Elgato Eve Thermo im Test: Heizungssteuerung mit HomeKit

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Elgato gehört zu den Apple HomeKit Pionieren: Die Produkte der Elgato Eve-Serie (Zwischenstecker und Klimasensoren) gehörten zu den ersten HomeKit-fähigen Produkten, die hierzulande erhältlich waren. Anfang des Jahres folgte mit dem Elgato Eve Thermo ein HomeKit-fähiges Heizkörperthermostat, das wir uns für diesen Testbericht genauer angesehen haben.

Erster Eindruck und Lieferumfang

Elgato hat dem Thermostat ein zurückhaltendes Design spendiert, das auf dem ersten Blick überzeugt und sich unauffällig in den Wohnraum einfügt. Diese Schlichtheit geht allerdings so weit, dass das Thermostat selber kein Display und keinerlei Einstellungsmöglichkeiten besitzt – für die Steuerung muss also zwingend die App genutzt werden.

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Das Elgato Eve Thermo punktet mit einem schlichten Design.

Im Lieferumfang befinden sich drei Adapter, mit denen das Eve Thermo an gängige Heizkörper montiert werden kann. Für die Stromversorgung werden zwei AA-Batterien benötigt, die ebenfalls mitgeliefert werden. Außerdem liegt dem Paket eine Mini-Bedienungsanleitung bei, in der die ersten Schritte für die Einrichtung des Thermostats aufgezeigt werden.

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Der Lieferumfang des HomeKit-fähigen Heizkörperthermostats.

Einrichtung und Inbetriebnahme

Die Einrichtung des Thermostats erfolgt mit der Elgato Eve App und ist relativ schnell erledigt. Der Prozess wird über den Menüpunkt „Einstellungen“ angestoßen. Anschließend leitet die App Schritt-für-Schritt durch den Prozess. Das Koppeln des Smartphones mit dem Thermostat ist clever gelöst: Es muss lediglich ein Zahlencode fotografiert werden, der auf dem Thermostat klebt.

Elgato Eve Thermo: Smartphone App

Für die Kopplung des Thermostats muss lediglich ein Zahlencode abfotografiert werden.

Unkompliziert ist auch die Montage des Thermostats an der Heizung, zumal die App mit entsprechenden Illustrationen auch durch diesen Prozess führt. Der vorhandene Heizkörper muss hierfür lediglich abgeschraubt und durch das Elgato Eve Thermo ersetzt werden. Je nach Heizkörper kommt zudem einer der mitgelieferten Adapter und ein Schraubenzieher zur Fixierung des Adapterrings zum Einsatz.

Nach einem kurzen Kalibrierungsvorgang ist das Thermostat auch schon Einsatzbereit und kann über die App weiter konfiguriert werden.

Funktionsumfang und Bedienung

Die Smartphone App bietet die wichtigsten Funktionen, um mit einer „intelligenten“ Steuerung des Heizkörperventils die Heizkosten zu senken. Dazu zählt in erster Linie ein Zeitplan, mit dem die Heizung zu den gewünschten Zeiten automatisch auf–, beziehungsweise zugedreht werden kann. Wer beispielsweise während der Woche von 8:00 bis 18:00 Uhr ohnehin nicht Zuhause ist, kann in dieser Zeit die Heiztemperatur absenken, um Kosten einzusparen.

Während uns das Design der Hardware gut gefällt, sind wir von der iOS-App noch nicht so recht überzeugt. Die Oberfläche ist teilweise mit zu vielen Informationen und Einstellungsmöglichkeiten überladen und das Bedienkonzept ist an einigen Stellen nicht intuitiv aufgebaut.

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Zu viele Informationen und Optionen gleichzeitig: Die Oberfläche der App wirkt teilweise überladen.

Wem die aktuelle Version der Elgato Eve App nicht zusagt, kann jedoch zu einer anderen HomeKit-App greifen. Neben diversen HomeKit-Apps von Drittentwicklern ermöglicht natürlich auch die offizielle „Home“-App von Apple die Steuerung der Eve Thermostate – inklusive der Möglichkeit, die gewünschte Heiztemperatur auf der Apple Watch einzustellen.

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Die „Home“-App ermöglicht die Steuerung der Eve-Thermostate mit der Apple Watch.

Fragwürdig finden wir die Entscheidung des Herstellers, auf sämtliche Bedienelemente sowie einem Display zur Temperaturanzeige am Heizkörperventil zu verzichten. Das Thermostat lässt sich also ausschließlich mit einem Apple iPhone/iPad, beziehungsweise Siri oder der Apple Watch steuern. Bewohner, die kein Apple-Gerät besitzen, sind dementsprechend nicht in der Lage, die Heiztemperatur zu verändern. Unpraktisch ist das im Alltag auch dann, wenn man mit einem leeren iPhone-Akku nach Hause kommt. Anstatt kurz die Heizung aufzudrehen, muss in diesem Fall zunächst das Smartphone mit dem Ladekabel verbunden, geladen, entsperrt und die App geöffnet werden. Hier zeigt sich einmal mehr: So komfortabel die Steuerung von Geräten mit dem Smartphone auch ist, kann sie die „klassische“ Steuerung mit dem Schalter doch nicht vollständig ersetzen.

