Vulpo ist ein vollständig natives Dashboard für Home Assistant auf iPhone, iPad, Mac und seit dem jüngsten Update auch auf der Apple Watch. Die App bringt über 30 Kartentypen, acht Widget-Typen, Live Activities und einen LiDAR-Raumscan in 3D mit. Der Download ist kostenlos, ein Teil der Funktionen steckt im Bezahlpaket Vulpo Pro. Version 1.2.1 ist am 31. August erschienen.
Wer Home Assistant auf dem iPhone bedient, landet sonst in der offiziellen Companion-App, die die Dashboards in einer Webansicht darstellt. Entwickler Josh Dessol wollte das anders lösen und verzichtet nach eigenen Angaben komplett auf Webviews und eingebettete Browser. Gebaut hat er die App allein und nebenher, der erste Commit liegt über drei Jahre zurück.
Vulpa App für Home Assistant: Dashboards, Karten und Live Activities
Die Dashboards stellt ihr aus über 30 Kartentypen zusammen: Licht, Klima, Rollläden, Kameras, Medienplayer, Schlösser, Sensoren, Pflanzen, Solaranlage, Wetter und Müllabfuhr gehören dazu. Karten sortiert ihr per Drag-and-drop, mehrere Dashboards sind möglich, und alles synchronisiert über iCloud auf eure übrigen Geräte. Benennt ihr eine Entität einmal um, gilt der neue Name samt Symbol überall in der App. Kamerabilder laufen über WebRTC oder HLS, Sensorverläufe zeigt Vulpo als Diagramme, in denen sich ein Zeitraum auswählen lässt.
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Außerhalb der App stehen acht Widget-Typen für Home- und Sperrbildschirm bereit, dazu fünf Steuerungen im Kontrollzentrum und eine Siri-Anbindung. Live Activities auf Sperrbildschirm und Dynamic Island füttert ihr mit euren bestehenden Home-Assistant-Automationen. Abgedeckt sind Waschmaschine, Spülmaschine, Trockner, Backofen, Thermostat und Solaranlage, dazu der Saugroboter, dessen Lauf mit Fortschritt, Akkustand und aktuellem Raum mitläuft. Geräte pausieren oder das Thermostat nachjustieren könnt ihr direkt aus der Live Activity heraus.
Neu in Version 1.2: Apple Watch, Whisker und Alarmanlage
Das Update bringt Vulpo auf die Apple Watch, und zwar eigenständig über WLAN oder LTE, auch wenn das iPhone ausgeschaltet ist. Auf der Uhr liegen Glances, Favoriten, Szenen und angepinnte Karten auf Seiten, die ihr am iPhone anordnet. Einzelne Entitäten lassen sich aufs Zifferblatt legen und über die Digital Crown steuern.
Dazu kommt Whisker: Ihr richtet das Handgelenk auf eine Lampe und tippt zweimal, um sie zu schalten. Die Uhr lernt dafür jeden Raum von einigen Punkten aus an, ein Radar zeigt, auf welchem Gerät ihr gerade eingerastet seid. Vorausgesetzt wird eine Apple Watch Series 9 oder neuer; die Funktion läuft als Vorabversion unter dem Label Vulpo Labs, genau wie die neue Alarmanlagen-Karte samt Tastenfeld, das eingegebene Codes nicht speichert. Beides gehört zu Pro.
Nachgereicht hat der Entwickler außerdem einiges, was die Community im Sommer angemahnt hatte: eine deutsche Übersetzung – die App war anfangs komplett englisch –, dynamische Lichtfarben, mit denen Symbole die tatsächliche Farbe der Lampe annehmen, acht Erscheinungsbild-Vorlagen sowie eine Bereiche-Verwaltung, in der ihr Entitäten Räumen zuordnet, ohne die App zu verlassen.
Vulpo Lumen: 3D-Raumscan per LiDAR
Das aufwendigste Feature heißt Lumen. Ihr scannt eure Räume per LiDAR ein, die App baut daraus ein 3D-Modell, in dem eure Entitäten an ihrem tatsächlichen Platz sitzen und sich direkt antippen lassen. Apples Bordmittel haben dafür nicht gereicht: RealityKit war dem Entwickler zu eingeschränkt, SceneKit ist abgekündigt, also hat er einen eigenen Renderer in Objective-C++ und Metal geschrieben – auf neueren Chips inklusive Path Tracing mit Reflexionen, weichen Schatten und globaler Beleuchtung.

