Nest Cam IQ Indoor Überwachungskamera im Test

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Im letzten Jahr haben wir bereits die beiden Überwachungskameras Nest Cam Indoor und die Nest Cam Outdoor getestet. In diesem Testbericht erläutern wir die Vor und Nachteile der hochauflösenden „Nest Cam IQ Indoor“ Überwachungskamera, die mittlerweile auch den Sprachassistenten „Google Assistant“ bietet.

Installation und Einrichtung

Im Lieferumfang der Kamera befindet sich neben dem USB-Netzteil ein 3 Meter langes Anschlusskabel, das eine recht flexible Platzierung der Kamera ermöglicht. Die Kamera muss über das Kabel mit Strom versorgt werden, es gibt also keinen POE-Netzwerk-Anschluss (Power over Ethernet) oder integrierten Akku.

Nest Cam IQ Packungsinhalt

Nest Cam IQ Packungsinhalt

Die Kamera kann durch den Standfuß (nicht abnehmbar) einfach auf einen Schrank gestellt werden oder mit Hilfe des 3/4-Zoll Gewindes im Standfuß an eine Halterung geschraubt werden. Die Kamera kann sowohl nach links und rechts gedreht werden als auch nach vorne und hinten geneigt werden. Das Design der Kamera gefällt uns gut (schlicht und modern), jedoch ist das Gehäuse sofort als Kamera erkennbar. Die Verarbeitung macht einen sehr ordentlichen, robusten Eindruck.

Technische Daten

  • Kamera: 8 Megapixel
  • Video: Bis zu 1080p (1920 × 1080) bei 30 Bildern/Sek., H.264-Codierung, HDR
  • Erfassungswinkel: 130° diagonal
  • Nachtsichtmodus (Infrarot-LEDs)
  • Lautsprecher und Mikrofone integriert
  • LED-Ring zur Statusanzeige
  • Gewicht: 357 Gramm
  • Abmessungen: Höhe: 12,4 cm / Breite: 7,4 cm / Tiefe: 7,4 cm
  • WLAN: WLAN 802.11a/b/g/n/ac, 2,4 GHz oder 5 GHz (unterstützt WEP-, WPA- und WPA2-Verschlüsselung)
  • Bluetooth Low Energy (BLE) zur Einrichtung der Kamera

Die Installation & Einrichtung der Kamera verlief unkompliziert, so wie schon bei den anderen beiden von uns getesteten Nest-Kameras.

Nest Cam IQ Indoor-Kamera

Nest Cam IQ Indoor-Kamera

Das Netzteil der Nest Cam IQ

Das Netzteil der Nest Cam IQ

Wenn man allerdings ein NestAware-Abo abschließen möchte, wird es kompliziert – zumindest in unserem Test. Das Abo kann ausschließlich über die Webseite von Nest abgeschlossen werden, was uns schon durch die Erfahrungen mit den anderen Nest-Kameras bekannt war.

Die Zahlungsinformationen ließen sich zwar im Online-Formular eingeben, jedoch wurden die Eingaben nicht akzeptiert, da ein Pflichtfeld nicht ausgefüllt war. Dieses Pflichtfeld ließ sich jedoch gar nicht ausfüllen, zudem waren alle benötigten Angaben bereits eingegeben. Wir haben daraufhin die Landes- bzw. Spracheinstellung der Webseite von US auf Deutschland geändert, was uns dann den Abschluss des Abos ermöglichte. Eigentlich sollte man nun annehmen können, dass das NestAware-Abo dann aktiv und damit alle Funktionen nutzbar wären – dem war allerdings nicht so. Eine Bestellbestätigung per Mail erhielten wir erst nach ca. einer Stunde, jedoch ohne irgendwelche Informationen, wann das Abo denn aktiv wird. Nach einigen Minuten wurde im „Store Account“ auf der Webseite von Nest die Meldung „Du hast keine Abos“ angezeigt, darunter jedoch ein Abo, das noch nicht begonnen hat, da es keiner Kamera zugeordnet war (was sich auch nicht ändern lässt). Im „Bestellverlauf“ findet man dann jedoch den Hinweis, dass die Bestellung in Bearbeitung sei. Nachdem auch nach 24 Stunden das Abo noch nicht aktiv war, haben wir den gesamten Vorgang wiederholt – wieder ohne Erfolg. Schließlich haben wir den gesamten Account gelöscht und alles neu eingerichtet – erst danach konnten wir ein Abo abschließen, das auch direkt aktiv wurde.

Warum das Abo mit dem neuen Account sofort problemlos abgeschlossen werden konnte erschließt sich uns nicht – vermutlich gab es hier ein Problem, dass direkt mit unserem Account zu tun hatte.

Funktionsumfang und Abo-Modell

So wie bei allen Kameras von Nest, wird das Videobild in die „Cloud“ gestreamt und dort analysiert – der Funktionsumfang wird dadurch bestimmt, ob der Nutzer ein kostenpflichtiges Abo für den Dienst „Nest Aware“ abgeschlossen hat oder nicht. Für den Videostream der Nest-Kameras ist also eine schnelle Internetverbindung notwendig (mindestens 2Mbit/Upload) – bei mehreren Kameras wird entsprechend noch mehr Bandbreite belegt.

