Erneuerbare könnten langfristig nicht mehr als vier Prozent des Strombedarfs decken, soll Angela Merkel in den 1990er Jahren als Umweltministerin gesagt haben. So berichtet es Klimareporter. Die Marke fiel laut dem Solarforscher Volker Quaschning dann allerdings schon Mitte der 1990er. Zwischen Januar und September 2026 lag der Anteil bei 60,7 Prozent, dem Fünfzehnfachen der damaligen Prognose.
Deutschland: 60,7 Prozent Ökostrom in neun Monaten
So viel Strom aus Erneuerbaren gab es in den ersten drei Quartalen noch nie. Das haben das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und der Branchenverband BDEW berechnet, wie Die Zeit berichtet.
Der Anteil stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozentpunkte, obwohl der Stromverbrauch zugenommen hat. Wind- und Solaranlagen erzeugten zusammen 237,5 Milliarden Kilowattstunden, 8,7 Prozent mehr als vor einem Jahr. Wasserkraft lieferte wegen geringer Niederschläge weniger, auch die Biomasse ging leicht zurück.
Der Anstieg im Jahresverlauf: Im ersten Quartal waren es 53 Prozent, im ersten Halbjahr 58 Prozent. Bis 2030 sollen es 80 Prozent sein. BDEW-Chefin Kerstin Andreae fordert dafür eine rasche Einigung beim Erneuerbare-Energien-Gesetz und ein Beschleunigungspaket für die Verteilnetze.
Weltweit: Solarstrom wächst 2025 um 636 Terawattstunden, Atomstrom lediglich um 35 Terawattstunden
Weltweit kamen 2025 laut dem Thinktank Ember 33,8 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren, erstmals mehr als aus Kohle (33,0 Prozent). Die Solarstromerzeugung wuchs um 636 Terawattstunden (plus 30 Prozent) auf 2.778, die Windkraft um 205. Die Atomkraft legte um 35 Terawattstunden zu, was sehr überschaubare 1,3 Prozent entsprocht. Ember erwartet, dass 2026 sowohl Solar als auch Wind mehr Strom liefern als alle Atomkraftwerke.
Beim Ausbau zählt die Internationale Energieagentur 2025 einen Rekord von rund 800 Gigawatt neuer Erneuerbaren-Leistung, drei Viertel davon Photovoltaik.
Atomkraft: Neubauten dauern lange und kosten viel
Beim Zubau steht die Atomkraft deutlich schlechter da: Laut dem World Nuclear Industry Status Report (in der Zusammenfassung von RenewEconomy) wuchs die weltweite Leistung 2025 netto um etwa 1,5 Gigawatt. Vier Reaktoren gingen zwar neu ans Netz, dafür wurden aber sieben stillgelegt. Der Anteil am Strommix liegt demnach bei 8,8 Prozent, dem niedrigsten Wert seit rund 50 Jahren. Der Bericht sieht Solar schon 2025 vor der Atomkraft.
Dazu passt das britische Großprojekt Hinkley Point C. Die Kostenschätzung liegt je nach Quelle zwischen 35 und mehr als 48 Milliarden Pfund, ursprünglich waren es nur 18 Milliarden. Der Start war für ursprünglich für 2025 geplant und wird jetzt für 2030 erwartet, möglicherweise wird er sich noch weiter verzögern.
Nach der Analyse der US-Beratung Lazard kostet Strom aus neuen Atomkraftwerken in den USA 175 bis 255 Dollar je Megawattstunde, bei Solarparks sind es 40 bis 98 Dollar.
Stromspeicher: Großspeicher legen stark zu, Heimspeicher stagnieren
Wind und Sonne liefern nicht immer dann, wenn der Strom gebraucht wird. Speicher fangen Überschüsse auf und geben sie später wieder ab, und ihr Ausbau nimmt Fahrt auf: Weltweit kamen 2025 rund 40 Prozent mehr Batteriespeicher hinzu, insgesamt fast 110 Gigawatt. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wuchs keine andere Stromtechnologie schneller.
In Deutschland gingen im ersten Quartal 2026 nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft mehr als zwei Gigawattstunden neue Speicherkapazität in Betrieb, 67 Prozent mehr als vor einem Jahr. Mehr als eine Gigawattstunde davon entfiel auf Großspeicher (plus rund 270 Prozent). Heimspeicher kamen auf etwa 0,74 Gigawattstunden, das ist Vorjahresniveau. Der Gesamtbestand liegt bei rund 30 Gigawattstunden.
Smart Home: Mit dem dynamischen Stromtarif Kosten senken
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Die Wallbox lädt das Auto dann nachts oder mittags, die Wärmepumpe heizt in günstigen Stunden vor, die Waschmaschine startet per Zeitschaltung. Ein Smart-Home-System oder eine Energiemanagement-App, die mit dem Tarif gekoppelt ist, übernimmt das automatisch. Mit eigener Solaranlage und Speicher verschiebt ihr selbst erzeugten Strom in die teuren Abendstunden und kauft weniger zu. Aus unserer Sicht ist diese Kombination aus Tarif, Steuerung und Speicher eine interessante Möglichkeit, im eigenen Haushalt von der Energiewende zu profitieren.
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