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Seit etwas mehr als einem Jahr steuert bei uns Tado* die Heizung – jetzt wird es Zeit über unsere Erfahrungen im Alltag zu berichten. Wer Tado noch nicht kennt, findet unseren Bericht zur Funktionsweise und einen ersten Test an dieser Stelle.

Doch zunächst einmal zurück zur Ausgangslage. Unser Haus (130qm Doppelhaushälfte) wurde 2010 gebaut. Die Außenwände bestehen aus Hochlochziegeln, die Fenster sind doppelt verglast. Insgesamt ist das Haus also relativ gut gedämmt. Geheizt wird mit Gas über eine Therme (Buderus Logamax) und Fußbodenheizung – Warmwasser wird ausschließlich durch die Therme bereitgestellt. Der Verbrauch (inkl. Warmwasser) lag in den letzten Jahren bei ca. 11.060 bis ca. 13.160 kWh, wobei der Abrechnungszeitraum unterschiedlich war.  Im Februar 2014 haben wir Tado installiert.

Ausgangslage

Die Heizung wurde bisher durch die Außentemperatur geführt, ein Raumthermostat mit Verbindung zur Heizung (Referenzraum) gab es nicht, jedoch sind in jedem Raum Zimmerthermostate installiert, die dann die Ventile der Fußbodenheizung im jeweiligen Raum öffnen oder schließen können. Das war soweit „ok“, so richtig zufrieden waren wir damit aber nicht – Mal war es eigentlich zu warm, dann wieder etwas zu kalt. Klar, man kann das durch eine Änderung der Heizkurve und Zeiten sicherlich noch etwas optimieren (mehrfach geschehen), aber es geht ja vielleicht bei einer „direkteren“ Steuerung der Heizung insgesamt besser.

Bild Tado Temperatursensor
Tado Temperatursensor (1. Generation)

Würde man ein Thermostat mit Verbindung zur Heizung installieren, müsste (zumindest in diesem Raum) die eingestellte Temperatur stimmen. Diese Lösung gibt es natürlich nicht erst seit Tado – man kann einfach einen Raum als „Referenzraum“ nutzen und dort ein Thermostat installieren, das eine Kabelverbindung zur Heizung hat. Diese Lösung hat drei Haken:

  1. Die Heizung heizt auch wenn niemand zu Hause ist (unnötiger Gasverbrauch)
  2. Nur weil die Temperatur im Referenzraum stimmt, heißt das ja nicht, dass sie in allen Räumen stimmt.
  3. Die Kabelverbindung vom Referenzraum zur Heizung muss eventuell erst noch geschaffen werden

Um es gleich vorweg zu sagen: 1) und 3) kann tado besser, 2) kann Tado nicht besser – was wenig überraschend ist, da Tado nun Mal ebenfalls auf eine Referenzraum-Messung setzt (Nachtrag 11/2016: Mittlerweile ermöglicht Tado eine Einzelraumsteuerung).

Erfahrungen im Alltag

Das System von Tado besteht ja aus mehreren Teilen. Direkt an die Heizung wird die Tado-Box angeschlossen, oder bei der neuen (und noch aktuellen) Tado-Generation je nach Ausgangssituation das „Extension Kit“, das eine Funk-Verbindung zum Tado-Thermostat hält, das dann wiederum im Referenzraum platziert wird. Die eigentliche „Intelligenz“ der Steuerung liegt jedoch auf den Servern bei Tado, die Informationen von der App  auf dem Smartphone des Nutzers erhalten – also die gewünschten Einstellungen und ob der Nutzer zu Hause ist oder nicht und sendet so die Befehle an die Tado-Box an der Heizung.

Nachdem die drahtlose Kommunikation zwischen den Geräten von Tado über zwei Etagen hinweg anfangs problemlos funktionierte, sind plötzlich zeitweise massive Verbindungsprobleme aufgetreten, die wir nur durch eine Verlegung des Tado Gateways (hält die Verbindung ins Internet und zur Tado-Box in der ersten Tado-Generation) in einen anderen Raum beheben konnten. Seitdem sind alle Verbindungen, bis auf ganz wenige kurze „Aussetzer“, stabil.

