Deutschland geht mit halb leeren Gasspeichern in den Winter. Mitte August 2026 waren die Speicher erst zu rund 50 Prozent gefüllt, ein Jahr zuvor waren es noch etwa 67 Prozent; der EU-Schnitt liegt bei rund 61 Prozent. Das gesetzliche Ziel wurde 2025 von 90 auf 80 Prozent zum 1. November abgesenkt. Selbst diese entschärfte Vorgabe halten die Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) inzwischen für kaum erreichbar.

Verantwortlich ist auch die Politik. Über den Sommer, in dem die Händler üblicherweise günstig für den Winter einlagern, floss zu wenig Gas in die Speicher, weil die Preise schon in der warmen Jahreszeit hoch standen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nennt die Lage „sehr niedrig“ und erklärt die Versorgungssicherheit zur „obersten Priorität“. Kritikern kommt dieses Eingeständnis reichlich spät. Die Rechnung für die dünnen Reserven dürfte am Ende bei euch zu Hause landen.

Warum Heizen diesen Winter richtig teuer werden kann

Die niedrigen Speicher treffen auf einen angespannten Weltmarkt. Durch die Sperrung der Straße von Hormus im Zuge des Nahost-Konflikts fiel Schätzungen zufolge zeitweise rund ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels aus, darunter Lieferungen aus Katar. Der europäische Gas-Referenzpreis TTF kletterte im August auf über 64 Euro je Megawattstunde und damit auf den höchsten Stand seit dem Frühjahr. Volle Speicher wären jetzt der Puffer, der solche Engpässe abfedert. Dieser Puffer fehlt gerade.

Für die Großhandelspreise im Winter kursieren Prognosen von 80 bis 100 Euro je Megawattstunde, also grob eine Verdreifachung gegenüber dem Jahresanfang. Für Haushalte liegt der Gaspreis derzeit bei rund 11 Cent pro Kilowattstunde, hinzu kommt ein steigender CO₂-Aufschlag. Wie stark es am Ende für euch wird, hängt von Speicherständen, Wetter, der Nachfrage aus Asien und der Lage im Nahen Osten ab. Wer jetzt an seiner Heizung ansetzt, hat im Frühjahr aber die niedrigere Abrechnung. Vieles davon lässt sich mit überschaubarem Aufwand und smarter Technik auffangen.

Der schnellste Hebel: jetzt den Gastarif wechseln

Bevor ihr zum Schraubenzieher greift, lohnt der Blick auf euren Tarif. Wer noch in der teuren Grundversorgung steckt oder einen alten Vertrag laufen hat, spart mit einem Wechsel oft am schnellsten und ohne einen Cent zu investieren. Über Vergleichsportale wie Verivox* oder Check24 seht ihr in wenigen Minuten, welche Anbieter in eurer Region liefern und was sie kosten.

Gerade jetzt zählt das Timing. Ziehen die Großhandelspreise über den Winter wie erwartet an, folgen die Endkundentarife mit Verzögerung. Ein Tarif mit längerer Preisgarantie friert euren Arbeitspreis ein, bevor die nächste Erhöhung kommt. Wichtig sind eine Preisgarantie über die gesamte Laufzeit und ein kritischer Blick auf die Kundenbewertungen des jeweiligen Anbieters.

Smarte Thermostate: das größte Sparpotenzial

Der wirksamste Einzelschritt sind smarte Heizkörperthermostate. Sie regeln raumweise nach Zeitplan und Anwesenheit, statt die Wohnung rund um die Uhr auf Wohlfühltemperatur zu halten. Studien und Praxiswerte zeigen ein Einsparpotenzial von 14 bis 26 Prozent der Heizkosten. In einer 70-Quadratmeter-Wohnung sind das je nach Verbrauch rund 165 bis 305 Euro pro Jahr, im Einfamilienhaus mit 130 Quadratmetern rund 285 bis 530 Euro.

Der größte Effekt entsteht durch das automatische Absenken: nachts, während der Arbeit oder wenn niemand zu Hause ist. Als Faustregel spart schon ein Grad weniger Raumtemperatur etwa 6 Prozent Heizenergie. Wer das nicht per Hand nachhalten will, überlässt es dem Zeitplan, der die Temperatur automatisch wieder anhebt, bevor ihr aufwacht oder heimkommt.

Bei der Technik lohnt der Blick aufs Gesamtsystem. Thermostate mit Zigbee oder einer Anbindung an Systeme wie Home Assistant, Samsung SmartThings, Homey oder Matter lassen sich zentral steuern und in Automationen einbinden.

Verbreitete Modelle kommen etwa von Tado, AVM (Fritz DECT), Netatmo, Homematic IP oder Bosch, im Zigbee-Lager von Aqara und Sonoff. Wichtig ist ein Modell, das zu euren Heizkörperventilen passt und im Betrieb leise arbeitet.

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Fensterkontakte und richtiges Lüften

Sobald ein Fenster offen steht, sollte die Heizung im Raum herunterfahren. Fenster- und Türkontakte melden das Öffnen und schalten das Thermostat automatisch ab. Statt gegen die kalte Luft anzuheizen, pausiert die Heizung und läuft erst wieder an, wenn das Fenster geschlossen ist. In Kombination mit richtigem Lüften bringt das noch einmal rund 10 bis 15 Prozent Ersparnis.

Richtig lüften heißt: mehrmals täglich fünf bis zehn Minuten Stoßlüften mit weit geöffnetem Fenster, statt das Fenster dauerhaft auf Kipp zu stellen. Dauerkipp kühlt die Wände aus und kostet über den Winter deutlich mehr Energie, als die meisten vermuten.

