Wandmonitore, alte Tablets oder ausrangierte Fernseher als Smart-Home-Anzeige einzurichten, endet in der Praxis oft bei Iframe-Hacks, halbgaren Fotorahmen-Apps oder Diensten, die eure Fotos über eine fremde Cloud schicken. Der Entwickler Jeremiaa hat genau dieses Problem für sein eigenes Küchen-Display gelöst und das Ergebnis als Open-Source-Projekt veröffentlicht: Magic Frame, ein selbst gehostetes Dashboard, das Home Assistant als vollwertige Datenquelle behandelt und gleichzeitig als waschechter digitaler Bilderrahmen funktioniert.
Alternatives Home Assistant Dashboard: Was Magic Frame kann
Magic Frame läuft komplett lokal in eurem Heimnetzwerk und verwandelt praktisch jeden Bildschirm mit Browser in eines von mehreren Displays: Familienboard mit Einkaufsliste, Kalender und Wetter in der Küche, Smart-Home-Hub mit Home-Assistant-Entitäten und Szenen-Buttons im Flur, digitaler Bilderrahmen mit rotierenden Immich-Fotos auf einem alten Monitor oder Statusdisplay im Arbeitszimmer.
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Jedes Display bekommt eine eigene „View“ mit eigenem Layout, eigener URL und eigener Wallpaper-Quelle – mehrere Displays laufen parallel und synchronisieren sich per WebSocket in Echtzeit, ohne dass ihr die Seite manuell neu laden müsst.
Ein und dasselbe Display kann dabei zwischen zwei Rollen wechseln. Tagsüber zeigt der Wandmonitor in der Küche Kalender, Wetter und Home-Assistant-Benachrichtigungen, nachts blendet ein Tastendruck alle Kacheln aus und der Bildschirm wird zum reinen Fotorahmen mit Bildern aus dem eigenen Immich-Archiv. Layout und Widgets baut ihr dabei per Drag-and-drop auf einem 24-Spalten-Raster zusammen, ganz ohne YAML- oder CSS-Kenntnisse.
So funktioniert die Integration mit Home Assistant
Magic Frame bindet Home Assistant über eine direkte WebSocket-Verbindung mit echten Entitäten und Service-Aufrufen ein, anders als viele Wanddisplay-Lösungen, die auf eingebettete Iframes oder Screenshots setzen. Zehn Kern-Widgets stehen zur Verfügung, darunter Uhr, Wetter, Kalender, ein allgemeines Home-Assistant-Widget mit Farb- und Icon-Regeln je Zustand, Benachrichtigungskacheln, Buttons, ein Timer sowie Einkaufslisten- und Aufgaben-Widgets, die sich zweiseitig mit den todo.*-Entitäten in Home Assistant synchronisieren.
Seit Version 1.1 (17. Juni 2026) kommt ein Kamera-Widget hinzu, zudem lassen sich Widgets jetzt übereinanderlegen und per Home-Assistant-Zustand automatisch ein- und ausblenden – etwa eine Kamera-Kachel, die sich beim Klingeln zeigt und danach wieder verschwindet.
Wer zusätzlich Immich als Foto-Backend nutzt, bindet die eigene Instanz über URL und API-Key ein und weist jeder View ein eigenes Album zu; alternativ funktioniert auch ein WebDAV-Ordner, etwa über Nextcloud. Die Fotos bleiben dabei im eigenen Netzwerk, ohne Umweg über eine fremde Cloud.
Worauf ihr achten solltet
Weil Magic Frame komplett lokal läuft, braucht ihr zwingend einen dauerhaft laufenden Rechner im Netzwerk als Server – ein reiner Tablet-Betrieb ohne separate Hardware ist nicht vorgesehen. Alle Komfortfunktionen für den Zugriff von außerhalb, etwa automatisches HTTPS, ein DDNS-Updater oder Zwei-Faktor-Authentifizierung, sind laut Projekt optional und für den reinen LAN-Betrieb nicht nötig.
Wer den Wandmonitor zusätzlich nachts abschalten, bei WLAN-Aussetzern automatisch neu starten oder verhindern will, dass Kinder dauerhaft auf einer anderen Ansicht hängen bleiben, braucht dafür zusätzliche Kiosk-Software wie Fully Kiosk Browser oder TouchKIO – Magic Frame kümmert sich bewusst nicht um Bildschirm-Standby oder Netzwerk-Watchdogs.
Der Entwickler beschreibt Magic Frame offen als sein erstes größeres Open-Source-Projekt, dessen Umsetzung er zusammen mit Claude als Programmier-Assistenten geschrieben hat, während Architektur- und Funktionsentscheidungen laut eigener Aussage bei ihm liegen.
Einschränkungen und offene Baustellen
Ein einzelnes Display ist bislang fest an genau eine View mit einer URL gebunden; ein Wechsel zwischen mehreren Layouts auf demselben Bildschirm, etwa per Wischgeste, ist laut Roadmap für eine kommende Version vorgesehen, aber noch nicht umgesetzt. Eine native Begleit-App für iOS befindet sich laut Projektseite noch in der Entwicklung und ist bislang nicht öffentlich über TestFlight verfügbar; bis dahin lassen sich Timer und Kurznachrichten nur über die REST-API ansteuern.
Verfügbarkeit
Magic Frame ist seit dem 26. Mai 2026 als Version 1.0 verfügbar, die aktuelle Version 1.1.0 erschien am 17. Juni 2026. Die Software ist kostenlos.
Den Quellcode samt Installationsanleitung und Screenshots findet ihr im GitHub-Repository von Magic Frame, einen kompakteren Projektüberblick liefert die zugehörige Website magicframe.dev. Wer sich generell noch nicht sicher ist, ob und wie Home Assistant überhaupt zum eigenen Zuhause passt, findet die Grundlagen dazu in unserem Home-Assistant-Ratgeber.
Fotos Titelgrafik: Jeremia
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