Die in einigen Foren und Rezensionen beschriebenen Probleme mit der App von Tado konnten wir auf verschiedenen Geräten nicht nachvollziehen. Die Einstellung der Temperaturen war tatsächlich bis zum letzten Update der App etwas fummelig, aber machbar (man fummelt ja nicht dauernd daran herum). Mit dem letzten Update ist nicht nur die Einstellung der Temperatur deutlich verbessert worden, sondern man kann nun beliebig viele Schaltpunkte und Temperaturen einstellen. Möchte man es nun am Morgen etwas wärmer als am Abend haben, so kann man dies nun einstellen.

Auch die Mindest-Temperatur, die eingestellt werden soll, wenn man abwesend ist, kann nun optional eingestellt werden. Bisher wurde die Temperatur von Tado vollständig automatisch abhängig von der aktuellen Entfernung des Nutzers zum eigenen Haus eingestellt. Wenn man also sehr weit weg im Urlaub war, wurde die Temperatur durchaus auf 16°C heruntergeregelt – wer Haustiere hat oder aus anderen Gründen nicht wollte, dass das Haus so kalt wird, konnte nur über den Umweg der „manuellen Steuerung“ die Temperatur doch wieder anheben und „fixieren“. Diese Temperatur wurde dann jedoch auch in der Nacht gehalten.

 

Dadurch, dass die Heizung / Tado nun die erreichte Temperatur im Raum kennt, haben wir das oben beschriebene Problem (überall zu warm / zu kalt) nicht mehr. Dafür haben wir nun, nicht ganz überraschend, manchmal das Problem der Referenzraum-Messung. Es ist also im Referenzraum und im restlichen Haus warm, im Bad aber zu kalt, da dort vielleicht gerade gelüftet wurde. Durch die sehr träge Fußbodenheizung und der Rest-Wärme im Boden hält sich dieses Problem in unserem Fall aber in Grenzen. Der Raum wird durch den „noch warmen“ Fußboden dann doch wieder etwas aufgeheizt.

Durch die Gebäudedämmung wird auch die Zieltemperatur für die Nacht nie erreicht (es ist in der Nacht immer sehr viel wärmer), da die Temperatur nur sehr langsam sinkt – auch wenn die Heizung komplett abgeschaltet ist. Dafür kann Tado natürlich nichts.

Wir hatten den Temperaturfühler von Tado anfangs im Wohnzimmer platziert (also Wohnzimmer als Referenzraum), was sich aber über die Zeit in diesem Fall als ungünstig herausgestellt hat. Das Wohnzimmer hat einen anderen Fußbodenbelag als zum Beispiel der Flur und wurde so sehr viel langsamer warm als alle anderen Räume (oder bei Sonneneinstrahlung dann zu schnell). Hier wurde der Nachteil der Referenzraum-Steuerung dann richtig deutlich: Das Wohnzimmer war noch kühl, während der Flur (Fliesen) und andere Räume schon fast zu warm waren. Nun hängt der Tado-Fühler im Arbeitszimmer, was durch den Fußbodenbelag, der Lage im Haus und der immer offenen Türe besser als Referenzraum herhalten kann.

Insgesamt scheint Tado etwas besser für Häuser geeignet zu sein, die nicht über eine träge Fußbodenheizung geheizt werden sondern über normale Heizkörper. Bis die Räume am Morgen die eingestellte Temperatur über die Fußbodenheizung tatsächlich exakt erreicht haben, ist es oft schon zu spät, da wir vorher das Haus schon verlassen und Tado dann in den Abwesenheitsmodus schaltet. Tado startet also mit dem Heizen etwas zu spät. Das lässt sich verbessern, indem man die Vorlauftemperatur in der Heizung etwas erhöht und/oder die „Aufwachzeit“ noch früher einstellt – dabei steigt dann natürlich auch wieder der Gasverbrauch. Im Alltag wirkt sich dieses Problem bei uns allerdings kaum aus, da die Temperatur grob stimmt – zumindest besser als früher ohne Tado.