Zonen, Zeitpläne und Anwesenheit

Nicht jeder Raum braucht die gleiche Temperatur. Fürs Wohnzimmer sind rund 20 bis 21 Grad üblich, fürs Schlafzimmer reichen 18 Grad. Wenig genutzte Räume dürfen kühler bleiben. Ein smartes System bildet solche Zonen ab und fährt jeden Raum nach eigenem Zeitplan.

Noch einen Schritt weiter geht die Anwesenheitssteuerung per Geofencing: Verlässt das letzte Smartphone die Wohnung, senkt das System die Temperatur ab; nähert ihr euch wieder, heizt es rechtzeitig vor. So heizt ihr nur dann, wenn wirklich jemand da ist, und kommt trotzdem nicht in kalte Räume zurück.

Achtet aber darauf, dass die Räume nicht zu stark auskühlen, da sich andernfalls Schimmel bilden kann. Unter 18 Grad sollte die Temperatur dauerhaft nicht sinken.

Die Basis nicht vergessen: Abgleich, Dämmung, freie Heizkörper

Smarte Technik entfaltet ihre Wirkung nur auf einer soliden Grundlage. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht. Das bringt je nach Anlage 5 bis 15 Prozent zusätzliche Ersparnis und ist die Voraussetzung dafür, dass smarte Thermostate sauber regeln. Freiliegende Heizungsrohre lassen sich mit Dämmschläuchen isolieren und sparen bis zu 5 Prozent. Und ganz banal: Heizkörper sollten frei stehen, nicht hinter Sofa oder Vorhang verschwinden, damit die Wärme in den Raum gelangt.

Split-Klimaanlage als Heizung: Gas gezielt umgehen

Wer sich in der Hitzewelle dieses Sommers eine Split-Klimaanlage zugelegt hat, besitzt bereits eine der wirksamsten Sparmaßnahmen gegen teures Gas. Vielen ist das nur nicht bewusst. Eine Split-Klimaanlage ist technisch eine Luft-Luft-Wärmepumpe und kann im Winter genauso heizen, wie sie im Sommer kühlt. Und das oft günstiger als die Gasheizung.

Das liegt an der Effizienz. Eine Split-Anlage verbrennt keinen Brennstoff, sie verschiebt vorhandene Wärme aus der Außenluft nach innen und braucht dafür nur Strom für den Kompressor. Ausgedrückt wird das über den SCOP-Wert. Ein SCOP von 5,15 bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom rund 5,15 Kilowattstunden Heizwärme werden; gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 3,8. Daraus ergibt sich der Kostenvorteil.

Split-Klimaanlage als Alternative zur Wärmepumpe
Eine Split-Klimaanlage kann im Winter zum Heizen genutzt werden.

Ein Rechenbeispiel: Bei einem Strompreis von rund 37 Cent pro Kilowattstunde und einem realistischen Arbeitswert von etwa 4 in der Übergangszeit kostet euch eine Kilowattstunde Heizwärme rund 9 Cent. Eine moderne Gasheizung kommt bei einem Gaspreis von rund 11 Cent pro Kilowattstunde auf gut 11 bis 12 Cent je Kilowattstunde Wärme. Mit einem günstigeren Wärmepumpen- oder dynamischen Stromtarif fällt der Wärmepreis noch niedriger aus. Der Abstand wächst, je teurer das Gas wird, und danach sieht es diesen Winter aus. In der Praxis berichten Nutzer von rund 30 Prozent weniger Gasverbrauch, wenn sie in der Übergangszeit auf die Split-Anlage setzen; der Stromverbrauch steigt im Gegenzug entsprechend.

Wir heizen inzwischen selbst drei Räume mit Split-Klimageräten und haben die Gaskosten damit um rund 20 Prozent gedrückt. Den zusätzlichen Strombedarf fangen wir zumindest teilweise über unsere Dach-PV und einen kleinen Speicher ab, sodass ein Teil der Heizwärme faktisch vom eigenen Dach kommt.

Am meisten holt ihr in der Übergangszeit heraus, also an milden Herbst- und Frühwintertagen. Dann arbeitet die Anlage besonders effizient, und ihr könnt die Gasheizung schlicht ausgeschaltet lassen. Bei strengem Frost sinkt der Wirkungsgrad, und der Preisvorteil gegenüber Gas wird kleiner. Hier bleibt die klassische Heizung im Spiel.

Ganz ohne Haken ist das nicht. Jeder Raum, den ihr so heizen wollt, braucht ein eigenes Innengerät, Warmwasser macht die Anlage nicht, und im Betrieb ist ein leises Ventilatorrauschen hörbar. Als Ergänzung zur Gasheizung ist sie damit stark, als vollständiger Ersatz nur in gut gedämmten Wohnungen. Wie ihr eine Split-Klimaanlage als günstige Wärmepumpen-Alternative einsetzt, worauf ihr beim SCOP-Wert achten müsst und was die Installation kostet, lest ihr in unserem ausführlichen Beitrag: Wärmepumpe-Alternative Split-Klimaanlage.

Was sich jetzt lohnt

Der schnellste Schritt kostet nichts: Vergleicht euren Gastarif mit Portalen wie Verivox* und wechselt, solange die Preise noch nicht durch die Decke gegangen sind.

Danach die Basis richten: hydraulischer Abgleich, freie Heizkörper, gedämmte Rohre. Darauf kommen smarte Thermostate mit Zeitplänen, Zonen und Fensterkontakten, der größte Hebel für kleines Geld.

Und wenn eine Split-Klimaanlage vorhanden ist, nutzt sie in der Übergangszeit zum Heizen, statt die Gasheizung anzuwerfen. Gegen leere Speicher und die Lage am Weltmarkt könnt ihr zu Hause nichts ausrichten. Zusammen federn diese Schritte aber einen guten Teil dessen ab, was diesen Winter auf die Gasrechnung zukommt.

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    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.