Apple bereitet den bislang größten Vorstoß ins Smart Home vor. Wie Bloomberg-Journalist Mark Gurman berichtet, stehen gleich mehrere neue Geräte kurz vor dem Start – allen voran ein Hub, der komplett um die neue, KI-gestützte Siri herum gebaut ist. Dazu kommen ein neuer Apple TV und ein überarbeiteter HomePod mini. Apple TV und HomePod mini sollen laut Bericht noch in diesem Herbst erscheinen, der Home Hub zwischen Oktober und Anfang nächsten Jahres.

Ein 7-Zoll-Hub, der euch am Gesicht erkennt

Herzstück der Offensive ist ein Smart-Home-Hub mit quadratischem 7-Zoll-Display. Er läuft laut Bericht auf einem neuen Betriebssystem, das auf dem tvOS des Apple TV basiert und optisch Anleihen bei watchOS und iOS nimmt – mit einem Raster aus Icons, Widgets und Apps. An Bord sind demnach FaceTime, eine Sicherheitsüberwachung fürs Zuhause und eine Gegensprechanlage für Haushalte mit mehreren Apple-Geräten. Dazu lassen sich Lautsprecher und Schlösser steuern, Fotos ansehen, Kalender abrufen und Musik abspielen; anpassbare Zifferblätter wie bei der Apple Watch soll es ebenfalls geben.

Das auffälligste Merkmal ist laut Gurman die Gesichtserkennung: Der Hub erkennt, wer gerade vor dem Display steht, schätzt die Entfernung und passt die Oberfläche in Echtzeit an – etwa Schriftgröße und angezeigte Inhalte samt Kalender und Notizen der jeweiligen Person. Geplant sind zwei Varianten: J490 sitzt auf einem halbkugelförmigen Sockel, der an einen halbierten HomePod mini erinnert, J491 lässt sich per Magnet an die Wand hängen. Apple stellt sich mehrere Einheiten pro Haushalt vor; eine Begleit-App fürs iPhone soll bei Einrichtung und Verwaltung helfen.

Neuer Apple TV, HomePod mini – und ein Roboter-Hub in Aussicht

Apple TV (Codename J265) und HomePod mini (B525) sehen laut Bericht aus wie die aktuellen Modelle, bekommen im Inneren aber schnellere Chips für Siri AI. Die Preise hat Apple zuletzt angehoben: auf 199 US-Dollar für den Apple TV und 129 US-Dollar für den HomePod mini.

Die drei Geräte sind laut Gurman nur der Anfang. In der Pipeline stecken mindestens zwei weitere Produkte: eine höherwertige, robotergestützte Hub-Variante mit beweglichem Arm und 9-Zoll-Display, deren Display sich zu den Anwesenden hindrehen kann, sowie eine Sicherheitskamera mit dem Codenamen J450, mit der Apple gegen Amazons Ring antreten will.

Darum ist Apple so spät dran

Auslöser für den ganzen Schub ist die neue Siri. Apple arbeitet nach eigenen Angaben seit 2024 an den Geräten, doch sie hingen von der überarbeiteten Assistentin ab. Deren Start wurde mehrfach verschoben – von Frühjahr 2025 auf Herbst 2025 und dann auf Frühjahr 2026 – und kommt nun als „Siri AI“ mit iOS 27 im Herbst. Erst dieser Assistent, der laut Bericht auf persönliche Daten zugreifen und Apps per Sprache präzise steuern kann, macht die Hardware sinnvoll.

Weil die Geräte ohne die passende Software praktisch nutzlos wären, hängt der komplette Zeitplan an Siri. Ein erneuter Aufschub ist laut Bericht zwar unwahrscheinlich, ganz ausschließen lässt er sich aber nicht. Apple selbst wollte sich zu den Plänen nicht äußern. Mit dem Hub greift der Konzern direkt Amazons Echo Show und Googles Nest Hub an – zwei Geräteklassen, in denen Apple bislang komplett fehlte.

Eine Smart Home Zentrale von Apple: Die Einschätzung der Redaktion

Es wird höchste Zeit, dass Apple ein Gerät bringt, das explizit für die Steuerung des Smart Home gedacht ist. Spät dran ist der Konzern allemal: Amazon hat seinen Echo Show schon 2017 auf den Markt gebracht, Google zog mit dem Nest Hub kurz darauf nach.

Apple hatte bislang schlicht kein Gegenstück – wer sein HomeKit-Zuhause zentral vom Display aus steuern wollte, musste zu einem iPad greifen oder blieb beim Sprachbefehl an den HomePod. Trotzdem hat Apple aus unserer Sicht noch eine realistische Chance, gegen Amazon oder Google anzukommen.

Der wichtigste Grund ist das umfassende Ökosystem aus Hard- und Software, das die Konkurrenz in dieser Tiefe nicht bietet.

Denkbar wäre beispielsweise eine Funktion, mit der man über Apples Home Hub weiteren Personen im Haushalt eine Nachricht auf iPhone, Apple TV, Apple Watch oder HomePod zukommen lassen („Essen ist fertig“). Eine derartige Gegensprechfunktion bietet zwar auch Amazon, aber einen Echo tragt ihr nun mal nicht am Handgelenk. Genau solche Übergänge zwischen Geräten sind Apples Heimspiel, und der Hub würde sich nahtlos in eine Umgebung einfügen, in der viele ohnehin schon iPhone, Watch und Apple TV nutzen.

Dazu kommt die Software. Amazons Alexa-App hat in Sachen Usability noch viel Luft nach oben – unübersichtliche Menüs, verstreute Einstellungen, eine Suche, die oft mehr Geduld verlangt als nötig. Wenn Apple beim Home Hub das übliche Niveau seiner Bedienoberflächen hält, ist das ein Feld, auf dem sich leicht punkten lässt.

Und: Amazon spielt auf dem Echo Show zunehmend Werbung aus – auf einem Gerät, für das ihr bereits bezahlt habt und das mitten in eurer Wohnung steht. Ein Display, das euch stattdessen einfach nur eure Termine, Fotos und Smart-Home-Steuerung zeigt, ohne beworbene Produkte dazwischenzuschieben, wäre für uns ein klares Kaufargument.

Sollte Apple den Home Hub werbefrei halten, könnte der Konzern genau hier einen Nerv treffen. Am Ende steht und fällt aber alles mit der neuen Siri: Liefert die Assistentin das, was Apple verspricht, hat der Hub gute Karten. Enttäuscht sie erneut, hilft auch das schönste Ökosystem wenig.

Titelgrafik: KI-generiert zu Illustrationszwecken

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    Ich bin Nico und beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit dem Smart Home. Im Jahr 2013 habe ich mit HouseControllers eines der ersten deutschsprachigen Smart Home Magazine gegründet. Mehr über mich.