Abwesenheitserkennung

Die Erkennung der Abwesenheit durch die Tado-App funktioniert in der Praxis bei uns gut – sowohl auf verschiedenen Android-Telefon als auch auf einem iPhone. Das Prinzip von Tado sieht vor, das jeder, der im Haus oder in der Wohnung wohnt, ein Smartphone hat, auf dem die Tado-App installiert und aktiviert ist. Um vernünftig funktionieren zu können, muss im Gerät die Positionsbestimmung aktiviert sein – entweder per GPS oder (bei Android) zumindest per Mobilfunk/WLAN-Ortung. Tado braucht auf dem iPhone 6 dafür etwa 1% der Akkuladung (7 Tage Durchschnitt).

Falls ein Bewohner kein Smartphone nutzt, kann als Notbehelf unabhängig von der Anwesenheitserkennung ein Zeitplan hinterlegt werden. Nachteil: Kommt die Person doch mal früher nach Hause, könnte das Haus noch kalt sein. Für Partner die abwechselnd im Schichtbetrieb arbeiten, ist die Einsparung durch Tado wahrscheinlich eher sehr gering oder nicht vorhanden. Wenn immer abwechselnd jemand zu Hause ist, kann Tado schließlich kaum oder gar nicht in den Abwesenheitsmodus schalten.

Ersparnis durch Tado

Wie oben erwähnt, lag der Gasverbrauch ohne Tado im Abrechnungszeitraum in den letzten Jahren zwischen ca. 11.000 und 13.000 kWh.
2014, als wir Tado installiert haben, war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, was nun einen Vergleich schwierig macht. Auch die unterschiedliche Anzahl der abgerechneten Tage und Zeiträume von Jahr zu Jahr erschweren einen Vergleich nur anhand der Gasrechnungen.

Wir haben deshalb wöchentlich den Gasverbrauch dokumentiert und haben daher einen genaueren monatlichen Überblick, unabhängig vom Abrechnungszeitraum des Gasversorgers. Im Zeitraum Anfang Februar 2014 bis Ende Januar 2015 (also genau ein vollständiges Jahr mit Tado) haben wir ca. 23% weniger Gas verbraucht als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Nun war das Jahr 2014 insgesamt wärmer als 2013 – Tado musste also etwas weniger heizen. Die 23% Ersparnis liegt also nicht nur an Tado, sondern ein großer Teil wird auch durch die wärmeren Temperaturen eingespart worden sein.

Im Jahr mit Tado haben wir also weniger Gas verbraucht als im Vorjahr – welchen Anteil nun Tado daran hat ist schwer zu ermitteln. Deshalb haben wir unsere Nachbarn gefragt – einen besseren Vergleich (gleiches Haus, gleiche Heizung) kann man ja nicht haben – abgesehen vom eventuell unterschiedlichen Heizverhalten. Unsere Nachbarn haben im gleichen Abrechnungszeitraum ca. 13.000 kWh verbraucht – wir 11.390 kWh, also ca. 14% weniger. Dies entspricht gerade so den vom Fraunhofer Institut für Bauphysik gemessenen Wert (14% bis 26% weniger Heizenergiebedarf).

Fazit: Für wen ist Tado empfehlenswert?

Neben der Einsparung von rund 14% beim Energiebedarf hat uns Tado in erster Linie mehr Komfort gebracht. So wird die gewünschte Raumtemperatur nun eher erreicht als noch zu Zeiten ohne Tado. Auch die Möglichkeit, die Heizung vom Smartphone unterwegs aus einstellen zu können, ist sehr praktisch – was bei Tado aber so gut wie nicht notwendig ist, da die Steuerung automatisch läuft. Andere Systeme zur Heizungssteuerung bieten ebenfalls die Steuerung per App an – allerdings dann in der Regel nur durch starre Zeitpläne und ohne Berücksichtigung der Wettervorhersage und der Entfernung des Nutzers, so wie es bei Tado der Fall ist.

