Ein Entwickler hat mit Habitat eine HomeKit-App im App Store veröffentlicht, die euer Zuhause als begehbaren 3D-Zwilling darstellt. Ihr lauft mit dem iPhone durch die Wohnung, die App scannt die Räume per LiDAR und baut daraus ein interaktives Modell, in dem jedes Gerät genau dort sitzt, wo es auch real steht.
Tippt ihr im Modell auf die Stehlampe im Wohnzimmer, schaltet die echte Lampe – dimmt ihr die Deckenleuchte, wird das Modell mitgedimmt. Entstanden ist die App laut Entwickler aus Frust: Jahr für Jahr habe er auf der WWDC gehofft, Apple werde die Home-App endlich ernsthaft weiterentwickeln, und sei jedes Mal enttäuscht worden.
Ein Digital Twin statt flacher Grundriss-Kästchen
Der Entwickler arbeitet nach eigenen Angaben hauptberuflich als 3D-Software-Ingenieur und hat für Habitat einen eigenen Path-Tracer in Apples Grafikschnittstelle Metal geschrieben. Andere Grundriss-Apps zeigten die Wohnung bislang als flache, pastellfarbene Rechtecke; Habitat rendert stattdessen ein Modell mit weichen Schatten und Lichtverlauf, das an ein beleuchtetes Architekturmodell erinnert.
Schaltet ihr zuhause eine Lampe ein, wirft sie im Modell tatsächlich Licht – nachts wirkt die dargestellte Wohnung also beleuchtet, weil sie es real ist. Die gerenderte Ansicht dient laut Entwickler als eigentliche Bedienoberfläche: Räume und Geräte lassen sich direkt im 3D-Bild antippen und markieren.

HomeKit steuert, Home Assistant liefert das Gedächtnis
Interessant für alle, die tiefer im Smart Home stecken, ist die Verknüpfung zweier Systeme. HomeKit eigne sich gut zum Steuern, wisse aber wenig über das Haus, argumentiert der Entwickler: Eine Historie kennt die Schnittstelle nicht, die Schlafzimmertemperatur von vor einer Stunde ist damit schlicht verloren. Home Assistant dagegen speichert solche Werte.
Habitat bindet Home Assistant deshalb optional ein und zieht dessen aufgezeichnete Verläufe in die App. Jeder Sensor bekommt so einen Graphen, etwa für Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Home Assistant ergänzt außerdem Geräte, die HomeKit gar nicht sieht, und liefert genauere Statusdaten – beim Saugroboter zum Beispiel Position und Akkustand. Die Einrichtung läuft laut Entwickler automatisch: Habitat findet die Home-Assistant-Instanz im Netzwerk selbst, unterstützt lokale und externe Adresse mit Failover und aktualisiert Zustände live über Websockets.
Heatmaps, Saugroboter und ein Dashboard für den Fernseher
Aus der Kombination beider Systeme entstehen Funktionen, die weder Apples Home-App noch die meisten Dashboards bieten. Temperaturwerte mehrerer Sensoren verrechnet Habitat zu einer Heatmap, die als Farbverlauf über den 3D-Boden gelegt wird – ihr seht damit, welcher Raum kühl bleibt und welcher sich nachmittags aufheizt. Den Saugroboter zeichnet die App als 3D-Objekt auf der Live-Karte ein, samt Steuerung für Start, Rückkehr zur Station und Statusanzeige. Per AR-Fernbedienung könnt ihr zudem mit iPhone oder iPad auf ein Gerät zeigen, um es zu schalten.
Habitat läuft auf iPhone, iPad, Apple TV und Mac, wobei die Mac-Version noch auf Apples Freigabe wartet. Auf dem Fernseher dient die App als überblicksartiges 3D-Dashboard fürs ganze Haus, das sich über iCloud synchronisiert.
Beim Datenschutz orientiert sich der Entwickler erfreulicherweise an Systemen wie Home Assistant: kein Konto, keine Analyse; Scans und Einstellungen bleiben in eurer iCloud, die Gerätedaten zwischen HomeKit-Hub, Home-Assistant-Box und euren Geräten. Dass eine App, die LiDAR-Scan, Raytracing, AR, HomeKit und Home Assistant gleichzeitig bedient, anfangs Fehler haben wird, räumt er offen ein.
Verfügbarkeit und Preis
Habitat ist ab sofort im App Store erhältlich und läuft nach dem Einrichten ohne Nutzerkonto. Die Basis-App ist kostenlos, der volle Funktionsumfang lässt sich über einen Einmalkauf oder ein Abo (pro Familie) freischalten. Eine siebentägige Testphase ist enthalten, und ein Kauf deckt iPhone, iPad, Apple TV und Mac gemeinsam ab.
Für die App werden monatlich 3,99 Euro oder jährlich 34,99 Euro fällig. Alternativ gibt es eine Einmalkauf-Option die mit 89,99 Euro zu Buche schlägt.
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