Zur Einrichtung gehören über 200 Möbel- und Deko-Objekte in 15 Kategorien, die ihr verschieben, drehen und skalieren könnt, dazu eine Tageszeit-Simulation vom Sonnenaufgang bis in die Nacht und ein Export in hoher Auflösung. Weil die Scans über iCloud synchronisieren, lassen sich die Räume auch am Mac ansehen, der mangels LiDAR selbst gar nicht scannen kann. Aus derselben Technik ist inzwischen ein Energie-Tab entstanden, der das Energie-Dashboard von Home Assistant als 3D-Szene mit Sonnenstand, Stromflüssen und einer Heatmap je Gerät darstellt und die Kosten aus eurem Stromtarif ableitet.
Bei einigen Nutzern stürzte die App allerdings beim Verarbeiten des fertigen Scans ab; laut Entwickler ist das behoben. Mehrere berichteten außerdem von einem warm werdenden iPhone, was bei GPU-lastigem Rendering wenig überrascht. Und wer zwei Etagen scannt, bekommt sie übereinandergestapelt und ohne Umschalter zu sehen.
Der Unterschied zu Habitat
Eine 3D-App fürs Smart Home hatten wir erst kürzlich im Test der Neuvorstellungen: Habitat scannt die Wohnung ebenfalls per LiDAR und rendert sie mit einem eigenen Path-Tracer in Metal. Die Schwerpunkte liegen aber anders. Habitat steuert über HomeKit und bindet Home Assistant optional ein, um an Verläufe und zusätzliche Geräte zu kommen; daraus entstehen Temperatur-Heatmaps, ein Saugroboter auf der Live-Karte und eine AR-Fernbedienung. Die App läuft zudem auf dem Apple TV.
Vulpo verzichtet auf HomeKit und setzt komplett auf Home Assistant. Dafür bekommt ihr die Apple Watch, Live Activities, Alarmanlage und Energieansicht sowie deutlich mehr Kartentypen fürs klassische Dashboard. Wenn ihr HomeKit als Steuerzentrale behalten und nur eine schönere Oberfläche darüberlegen wollt, passt Habitat besser. Läuft bei euch ohnehin alles über Home Assistant, ist Vulpo die vollständigere Bedienoberfläche.
Lokal, ohne Konto, aber mit Abo
Die App spricht direkt mit eurer Home-Assistant-Instanz, lokal oder über eine Remote-Adresse, und wechselt selbstständig zwischen interner und externer Verbindung; seit dem Update springt eine zweite Serveradresse ein, wenn die erste ausfällt.
Nabu Casa, eigene Domain oder eine direkte URL funktionieren gleichermaßen. Ein Cloud-Relay, eine Middleware oder ein zusätzliches Konto gibt es laut Entwickler nicht, Einstellungen, Dashboards und Raumscans liegen in eurer privaten iCloud. Das Crash-Reporting läuft über Sentry, also über dasselbe Werkzeug, das auch Home Assistant selbst einsetzt, und lässt sich in den Einstellungen komplett abschalten.
KI-Funktionen gibt es ebenfalls, sie sind aber optional: Entitätsvorschläge, automatische Dashboard-Sortierung, Tageszusammenfassungen und Abfragen in natürlicher Sprache lassen sich schon bei der Einrichtung oder später in den Einstellungen deaktivieren. Kritik gab es in den Kommentaren trotzdem: Vulpo ist nicht quelloffen, und für die Extras wird ein Abo fällig. Der Entwickler verweist darauf, dass die Kernfunktionen ohne Limit bei Karten und Dashboards kostenlos bleiben – hinter der Bezahlschranke stehen vor allem Lumen, die Live Activities, unbegrenzte Widgets und die Vulpo-Labs-Funktionen.
Verfügbarkeit und Preis
Vulpo steht im App Store zum kostenlosen Download bereit und setzt iOS, iPadOS, macOS beziehungsweise watchOS 26 voraus. Ältere Systeme unterstützt der Entwickler nicht, eine Android-Version ist nicht geplant. Vulpo Pro kostet rund 6 Euro im Monat oder rund 30 Euro im Jahr; wer die Abrechnung nicht will, zahlt rund 70 Euro einmalig und schaltet damit alle Apple-Plattformen frei. Abos lassen sich per Familienfreigabe teilen. Im deutschen App Store steht die App bei 4,8 von 5 Sternen, allerdings erst auf Basis von fünf Bewertungen.
Dass es die Einmalzahlung überhaupt gibt, rechnen wir dem Entwickler an. Im Smart Home summieren sich die monatlichen Grundgebühren inzwischen schneller, als es uns lieb ist, und gerade bei einer App für ein System, das viele wegen seiner Unabhängigkeit einsetzen, hätte ein reines Abo schlecht gepasst. Wie viel Lumen im Alltag bringt, muss sich über längere Zeit zeigen: Ein hübsch gerenderter Grundriss ist noch keine bessere Bedienung. Der Funktionszuwachs seit dem Sommer spricht immerhin dafür, dass der Entwickler drangeblieben ist.
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