Kommentar: Apples Siri-Lautsprecher HomePod fehlen die Innovationen

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Die Gerüchte haben sich bestätigt:  Apple hat auf der WWDC-Keynote seinen „smarten“ Lautsprecher Homepod vorgestellt. Das Gerät soll eine ausgezeichnete Klangqualität bieten und beherrscht im Wesentlichen die Funktionen, die wir bereits von den Echo-Lautsprechern und Google Home kennen – mehr aber auch nicht.

Ende des Jahres wird also auch Apple mit dem HomePod einen vernetzten Lautsprecher auf den Markt bringen – zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Verkaufsstart der Amazon Echo-Lautsprecher. Kurz zu den Fakten: Der HomePod soll einen besonders guten Klang liefern, ist mit Apples A8-Chip und sechs integrierten Mikrofonen ausgestattet und soll im Dezember für rund 350 US-Dollar in den Handel kommen.

Apple HomePod

Apple HomePod: Der vernetzte Lautsprecher kommt erst 2018 nach Deutschland.

Der Siri-Lautsprecher ist damit doppelt so teuer wie Amazons Echo und fast dreimal so teuer wie Google Home – was nicht verwunderlich ist, schließlich ist Apple für seine Hochpreispolitik bekannt. Fraglich ist allerdings, ob ein guter Klang als „Innovation“ ausreicht, um Kunden für den Lautsprecher zu begeistern. Zumal sich Interessenten in Deutschland noch länger gedulden müssen, hierzulande wird der Lautsprecher nämlich erst im Laufe des kommenden Jahres erhältlich sein. Hinzu kommt, dass sich ein Echo Dot schon heute unkompliziert an hochwertigere Lautsprecher anbinden lässt und Alexa künftig in weitere Lautsprecher integriert werden wird (siehe auch „Sonos mit Amazon Alexa steuern“).

Sicherlich sind nach der gestrigen Präsentation noch viele Fragen offen:

  • Wird sich der Funktionsumfang des HomePod mit Apps erweitern lassen?
  • Wird der HomePod lediglich mit Apple Music oder auch mit weiteren Streamingdiensten wie Spotify kompatibel sein?
  • Wird die Klangqualität wirklich so gut sein, wie in der Keynote dargestellt?
  • Wann genau und zu welchem Preis wird der HomePod in Deutschland auf den Markt kommen?

Dennoch: Die Kernfunktionen sind soweit bekannt und in keiner Weise innovativ, was auch angesichts der Zeit, die sich Apple für die Entwicklung gelassen hat, verwundert. Zwar hat Apple auch in der Vergangenheit eher bereits etablierte Produktkategorien (Smartphone, Tablet, Smartwatch) adaptiert, anstatt wirkliche Innovationen zu entwickeln. Das Unternehmen hat es aber in den meisten Fällen geschafft, sich mit mehr oder weniger neuen Features, wie beispielsweise die Touchscreen-Bedienung ohne Eingabestift, von den Mitbewerbern abzugrenzen. Beim HomePod scheinen diese Funktionen zumindest auf dem ersten Blick zu fehlen.

Unterdessen hat sich die Kommunikation mit Amazon Alexa bei uns Zuhause längst zur Gewohnheit entwickelt, zumal wir Dank des günstigen Preises sämtliche Räume mit einem Echo (Dot) ausgestattet haben. Wer war noch einmal Siri?

Around the Web: Weitere Meinungen zum Apple HomePod

Futurezone.at bezweifelt, ob es Apple mit dem HomePod noch gelingen wird Amazon zu überholen (HomePod: Warum Apple Amazon nur schwer überholen kann).:

Analysten rechnen damit, dass Amazon allein 2017 mehr als zehn Millionen Echo-Lautsprecher absetzen wird. Insbesondere der günstige Einsteiger-Lautsprecher Echo Dot, der hierzulande 60 Euro kostet, erwies sich als Verkaufserfolg. Nicht nur in puncto Verbreitung, auch beim Ökosystem ist Amazon Apple und anderen Konkurrenten deutlich voraus. Der Echo kann relativ einfach mit sogenannten “Skills” (Fähigkeiten) erweitert werden, von denen es derzeit weit mehr als 10.000 Stück gibt. Amazon ist der bislang einzige Anbieter, der einen derart offenen Ansatz verfolgt.