Vermisst haben wir in unserem Test des Elgato Eve Thermo eine Funktion, die bei einem geöffneten Fenster (d.h. bei einem schnellen Temperaturabfall) das Heizungsventil automatisch zudreht, um auf diesem Weg Heizkosten zu sparen. Mit den optional für rund 40 Euro erhältlichen Elgato Eve Door & Window Kontaktsensoren* ließe sich dieses Szenario allerdings umsetzen.

Die Heizung mit Siri steuern

Zu einem wesentlichen Vorteil der HomeKit-Plattform preist Apple den Sprachassistenten Siri an. In unserem Test der Elgato Eve Thermostate gab es mit Siri jedoch einige Verständigungsprobleme. So antwortete Siri auf den (richtig erkannten) Sprachbefehl „Senke die Temperatur im Büro auf 20°C“ mit „Alles klar, Nico. Ich habe Eve Thermo auf 5,5°C gestellt.“ – was uns dann doch etwas zu kalt war. Beim nächsten Versuch verweigerte Siri  ganz den Dienst („Das geht leider nicht.“), beim dritten Anlauf schließlich wurde der Befehl richtig interpretiert und umgesetzt.

Bei den nächsten Versuchen hatten wir zwar meistens mehr Glück, insgesamt drängt sich aber der Eindruck auf, dass Siri in einigen Bereichen die Intelligenz vermissen lässt, die für eine unkomplizierte Sprachsteuerung im Alltag notwendig wäre: Während die Eingabe „Stelle die Temperatur im Büro auf 21°C“ (meistens) richtig interpretiert wird, antwortet Siri auf den Befehl „Stelle die Heizung im Büro auf 21°C“ regelmäßig mit „Das geht leider nicht“. Es bleibt zu hoffen, dass Apple hier mit Updates nachbessert.

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Auf Kriegsfuß mit Siri: Die Sprachsteuerung des Eve Thermo funktionierte in unserem Test noch nicht zuverlässig.

Apple TV oder iPad als HomeKit-Zentrale: Die Heizung von unterwegs steuern

Während die gängigen Smart Home-Systeme und -Standards wie Magenta SmartHome oder Z-Wave eigenständige Zentralen benötigen, kann bei der HomeKit-Plattform ein Apple TV oder ein iPad als Basisstation genutzt werden, um die Geräte von unterwegs zu steuern. Für die Einrichtung der Geräte als Steuerzentrale sind folgende Schritte notwendig.

iPad als HomeKit-Steuerzentrale einrichten

  1. Auf dem iPad in den „Einstellungen“ > „iCloud“ auswählen
  2. Bei Bedarf mit der Apple-ID anmelden
  3. Sicherstellen, dass der iCloud-Schlüsselbund und „Home“ aktiviert werden.
  4. Anschließend in den „Einstellungen“ > „Home“ die Option „Dieses iPad als Steuerzentrale benutzen“ aktivieren.

Apple TV als HomeKit-Steuerzentrale einrichten

Auf einem iPhone oder iPad die Zwei-Faktor-Authentifizierung für die Apple-ID einrichten. Anschließend in den iCloud-Optionen sicherstellen, dass der iCloud-Schlüsselbund aktiviert ist.

  1. Auf dem Apple TV in den „Einstellungen“ > „Accounts“ sicherstellen, dass für die iCloud-Anmeldung die gleiche Apple-ID wie auf dem iPhone/iPad genutzt wird.
  2. Sobald ihr auf iCloud angemeldet seid, wird das Apple TV automatisch als Steuerzentrale eingerichtet. Um den Status der Steuerzentrale zu überprüfen, wählt ihr in den „Einstellungen“ > „Accounts“ > „iCloud“ und prüft unter „HomeKit“, ob die Steuerzentrale verbunden ist.
  3. Alternativ könnt ihr den Status der Steuerzentrale auch in der Home-App auf dem iOS-Gerät überprüfen. Dafür einfach die Home-App öffnen und oben links auf das Pfeilsymbol tippen. Unter „Steuerzentralen“ wird angezeigt, ob die Zentrale verbunden ist.
In unserem Test haben wir einen Apple TV (4. Generation) als HomeKit-Zentrale eingerichtet und konnten anschließend das Elgato Eve Thermo auch unterwegs steuern. Dabei zeigte sich allerdings eine grundsätzliche Schwäche des Systems: Das zu steuernde Gerät muss sich in Bluetooth-Reichweite der Zentrale befinden, damit es auch von unterwegs erreicht werden kann.
Diese Einschränkung hat in unserem Fall dazu geführt, dass wir das Eve Thermo im Wohnzimmer (dort befindet sich das Apple TV) auch über das Apple TV als Zentrale steuern konnten, während das Thermostat im Schlafzimmer nicht innerhalb der Bluetooth-Reichweite lag und dementsprechend kein Fernzugriff über das Apple TV möglich war. Je nach Größe der Wohnung, beziehungsweise des Hauses, ist also kein Fernzugriff auf das Thermostat möglich.

