Das Elgato Stream Deck + ist ein physischer Shortcut-Controller mit acht LCD-Tasten, einer Touch-Leiste und vier Drehreglern – und richtet sich an alle, die ihren Workflow am PC beschleunigen wollen. Ob Streaming, Videomeetings, Smart Home oder Audiowechsel: Das Gerät verspricht, viele Handgriffe auf einen Tastendruck zu reduzieren. Wir haben das Stream Deck + über mehrere Wochen im Homeoffice-Alltag genutzt. Was wirklich funktioniert, wo es hakt und für wen sich der Preis von knapp 190 Euro lohnt, lest ihr hier.
Hardware: Solide gebaut, gut ablesbar
Das Stream Deck + macht optisch einiges her. Das Gehäuse wirkt wertig, die acht LCD-Tasten sind hell und gut ablesbar – auch im direkten Licht eines Homeoffice-Schreibtisches. Die vier Drehregler lassen sich drücken und drehen, die Touch-Leiste zwischen Tasten und Reglern reagiert zuverlässig auf Eingaben.

Auf jeder Taste lassen sich entweder individuelle Icons oder Statusinformationen – etwa das Wetter oder die aktuelle Raumtemperatur – anzeigen. Unter den acht Tasten ist die Touch-Leiste im Querformat verbaut, auf der etwa die Belegung der Drehregler dargestellt werden kann.

Die Drehregler selbst haben einen angenehmen Widerstand und reagieren präzise. Wir haben zum Beispiel einen davon genutzt, um die Temperatur eines per Homey eingebundenen Klimageräts zu regeln – das geht feingranularer und schneller als jede App-Steuerung auf dem Smartphone und ist im Alltag auch viel praktischer, als ständig einen Sprachbefehl an Alexa zu richten. Andere Regler verwenden wir, um die Lautstärke oder die Beleuchtung schnell anzupassen.
Software: Mächtig, aber mit Lernkurve
Die Stream Deck App ist der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Geräts – und das ist sowohl Stärke als auch Schwäche. Per Drag & Drop lassen sich Aktionen auf Tasten ziehen, Plugins installieren und Profile anlegen, die automatisch wechseln, sobald ihr eine bestimmte App öffnet.
Das klingt einfacher, als es ist. Wer zum ersten Mal ein ernsthaftes Setup aufbaut, investiert locker mehrere Stunden in die Einrichtung. Welche Plugins brauche ich? Wie baue ich Multi-Aktionen sauber auf? Welche Icons verwende ich? Diese Fragen stellen sich schnell.

Im Elgato Marketplace stehen Plugins für die Integration zahlreicher Apps und Services bereit. Unterstützt werden Anwendungen wie OBS Studio, Spotify, Apple Music, Slack, Zoom und Photoshop. Auch Smart-Home-Enthusiasten kommen auf ihre Kosten: Es gibt Anbindungen für Home Assistant, Apple Shortcuts, Philips Hue, Homey, Govee, Lifx und viele weitere Systeme.
Unsere Empfehlung: Prüft vor dem Kauf, ob Plugins für die von euch genutzten Apps und Systeme erhältlich sind.
Wer den initialen Aufwand aber einmal betrieben hat, profitiert danach dauerhaft. Wir haben im Test festgestellt, dass sich nach der Einrichtungsphase eine spürbare Routineänderung einstellt: Viele Handgriffe, die vorher zahlreiche Klicks erfordert haben, passieren jetzt mit einem einzigen Tastendruck.

