Lange Zeit habe ich einen Amazon Fire TV Cube als Streaming-Playerver wendet. Der kleine Würfel war schnell, die Sprachsteuerung via Alexa funktionierte tadellos, und die Integration in das Heimkino war vorbildlich. Doch in den letzten Monaten hat sich meine Begeisterung in pures Genervtsein verwandelt. Der Grund ist simpel, aber schwerwiegend: Amazon hat die Benutzeroberfläche meiner teuer bezahlten Hardware in eine blinkende, lärmende Werbetafel verwandelt.
Deshalb habe ich jetzt den Stecker gezogen. Der Cube fliegt raus, das Apple TV 4K zieht ein. Und das ist erst der Anfang.
Die schleichende Übernahme durch Werbung
Wer heute seinen Fire TV einschaltet, landet nicht mehr in einer übersichtlichen Mediathek. Man landet auf einem Marktplatz. Noch bevor ich überhaupt eine App auswählen kann, werde ich mit Bannern für Autos, Versicherungen oder Filme, die ich nicht sehen will, bombardiert.
Amazon versteht den Startbildschirm als Fläche für Anzeigenkunden und ordnet die Benutzererfahrung klar den monetären Zielen unter. Ich möchte aber keine digitale Litfaßsäule in den eigenen vier Wänden haben. Wenn ich den Fernseher einschalte, will ich Unterhaltung suchen, nicht Konsum aufgezwungen bekommen.
Fehlende Transparenz und keine Kontrolle
Besonders sauer stößt mir dabei die Art und Weise auf, wie Amazon hier vorgeht. Werfen wir einen Blick auf die Produktseiten des Fire TV Cube oder der Sticks: Findet man dort einen Hinweis darauf, dass das Gerät als Ausspielweg für aggressive Werbeanzeigen dient? Nein.
Der Kunde kauft Hardware zum Vollpreis – beim Cube immerhin rund 160 Euro UVP – und wird dennoch behandelt, als nutze er ein werbefinanziertes Gratis-Produkt. Noch dreister ist der Mangel an Kontrolle: Es gibt bis heute keinen einfachen Schalter, um diese „Empfehlungen“ (ein Euphemismus für Werbung) dauerhaft und vollständig vom Startbildschirm zu verbannen. Man ist der Zwangsbeglückung ausgeliefert.
Der Domino-Effekt: Tschüss Echo, hallo HomePod
Dieser Schritt zieht Konsequenzen für mein gesamtes Setup nach sich. Wie ich bereits in einem vorherigen Kommentar geschrieben haben, leiden die Echo-Geräte mit Display (Echo Show) unter demselben Syndrom. Auch hier weichen nützliche Informationen wie Wetter oder Kalender immer öfter Werbeeinblendungen für Tütensuppen oder Blockbuster-Filmen.
Damit nicht genug: Selbst bei den Echo-Speaker ohne Display testet Amazon offenbar Werbeformate, die nach einem Dialog mit Alexa aus dem Lautsprecher plärren – zumindest wurden einige Anwender mit neuer Audiowerbung beglückt. Laut Amazon handelt es sich dabei zwar um eine Fehlfunktion, die wieder deaktiviert wurde – wirklich glaubwürdig ist das angesichts der bisherigen Entwicklung aber nicht.
Daher ist der Wechsel zum Apple TV nur der erste Schritt. Perspektivisch werden auch die Echos weichen und durch Apple HomePods ersetzt. Das Ökosystem soll einheitlich bleiben, und wenn ich Amazon aus dem Wohnzimmer verbanne, dann konsequent.
Warum Apple? Sicher, die Geräte aus Cupertino sind teurer. Aber der Startbildschirm des Apple TV (tvOS) strahlt genau das aus, was ich bei Amazon vermisse: Ruhe. Keine Autoplay-Trailer im Hintergrund, keine Banner für Produkte, nur meine Apps. Clean, aufgeräumt, respektvoll gegenüber dem Nutzer.
Schöne Nebeneffekte: Die Fernbedienung des Apple TV ist optisch deutlicher ansprechender als der Plastikstick des Fire TVs, das Betrachten der eigenen Fotos auf dem großen Fernseher ist jetzt auch unkompliziert möglich und bei Bedarf kann ich mein iPhone als Fernbedienung für den Fernseher verwenden, was zum Beispiel die Texteingabe deutlich erleichtert.
Natürlich gibt es keine Garantie, dass Apple den „werbefreien“ Weg für immer beibehält.
Services werden für Apple beispielsweise immer wichtiger, und die Versuchung, auch hier Werbung zu schalten, könnte wachsen. Aber das ist Zukunftsmusik. Für den Moment erkaufe ich mir mit dem Aufpreis vor allem eines: Meine Privatsphäre und einen werbefreien Rückzugsort für mich und meine Familie. Und das ist es mir wert.
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