 

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile von Elgato Eve Thermo

  • Einfache Montage
  • Unkomplizierte Einrichtung
  • HomeKit-Anbindung
  • Zuverlässige Steuerung über die App
  • Einrichtung von Zeitplänen möglich
  • Ansprechendes, dezentes Design
  • Es wird keine zusätzliche Steuerungszentrale benötigt (Apple TV kann als Zentrale genutzt werden)

Nachteile von Elgato Eve Thermo

  • Hoher Preis von rund 70 Euro pro Thermostat
  • Keine Steuerung direkt am Thermostat möglich (ausschließlich über App)
  • Kein Display am Thermostat (Temperatur wird ausschließlich in der App dargestellt)
  • Steuerung mittels Siri ist zum Teil noch unausgereift
  • Keine Erkennung von offenen Fenstern („Lüftungserkennung“)
  • Smartphone-App zum Teil unübersichtlich
  • Unter Umständen kein Fernzugriff möglich, wenn Gerät zu weit von Apple TV/iPad entfernt ist

Elgato Eve Thermo im Test: Unser Fazit

Das Elgato Eve Thermo konnte uns in unserem Test (noch) nicht überzeugen. Der zentrale Kritikpunkt ist das Fehlen von Bedienelementen direkt am Thermostat: Die Heizung kann mit dem Eve Thermo ausschließlich mit einem iOS-Gerät (iPhone oder iPad) gesteuert werden. Ist das iPhone nicht zur Hand, außerhalb der Bluetooth-Reichweite oder der Akku gerade leer, kann die Heiztemperatur nicht geändert werden.

Der Fernzugriff (Apple TV oder iPad als Zentrale) funktioniert grundsätzlich zuverlässig, setzt aber wiederum voraus, dass sich die Zentrale in Bluetooth-Reichweite des Thermostats befindet. Hinzu kommt, dass auch die Sprachsteuerung mittels Siri in unserem Test noch nicht reibungslos funktioniert hat.

Mit Blick auf diese Einschränkungen und den relativ hohen Preis von rund 70 Euro können wir aktuell keine Kaufempfehlung für das HomeKit-Thermostat aussprechen.

Wir werden die Entwicklung der Eve Reihe und der HomeKit-Plattform weiterhin verfolgen und eüber Updates berichten, beziehungsweise diesen Testbericht aktualisieren. Mit unserem Smart Home-Newsletter informieren wir euch einmal pro Monat über die wichtigsten Neuigkeiten.

Das Elgato Eve Thermo ist für rund 70 Euro im Handel, zum Beispiel bei Amazon*, erhältlich. Weitere Informationen über das Elgato Eve System findet ihr auf der Website des Herstellers.

Alternativen

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Elgato Eve Thermo im Test

6.6 Geht so

Das Eve Thermo kann mit einer unkomplizierten Einrichtung und einem ansprechenden Design punkten. Apples HomeKit-Plattform macht aber aktuell noch einen teilweise unausgereiften Eindruck und die Bedienung ausschließlich via App hat sich im Alltag als teilweise unpraktisch herausgestellt.

  • Einrichtung 10
  • Bedienung 4
  • Design & Verarbeitung 10
  • Funktionsumfang 5
  • Preis-Leistung 4
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8 Kommentare

  1. Ist es sicher, dass Homekit nur Bluetooth verwendet? Soweit ich es verstanden habe ich auch Wifi möglich, wird aber von den wenigsten Geräten aktuell unterstützt… Zumindest die Parce One Steckdose war WiFi only und homekit kompatibel.

    • Hey Steffen, Du hast natürlich völlig recht – Danke für den Hinweis, wir werden den Artikel entsprechend anpassen.

    • Vielen Dank für den Hinweis, Kai. Gemeint war eine automatische Lüftungserkennung bei einem schnellen Temperaturabfall. Diese Funktion wird von diversen elektronischen Heizkörperthermostaten unterstützt.

      Mit den Tür/Fenstersensoren lässt sich ein entsprechendes Szenario in der Tat (wenn auch nicht „out of the box“) einrichten. Wir haben diesen Hinweis im Artikel ergänzt.

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