch die Biotreppe immer teurer

Im Auftrag der MVV Energie AG hat das Fraunhofer ISE die Jahresgesamtkosten für Heizung und Warmwasser in einem Einfamilienhaus und einem Mehrfamilienhaus verglichen. Grundlage ist die geplante „Biotreppe“ in §43 GModG-E, die den Pflichtanteil grüner Gase wie Biomethan in Gasheizungen schrittweise erhöhen soll. Je höher dieser Anteil, desto teurer wird der Betrieb eines Gaskessels im Vergleich zu Wärmepumpe und Fernwärme.

Für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche liegen die Kosten für den Gaskessel im jeweils günstigsten Fall rund 60 Prozent über denen der Wärmepumpe und 23 Prozent über denen der Fernwärme. Über eine Laufzeit von 20 Jahren ab 2026 ergibt das laut Studie einen Unterschied von bis zu 49.000 Euro gegenüber der Wärmepumpe und rund 25.000 Euro gegenüber der Fernwärme. In einem Mehrfamilienhaus mit 12 Wohneinheiten fällt der Unterschied pro Wohnung kleiner aus, bleibt aber deutlich: rund 10.500 Euro gegenüber der Wärmepumpe und rund 5.400 Euro gegenüber der Fernwärme über 20 Jahre.

Die Studie deckt nur Mehrfamilienhäuser bis 12 Wohneinheiten ab – für größere Gebäude gilt tendenziell etwas anderes. Bei größeren Mehrfamilienhäusern und Wohnblöcken kann Fernwärme wegen des vergleichsweise unkomplizierten Anschlusses oft zur günstigsten Option werden. Bei Wärmepumpen schwanken die Installationskosten in größeren Gebäuden dagegen stark, je nach Gebäudezustand und baulichem Umfeld. Plant ihr eine größere Wohnanlage, lohnt sich deshalb eine gezielte Prüfung vor Ort, statt euch allein auf die Zahlen aus dem Einfamilienhaus- oder Zwölf-Parteien-Beispiel zu verlassen.

Kosten schwanken stark – Wärmepumpe aber unter keinen Umständen teurer als Gasheizung

Die Studie weist ausdrücklich auf große Kostenspannen hin. Wie teuer eure Wärmepumpe oder euer Fernwärmeanschluss tatsächlich wird, hängt stark vom Gebäudezustand und den örtlichen Gegebenheiten ab. In einer lokal günstigen Situation kann Fernwärme deshalb sogar günstiger ausfallen als eine Wärmepumpe. Nur ein Fall tritt laut Studie in keinem der untersuchten Szenarien ein: dass eine Wärmepumpe teurer ist als die günstigste Gasheizung.

Unsicher bleibt vor allem der künftige Preis für grüne Gase. Aktuell liegt der Anteil von Biomethan an der Wärmeversorgung laut Studie bei nur 6 Prozent. Die Autoren rechnen je nach Szenario mit Preissteigerungen zwischen 0 und 5,8 Cent pro Kilowattstunde gegenüber 2026 – abhängig davon, wie stark die Nachfrage nach Biomethan tatsächlich steigt. Die Biotreppe selbst startet 2029; baut ihr eure neue Heizung erst später ein, müsst ihr laut Studie tendenziell mit höheren Kosten rechnen. Die Studienautoren empfehlen deshalb weiterhin eine unabhängige Beratung vor der Investition in eine neue Heizanlage.

Gasheizung oder Wärmepumpe: Unser Kommentar

Wieder einmal zeigt eine unabhängige Studie, dass die Wärmepumpe über den Lebenszyklus günstiger und effizienter ist als eine Gasheizung – diesmal mit Zahlen des Fraunhofer ISE, die schwer von der Hand zu weisen sind. Dass die Bundesregierung unter Wirtschaftsministerin Katherina Reiche trotzdem an der Biotreppe für Gasheizungen festhält und Hauseigentümern über 20 Jahre ein Kostenrisiko von bis zu 49.000 Euro zumutet, können wir nicht nachvollziehen.

Wer heute eine neue Heizung plant, braucht verlässliche politische Rahmenbedingungen – keine Vorgaben, die eine teurere Technologie künstlich am Leben halten, obwohl die wirtschaftlichen Vorteile der Alternativen längst belegt sind.

Nachvollziehbar wäre die Biotreppe nur, wenn die Versorgung mit grünen Gasen langfristig gesichert wäre. Genau daran zweifelt aber die Studie, wenn sie auf die großen Unsicherheiten bei den Biomethan-Preisen nach 2035 verweist.

Die Regierung lässt Verbraucherinnen und Verbraucher in eine Kostenfalle laufen.

Quelle: Robert Meyer, Sebastian Herkel – Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, Kurzstudie „Vergleich Wärmeversorgung“ im Auftrag der MVV Energie AG, 18. Juni 2026.

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    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.