Saugroboter, die wirklich alles können – saugen, wischen, selbst reinigen, Hindernisse zuverlässig erkennen und einen präzisen Grundriss der Wohnung erstellen –, kosten normalerweise um die 1.000 Euro. Dreame versucht mit dem L50s Pro Ultra*, diese Grenze nach unten zu verschieben – mit einem Preis von vergleichsweise günstigen 649 Euro. Unser Test zeigt, ob der Preisbrecher im Alltag überzeugt.
Design & Installation: Groß, aber durchdacht
Der L50s Pro Ultra ist kein Gerät, das man unauffällig in eine Zimmerecke stellt und vergisst. Die Basisstation ist voluminös – sie beherbergt Frisch- und Abwassertanks, einen Staubbeutel, eine Heißwasser-Selbstreinigungseinheit und eine Heißlufttrocknung. All das braucht Platz.
Der Roboter selbst macht optisch einen soliden Eindruck: klare Linien, verfügbar in Schwarz und Weiß, hochwertig wirkende Oberflächen. Allerdings gibt es eine konstruktionsbedingte Einschränkung: Der Sensorturm auf dem Gerät lässt sich nicht einfahren. Die Gesamthöhe liegt damit bei über 10 cm – bei Möbeln mit weniger als 10–11 cm Bodenfreiheit kommt der Roboter schlicht nicht durch.

Die großen Wasser- und Abwassertanks in der Station sind im Alltag ein zweischneidiges Schwert: Wir mussten deutlich seltener nachfüllen oder entleeren als bei kleineren Geräten. Beim Befüllen haben wir jedoch festgestellt, dass die Tanks mit ihrer Höhe von rund 28 Zentimetern für ein kleines Badezimmerwaschbecken zu groß sein können.

Die Installation ist weitgehend selbsterklärend: Station aufstellen, Wassertanks befüllen, App herunterladen, Roboter starten. Die Ersteinrichtung über die Dreamehome-App ist schnell erledigt Der erste große Schritt danach ist die Kartierung – der Roboter fährt alle Räume ab und erstellt einen Grundriss, den man anschließend in der App bearbeiten kann.
Genau hier hatten wir beim ersten Versuch ein Problem: Die Kartierung schlug fehl. Nach etwas Fehlersuche stellte sich heraus, dass bodentiefe Fenster und eine verspiegelte Sockelblende in der Küche die Sensoren durcheinanderbrachten. Wir haben das Problem gelöst, indem wir beim zweiten Durchlauf die Rolladen geschlossen und die Spiegelblende vorübergehend mit Kartons abgedeckt haben. Anschließend hat die Kartierung zuverlässig funktioniert.

Beeindruckende 30.000 Pa Saugkraft und Doppelbürste für Haustierbesitzer
Der Roboter schafft es mit seiner hohen Saugleistung von 30.000 Pa, auf mittelhoch florigem Teppich Feinstaub und Tierhaare zuverlässig herauszuziehen – etwas, woran schwächere Geräte in der 300–400-Euro-Klasse meistens scheitern. In den meisten Fällen dürfte der Standard-Saugmodus in der App völlig ausreichen – das reduziert den Geräuschpegel während der Reinigung und reduziert den Energieverbrauch.
Beim Reinigungsergebnis lässt der L50s Pro Ultra wenig Spielraum für Kritik. Statt nur einen feuchten Lappen hinter sich herzuziehen, arbeitet er mit ordentlich Anpressdruck und entfernt auch etwas hartnäckigere Flecken. Wunder verbringt das Gerät allerdings nicht. Bei wirklich fiesen, verklebten Flecken braucht der Dreame manchmal eine zweite Ehrenrunde, um alles rückstandslos zu beseitigen.
Auch beim Staubsaugen liefert er ab: Er nimmt nicht nur den feinen Staub auf, der sich gerne in den Fugen von Fliesen absetzt, sondern schluckt auch gröberes Kaliber wie Krümel oder im Flur verteilten Straßendreck ohne Murren.