Die Referenzraummessung ist aus unserer Sicht die größte Schwachstelle des Systems. Würde es eine Möglichkeit geben, einzelne Räume zu steuern – also zum Beispiel nur das Badezimmer nach dem Lüften zu heizen, wäre der größte Nachteil des Systems gegenüber anderen Systemen ausgeräumt (die natürlich auch ihre Nachteile haben). Denkbar wären sicherlich Tado-Raumthermostate, die eine Funkverbindung zur Tado-Box haben und so (wie heute die alten Thermostate) in jedem Zimmer direkt die Stellmotoren der Fußbodenheizung schalten können. So hätte man eine Einzelraum-Steuerung mit den Tado-Features.

[Nachtrag 11/2016: Mittlerweile ermöglicht Tado eine Einzelraumsteuerung bei Fußbodenheizung oder Heizkörpern]

Tado kostet mit Extension-Kit knapp 350 Euro (Kaufpreis, kann auch gemietet werden) – damit wird die Heizung im ganzen Haus gesteuert. Würde man jeden Heizkörper im Haus zum Beispiel mit einem Xavax-MAX! Thermostat ausstatten, würden die Kosten in unserem Fall (wenn wir Heizkörper hätten) insgesamt bei ca. 320€ liegen. Damit hätte man dann zwar eine Einzelraum-Steuerung, aber nicht die Tado-Features – abgesehen davon, dass es diese Thermostate aktuell nur für Heizkörper gibt und nicht für Fußbodenheizungen.

Wir empfehlen Tado für Hausbesitzer (oder Mieter), die ihre Heizung per Smartphone steuern wollen und bei denen alle Hausbewohner ein Smartphone besitzen. Je nach Abwesenheitsdauer der Bewohner, der Gebäudeart, der Heizung und des Heizverhaltens ist der Spar-Effekt durch Tado größer oder kleiner. Wer unsicher ist, ob er Tado nutzen soll oder nicht, sollte das System mieten. Der Installationsaufwand ist sehr gering – somit lässt sich das System auch wieder einfach entfernen und zurückgeben, wenn man unzufrieden ist.

Weitere Informationen über Tado findet Ihr in unserem Tado-Testbericht und auf der Herstellerwebsite*.

Anzeige / Letzte Aktualisierung am 25.05.2019 um 20:20 Uhr / Affiliate Links* / Bilder: Amazon

 

Author

Martin berichtet seit 2013 über Smart Home-Themen und ist Mitherausgeber von Housecontrollers.de.

4 Kommentare

  1. hallo,

    hm, ich kann die Rechnung nicht ganz nachvollziehen.

    ihr schreibt, dass das Testobjekt im schnitt zw. 11.000 und 13.000 KWh in den letzten jahren verbraucht hat. ausserdem sagt ihr, dass 2014 das wärmste Jahr war. Dann müsste der verbrauch tendenziell sowieso bei den 11.000 KWh anzusiedeln sein, oder? Die nachbar als referenzwert anzugeben kommt doch einer Milchmädchenrechnung gleich. hierzu müsste man denselben vergleich wie oben heranziehen -sprich, was haben die in den letzten referenzjahren verbraucht.

  2. Hallo,
    wir hatten ja geschrieben, dass ein Vergleich sehr schwierig ist. In den letzten Jahren wurden die Einstellungen an der Heizung relativ häufig geändert und die Außentemperaturen waren natürlich unterschiedlich – ein Vergleich der Vorjahre bringt so kaum etwas. Daher erschien uns der Vergleich des „Tado-Jahres“ mit den Nachbarn noch der sinnvollste Vergleich.

  3. Hallo ,
    Danke für die ausführliche Berichterstattung.
    Wenn es euch nachts nicht schnell genug absenkt lässt die Temperatur im Reverenzen Raum 2-3 Stunden vor der eigentlichen nachtabsenkung schwingen .
    LG willi

  4. Tado hier, Tado da. Ich musste aber feststellen, dass es bessere und billigere Alternativen gibt. Wollte nicht so viel für Tado ausgeben und hab mir deshalb das Starter Kit von eCozy gekauft und bin insgesamt sehr zufrieden. Zumindest bis jetzt :)

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