Die Financial Times zitiert den Analysten Chris Jones, der die Marktchancen des HomePod optimistisch bewertet (Apple plays to its strengths with HomePod hi-fi system):

“Focusing on the audio experience while also having Siri integrated gives Apple a good chance in that market,” says Chris Jones, chief analyst at Canalys, a market researcher. “The enhanced audio will be a big difference — you don’t quite get room-filling music from some of the other home assistants.”

The Verge konnte sich bereits einen Eindruck von der Klangqualität verschaffen – hier scheint Apple in der Keynote tatsächlich nicht zu viel versprochen zu haben (Apple’s HomePod sounds really good in its demos):

We also heard the sound quality up against an Amazon Echo and a Sonos Play:3 — obviously the HomePod came out on top — but I’m not sure how much credence to lend to that part of the demo. For one thing, the audio from the Echo was playing over Bluetooth. Now I have zero problems saying that the HomePod sounds way better than an Echo, but it’s still not a direct comparison. As far as the Sonos is concerned, I’m not 100 percent sure it was tuned using Sonos’ TruePlay room tuning. The Sonos Play:3 isn’t really the best-sounding Sonos speaker, but I know it can pull off better audio than what I heard today.

Regardless, the takeaway here is that when it comes to smart speakers, the HomePod is likely to be head and shoulders above its direct competitors, the Echo and Google Home. For the price and size, you should expect that, and Apple delivered.

Die geschätzten Kolleginnen und Kollegen von Appgefahren berichten über ein Interview, das Apples CEO Tim Cook dem Sender Bloomberg TV gegeben hat (Tim Cook: Das sagt der Apple-Chef über die neuen HomePod-Lautsprecher). In dem Interview berichtet Cook, dass Apple bereits „seit mehreren Jahren“ an den HomePods gearbeitet habe, aber nicht daran interessiert war, das Produkt vor der Konkurrenz auf den Markt zu bringen:

„Wir haben nicht den ersten MP3-Player gebaut, nicht das erste Smartphone und nicht das erste Tablet. Uns geht es nicht darum, Erster zu sein. Wir wollen die besten sein und Kunden ein Erlebnis bieten, das sie bei jeder Nutzung erfreut. Und das erreichen wir nicht, indem wir etwas ausliefern, das nicht gut genug ist.“

Herstellervideo: Introducing HomePod

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7 Kommentare

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  3. Auch wenn es den Autoren nicht passen mag. Was den HomePod (neben seinem beschränkten Namen) auszeichnen wird ist, dass er sich perfekt in Apples Ökosystem einfügen wird. Die Echo-„Skills“ sind ein Witz. Ich habe ein Echo, aber sobald Apple liefert, fliegt das Ding achtkantig aus dem Haus. Und ich vergieße keine Träne. Ach, und zum Thema Innovation: Schon mal zwei Echos miteinander für satten Stereo-Spund gekoppelt? Eben, geht nicht. Und die Blutetooth-Soundqualität ist eine Ohrenpeitsche. Schrecklich. Apple liefert Anfang nächsten Jahres ein ausgereiftes und rundes Produkt aus. So wie man es aus Cupertino gewohnt ist. Wer keine Apple-Produkte oder HomeKit im Einsatz hat, mag es nicht verstehen. Nutzer wie ich werden verständnisvoll nicken.

  4. Danke für Deinen Kommentar!

    „Schon mal zwei Echos miteinander für satten Stereo-Spund gekoppelt?“

    Die Echos nicht, aber mit meinen Sonos-Lautsprechern mache ich das seit Jahren. Von daher handelt es sich meiner Meinung nach eben nicht um eine Innovation.

    Was die Integration in das Ökosystem angeht bin ich aber zu 100% bei Dir, das wird definitiv ein klarer Vorteil des HomePod sein.

    Dennoch: Apple ist mit dem HomePod meiner Meinung nach (sehr) spät dran und sollte auch bei der Weiterentwicklung von Siri endlich mal Gas geben.

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