Die Doppelbürste – eine Kombination aus Borsten-Gummibürste und weicher TPU-Gummibürste – ist speziell darauf ausgelegt, lange Haare nicht zu verheddern. Haare bis zu 30 cm Länge sollen laut Dreame vollständig aufgenommen werden, ohne die Bürste zuzusetzen. Das ist besonders für Haushalte mit Hunden oder Katzen relevant, wo sich sonst alle paar Tage ein Haarknäuel um die Bürste wickelt, das man manuell entfernen muss.
Apropos Haustiere: Für Tierbesitzer bietet der Menüpunkt ‚Haustier-Pflege‘ spannende Zusatzfeatures: Neben der intensiven Reinigung markierter Zonen kann der Roboter euren Vierbeiner gezielt suchen und bei Bedarf Fotos von ihm aufnehmen.
Ähnlich wie andere moderne Saugroboter lässt sich auch dieses Modell als „fahrbare Überwachungskamera“ fernsteuern. Lobenswert ist der Umgang mit dem Datenschutz: Ein automatischer Hinweis am Gerät stellt sicher, dass niemand unbemerkt gefilmt wird. Sicherlich kein Feature für jeden Tag, aber im Zweifelsfall durchaus praktisch: Ein kurzer Blick in die App genügt, um nach dem Hund zu schauen oder die Beruhigung zu haben, dass die Gartentür tatsächlich zu ist.

Hinderniserkennung: Verlässlich – aber nicht out of the box
Die kamerabasierte Hinderniserkennung ist einer der beworbenen Pluspunkte des L50s Pro Ultra. In unserem Test hat sie uns positiv überrascht: Selbst kleines Spielzeug, das auf dem Boden lag, wurde zuverlässig erkannt und umfahren – das ist keine Selbstverständlichkeit in dieser Preisklasse.
Allerdings ist die präzisere Erkennungsstufe in der App nicht standardmäßig aktiviert. Wir haben das erst nach einem ersten Testlauf bemerkt, bei dem der Roboter Hindernisse weniger sorgfältig umfuhr als erwartet.
Nach dem manuellen Aktivieren der höheren Erkennungsstufe in den Einstellungen war das Ergebnis deutlich besser. Tippt dafür in den Einstellungen auf „Intelligente Hindernisvermeidung“ und aktiviert die gleichnamige Funktion.
Dank des integrierten LED-Lichts, das bei Dunkelheit automatisch aktiviert wird, erkennt der Saugroboter Hindernisse auch in unbeleuchteten Räumen zuverlässig.

Ecken- und Kantenreinigung: Dual Flex Arm in der Praxis
Die ausfahrbare Seitenbürste und der schwenkbare Wischmopp ermöglichen es dem Roboter, bis an Kanten und Fußleisten heranzukommen – laut Dreame mit 0 mm Abstand zu Kanten und 99 % Kantenabdeckung beim Wischen.
In unserem Test war die Kantenreinigung des Dreame L50s Pro Ultra tatsächlich besser als bei vergleichbaren Geräten der mittleren Preisklasse. Auch in engen Bereichen zwischen Möbelbeinen hat der Roboter absolut solide Arbeit geleistet.
Heißes Wasser für die Mopp-Selbstreinigung und gute Hindernisüberwindung
Die Basisstation reinigt die Wischpads mit bis zu 100 °C heißem Wasser – das ist heißer als ein Kochwaschgang. In der Praxis bedeutet das: Fetthaltige Küchenverschmutzungen, die sich bei niedrigeren Temperaturen in den Pads festsetzen würden, werden zuverlässig entfernt. Wir haben den Mopp nach mehreren Reinigungszyklen gecheckt – kein muffiger Geruch, keine sichtbaren Rückstände.
Bei Bedarf aktivieren sich Zusatzräder und helfen dem Roboter, Türschwellen bis zu 4 cm Höhe zu überwinden. In unserem Testumfeld gab es eine klassische Altbauschwelle zwischen Flur und Wohnzimmer – der L50s Pro Ultra hat sie ohne Zögern genommen. Auf glatten Küchenfliesen sorgen die Räder zusätzlich für Grip.
Software & Alltag: Die App macht vieles richtig – und einiges etwas kompliziert
Die Dreamehome-App ist funktionsreich. Reinigungspläne erstellen, einzelne Räume oder Zonen gezielt reinigen lassen, Saugstufen anpassen, Sperrzonen einzeichnen, Sprachsteuerung – das alles funktioniert in der Praxis zuverlässig. Matter-Unterstützung ist ebenfalls an Bord: Wer ein herstellerübergreifendes Smart-Home-System betreibt, kann den Roboter nahtlos einbinden.
Was uns weniger gut gefallen hat: Die App führt bei der Ersteinrichtung nicht aktiv durch alle wichtigen Einstellungen. Die Hinderniserkennungsstufe etwa – eines der Verkaufsargumente des Geräts – ist nicht standardmäßig auf Maximum gestellt und versteckt sich, wie oben bereits erwähnt, in den Menüs. Wer die App nicht aktiv erkundet, nutzt das Gerät nicht im vollen Umfang.