Alltagsnutzen: So verwenden wir das Elgato Stream Deck +
Videomeetings und Homeoffice
Wer regelmäßig Videos produziert oder viele Videomeetings durchführt, gehört zur klaren Kernzielgruppe. Im Test haben wir Philips Hue und ein Elgato Key Light direkt integriert und Lichtszenen auf einzelne Tasten gelegt – eine für Meetings, eine für entspanntes Arbeiten, eine zum Ausschalten. Das funktioniert zuverlässig und ohne Umwege.
Ebenso praktisch: der schnelle Wechsel zwischen Audiogeräten. Wer zwischen Kopfhörern, Lautsprechern und einem externen Mikrofon wechselt, kennt den üblichen Weg über die Windows-Einstellungen oder das Systray. Mit dem Stream Deck + ist das ein Tastendruck.
Musik und App-Steuerung
Wir haben unsere Lieblings-Playlists aus Apple Music direkt auf Tasten gelegt. Das klingt nach einer Kleinigkeit – im Alltag macht es aber einen Unterschied, wenn ihr Musik startet, ohne erst die App zu öffnen und die richtige Playlist suchen müssen. Solche Mikro-Optimierungen summieren sich.
Smart Home über Homey
Homey lässt sich als Plugin integrieren, was uns angenehm überrascht hat. Nicht jedes Smart-Home-System wird vom Stream Deck + nativ unterstützt, Homey gehört aber dazu. Wir steuern darüber unser Klimagerät – mit einem der Drehregler, präzise in kleinen Schritten. Das geht im Alltag schneller als jede Sprachsteuerung und deutlich komfortabler als eine Smartphone-App.
Der zentrale Haken: PC muss laufen
Kommen wir zu einem relevanten Nachteil: Das Stream Deck + ist vollständig an euren PC gebunden. Es verarbeitet keine Befehle selbstständig, sondern leitet sie über die Stream Deck App weiter. Ist der PC ausgeschaltet oder gesperrt, passiert gar nichts.
Das ist für viele Anwendungsfälle kein Problem – wer das Gerät primär am Arbeitsrechner nutzt, merkt davon wenig. Wer aber hofft, mal eben das Klimagerät im Büro zu regeln, ohne den PC hochzufahren, wird enttäuscht. Wir haben das im Test mehrfach erlebt: Kurz den Raum verlassen, Rechner gesperrt – und das Stream Deck + ist erstmal nutzlos. Das Stream Deck ist also kein „Standalone-Produkt“, sondern immer auf den eingeschalteten PC angewiesen.
Der Preis ist eine Ansage
Knapp 190 Euro sind unserer Meinung nach sehr Ambitioniert für ein Eingabegerät. Im Test haben wir uns mehrfach gefragt, ob sich dieser Preis rechtfertigt – und die Antwort lautet: Es kommt auf euren Workflow an.
Wer das Stream Deck + intensiv nutzt, mehrere Integrationen aufbaut und täglich davon profitiert, bekommt ein Gerät, das im Alltag durchaus eine Arbeitserleichterung ist. Wer es nur für gelegentliche Shortcuts nutzt oder die Einrichtung scheut, sollte wortwörtlich die Finger von dem Ding lassen.
Elgato Stream Deck + im Test: Unser Fazit
Das Elgato Stream Deck + ist ein durchdachtes, gut verarbeitetes Eingabegerät. Die Kombination aus LCD-Tasten, Touch-Leiste und Drehreglern funktioniert im Alltag besser, als es auf dem Papier klingt – vor allem dann, wenn ihr mehrere Integrationen parallel nutzt.
Kaufen solltet ihr es, wenn ihr viele Videomeetings haltet, euren Homeoffice-Workflow ernsthaft beschleunigen wollt oder ohnehin mehrere Elgato-Produkte im Einsatz habt. Auch für Streamer und Content-Produzenten, die OBS, Twitch oder YouTube steuern wollen, ist es eine starke Wahl.
Kaufen solltet ihr es nicht, wenn ihr primär eine eigenständige Smart-Home-Fernbedienung sucht, wenig Geduld für die initiale Einrichtung mitbringt oder das Gerät nur sporadisch nutzen würdet. Der hohe Preis verlangt nach einem klaren Einsatzszenario – sonst ist er schlicht zu hoch.
Das Elgato Stream Deck+ ist für rund 190 Euro im Handel erhältlich, beispielsweise bei Amazon*.
Elgato Stream Deck +: Vor- und Nachteile im Überblick
Vorteile
- Hochwertige Verarbeitung, schickes Design
- Drehregler für präzise Feinjustierung
- sehr weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten
- viele Plugins
Nachteile
- Desktop-App mit hoher Lernkurve
- hoher Preis
- benötigt eingeschalteten und entsperrten PC
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