Ein Prager Start-up namens 0x2A bereitet den Kickstarter-Start eines Luftqualitätsmonitors vor, der Messtechnik aus dem oberen Regal mit einem Gehäuse verbindet, das ihr freiwillig ins Wohnzimmer stellt. Der Airgeek A1 misst CO2, Feinstaub (PM1, PM2.5, PM10), Stickstoffdioxid, Kohlenmonoxid, Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck. Die Kampagne ist noch nicht live, hat aber bereits über 500 Follower – wer den Start nicht verpassen will, kann sich auf der Projektseite benachrichtigen lassen.
Wir haben eine Schwäche für Gadgets, die mit Liebe zum Detail entworfen und hochwertig verarbeitet sind. In dieser Hinsicht sieht der Airgeek aus unserer Sicht sehr vielversprechend aus. Der Rahmen besteht aus CNC-gefrästem und handpoliertem Hartholz (Kirsche, Eiche, Esche oder Walnuss), die Front aus Gorilla Glass, dahinter sitzt ein großes Segment-LCD, für das sich das Team nach eigenen Angaben erst spät und gegen ein bereits eingeplantes E-Ink-Display entschieden hat. Kern und Rückseite gibt es in sechs Farben. Stolze 70 Gehäuse-Iterationen stecken laut 0x2A im Design.

Sensorik: Bosch-Feinstaubsensor ohne Lüfter, CO2 von Senseair
Die Sensorliste liest sich wie ein Who’s who der europäischen und amerikanischen Sensorhersteller. CO2 misst ein Senseair Sunrise aus Schweden, Temperatur und Luftfeuchte ein Sensirion SHT45 aus der Schweiz, den Luftdruck ein Bosch BMP581. Für Stickstoffdioxid und Kohlenmonoxid kommen elektrochemische Sensoren von Interlink Electronics aus den USA zum Einsatz. Der A1 ist laut Hersteller ausdrücklich kein CO-Warnmelder und darf nicht als solcher verwendet werden.
Statt eines üblichen Feinstaubsensors mit Lüfter, der Luft durch eine Messkammer zieht, steckt im Airgeek der Bosch Sensortec BMV080. Der zählt Partikel per Infrarotlaser direkt in der Umgebungsluft, ohne bewegliche Teile; PM10 wird dabei aus den PM1- und PM2.5-Werten abgeleitet. Das Gerät arbeitet dadurch komplett lautlos und kommt mit zwei AA-Akkus (NiMH-Akkus liegen bei) mindestens ein Jahr aus. 0x2A bezeichnet den A1 als ersten kompletten Luftqualitätsmonitor ohne bewegliche Teile – eine Herstellerangabe, die wir nicht geprüft haben.
Aber: Die Akkulaufzeit kostet Messfrequenz. Der A1 misst Feinstaub nur sechs- bis achtmal am Tag zu zufälligen Zeitpunkten und zeigt einen gleitenden 24-Stunden-Durchschnitt an. Wer die Dunstabzugshaube automatisch anwerfen will, sobald beim Anbraten die PM2.5-Werte in die Höhe schießen, bekommt mit diesem Gerät keine Echtzeitdaten. Für die Frage, ob eure Wohnung dauerhaft zu staubig ist, reicht das – für kurzfristige Automationen eher nicht.
Smart Home: Matter over Thread läuft, Zigbee ist in Arbeit
Der A1 funkt per Matter over Thread und Zigbee, die Hardware dafür ist ein STM32WB5M. Bluetooth Low Energy ist nur fürs Thread-Commissioning an Bord. Laut Spezifikation ist aktuell Matter over Thread umgesetzt, Zigbee befindet sich noch in der Entwicklung. 0x2A ist zudem noch kein Mitglied der Connectivity Standards Alliance und will die Matter- und Zigbee-Zertifizierung erst im Zuge der Kickstarter-Kampagne durchlaufen – das Unternehmen schreibt das selbst so in sein Spec-Sheet.
Als kompatibel nennt der Hersteller Apple Home, Google Home und Home Assistant, mit dem Hinweis, dass Apple Home und Google Home nicht alle Messwerte darstellen können. 0x2A empfiehlt deshalb Home Assistant. Da Homey Pro sowohl Matter als auch Zigbee unterstützt, sollte der A1 auch dort landen – prüfen können wir das erst mit einem Gerät in der Hand (unser Homey-Pro-Test zeigt, was die Zentrale mit Sensordaten anstellen kann).
Die Smartphone-App kommuniziert per NFC statt Bluetooth: Telefon ans Gerät halten, Daten auslesen, Diagramme anschauen, Firmware aktualisieren. Dafür braucht es weder Konto noch Cloud noch Abo – die App soll dauerhaft kostenlos bleiben und ist Open Source. Der A1 funktioniert damit auch ohne Smart-Home-Zentrale als eigenständiges Messgerät mit Display.
Open Source und Garantie: 0x2A veröffentlicht das Design vor der Auslieferung
0x2A verspricht, das komplette Gerätedesign vor Beginn der Auslieferung als Open Source freizugeben. Parallel zum A1 entsteht das Modul M1, das dieselbe Sensorik als offene Plattform für Maker und DIY-Projekte bereitstellt. Kickstarter-Unterstützer bekommen zudem fünf Jahre Garantie statt der üblichen zwei; die Lebensdauer ist auf zehn Jahre ausgelegt.
Gefertigt wird nach Herstellerangaben komplett in Prag. Mit 103 × 103 × 26 Millimetern und rund 260 Gramm ist der A1 kompakt genug für Regal oder Schreibtisch, die Rückseite hat Magnethalterungen und eine magnetische Wandbefestigung. Ihr bekommt damit ein Gerät, bei dem Hardware, Firmware und App offen liegen und keine Messung den Umweg über eine Hersteller-Cloud nimmt.
Viel Sensorik, viel Handarbeit, noch kein Preis
Auf dem Papier ist der Airgeek A1 ein spannendes, vollständiges Paket: Senseair-CO2-Sensor, Feinstaub, zwei Gassensoren, Matter und Zigbee, Batteriebetrieb, Holzgehäuse. Vergleichbare Geräte mit Segment-Display und Batteriebetrieb wie der Aranet4 messen nur CO2, Temperatur, Luftfeuchte und Luftdruck und sprechen per Bluetooth. Ob der A1 sein Versprechen bei der Messgenauigkeit hält und wie sauber Thread und Zigbee laufen, prüfen wir, sobald wir ein Gerät bekommen.
Einen Preis nennt 0x2A bislang nicht – weder in der Kickstarter-Vorschau noch auf der Website. Bei handpoliertem Hartholz, Gorilla Glass und Sensoren dieser Klasse rechnen wir eher mit einem Premium-Betrag. Dazu kommt das übliche Kickstarter-Risiko: Erstes Projekt eines kleinen Teams, Zertifizierung bei der CSA noch offen, Zigbee noch nicht fertig. Wer sich dafür interessiert, lässt sich auf der Projektseite über den Kampagnenstart benachrichtigen – einen Termin gibt es noch nicht.
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