Nach der erfolgreichen Kartierung ist der Grundriss in der App klar lesbar. Raumbezeichnungen lassen sich anpassen, und der Roboter navigiert anschließend zuverlässig nach Plan.
In puncto Funktionsumfang lässt der Dreame kaum Wünsche offen: Neben Standardfeatures wie Zeitplänen, Grundrissanpassungen und der Wahl der Reinigungsintensität stehen auch erweiterte Optionen zur Verfügung. Dazu gehört die „KI-gesteuerte SideReach“-Funktion, bei der der Roboter seine Seitenbürste in Ecken und unter niedrigen Möbelkanten automatisch ausschwenkt.
Ein Nicht-Stören-Modus sorgt dafür, dass ihr nachts nicht geweckt werdet, während eine Kindersicherung, eine intelligente Fleckenerkennung und spezielle Funktionen für Haustierbesitzer das Paket abrunden. Zudem lässt sich die Basisstation individuell konfigurieren, um etwa die Trocknungszeit der Wischpads festzulegen.
Fazit: Solide Kampfansage an die Tausend-Euro-Klasse
Der Dreame L50s Pro Ultra hat uns in unserem Test überzeugt, auch wenn er nicht ganz ohne Nachteile daherkommt: Der uneinfahrbare Sensorturm und die etwas sperrige Basisstation sind echte Einschränkungen. Aber für 649 Euro (erhältlich zum Beispiel bei Amazon*) bekommt ihr 30.000 Pa Saugkraft, eine vollautomatische Wartungsstation mit 100-Grad-Mopp-Selbstreinigung, eine verlässliche Hinderniserkennung und eine solide Ecken- und Kantenreinigung – Eigenschaften, für die ihr bei anderen Herstellern deutlich tiefer in die Tasche greifen müsst.
Kaufempfehlung: Wer eine mittelgroße bis große Wohnung hat, sich bei der Ersteinrichtung nicht scheut, etwas zu experimentieren, und eine vollautomatisierte Reinigungslösung ohne Tausend-Euro-Budget sucht, trifft mit dem L50s Pro Ultra eine vernünftige Wahl.
Dreame L50s Pro Ultra im Test: Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Überzeugendes Reinigungsergebnis auf Hart- und Teppichböden
- Hohe Saugleistung (30.000 Pa)
- Überzeugende Ecken- und Kantenreinigung
- 100 °C Mopp-Selbstreinigung
- hoher Funktionsumfang
- gutes Preis-Leistungsverhältnis
- gute Hinderniserkennung (muss einmalig aktiviert werden)
Nachteile
- große Reinigungsstation
- App erfordert aufgrund des hohen Funktionsumfangs etwas Einarbeitungszeit
- Große Wassertanks passen ggfs. nicht in kleines Waschbecken
Anzeige / Letzte Aktualisierung am 13.05.2026 um 16:45 Uhr / Affiliate Links* / Bilder: Amazon