Der Funktionsumfang ist in der kostenlosen Variante (also ohne Nest Aware Abo) sehr eingeschränkt und ermöglicht so unserer Ansicht nach kaum den Einsatz der Kamera als sinnvolle Überwachungslösung. Man erhält beim Kauf der Kamera für einen Zeitraum von 30 Tagen Zugriff auf alle Funktionen, danach müsste man sich jedoch für ein Abo entscheiden, wenn man alle Funktionen weiter nutzen möchte. Wir haben die Unterschiede der kostenlosen und kostenpflichtigen Variante in einer Tabelle zusammengefasst (Stand 05/2018):

Funktion Kostenlos Nest Aware
live Video bei Bedarf x x
3 Stunden Momentaufnahmen als Standbild x x
5/10/30 Tage Verlauf der Aktivitäten (Videoclips) x*
Aktivätswarnung (bei Bewegung/Geräusch) x x
Sprechen und Hören x x
Zoomen und Optimieren des Bildes x x
Personenwarnungen x x
Gesichtserkennung (Identifizierung) x
Alarmbereiche definieren x
Zeitraffer-Videos als Clip herunterladen x
Livestream teilen x x
Zuhause/Abwesend-Funktion x x

*5 Tage Videoverlauf kosten 5€/Monat, 10 Tage kosten 10€/Monat, 30 Tage kosten 30€/Monat

Sofern man also kein Abo abschließt, werden ausschließlich Momentaufnahmen als Standbild für drei Stunden aufgezeichnet und anschließend automatisch gelöscht. Man erhält zwar eine E-Mail mit einem Foto, wenn die Kamera eine Bewegung festgestellt hat, Videos des Vorfalls sind dann jedoch ohne Nest Aware Abo nicht abrufbar. Auch die Definition von Alarmbereichen (Bereich der überwacht werden soll ) und eine gezielte Warnung wenn ein Gesicht erkannt wurde, ist nur möglich, wenn das Nest Aware Abo abgeschlossen wurde.

Nest Cam IQ Indoor-Kamera

Nest Cam IQ Indoor-Kamera

Das NestAware-Abo-Modell wurden in den letzten Monaten geändert. Bisher kostete das kleinste Paket 10€/Monat bzw. 100€/Jahr, mittlerweile gibt es ein günstigeres Paket (mit 5 Tagen Videoverlauf). Für eine weitere Kamera erhält man „bis zu 50% Rabatt“ (wie viel genau geht aus den Informationen auf der Webseite nicht hervor). Auch wurde durch die Einführung der Gesichtserkennung der Funktionsumfang des Abo-Modells bzw. der kostenlosen Variante etwas geändert: Die Personenerkennung ist nun kostenlos, die neue Funktion der Gesichtserkennung (Identifizierung von Personen) gibt es nur mit NestAware-Abo.

Funktion der Nest Cam IQ Überwachungskamera

Die App der Überwachungskamera machte im Installationsprozess einen guten Eindruck, der sich im Alltag fortgesetzt hat. Die App funktioniert stabil, wobei wir ausschließlich die App für Apple iOS auf einem iPhone 6s getestet haben. Die durch die Bewegungs- oder Personenerkennung ausgelösten Alarmierungen funktionieren zuverlässig und schnell. In unseren vorherigen Tests der Nest Cam Outdoor und Nest Cam Indoor (ohne IQ) gab es bereits die Funktion der „Personenerkennung“, die Alarmierungen auslösen kann, wenn die Kamera eine Person im Bild entdeckt hat. Neu ist die Funktion der Gesichtserkennung, die tatsächlich Personen identifizieren kann.

 

Zusätzlich zur Bewegungserkennung kann die Kamera auch bei einem Geräusch alarmieren – hier kann sogar die Art der Geräusche gewählt werden („sprechende Person“, „Bellender Hund“, „Alle anderen Geräusche“. Die Alarmierung kann wahlweise über eine Push-Nachricht und/oder per E-Mail erfolgen.

Nutzt man mehrere Nest Kameras, so können die Kameras über die App in verschiedene Bereiche (Wohnzimmer, Arbeitszimmer, etc.) gelegt werden, was eine bessere Übersicht in der App ermöglicht.

Die App verfügt über eine An- und Abwesenheitserkennung (Lokalisierung des Smartphones), so dass die Kamera auf Wunsch deaktiviert werden kann, wenn man zu Hause ist. Das Verhalten der Kamera bei An- und Abwesenheit lässt sich für alle verbundenen Nest Kameras einstellen. Man könnte also einzelne Kameras deaktivieren wenn man zu Hause ist und eine weitere Kamera aktiviert lassen.

Die Bildqualität der Kamera ist bei Tageslicht sehr gut, aber natürlich abhängig von der Kapazität der Internetverbindung. Die Bildqualität (Auflösung) wird je nach Internetverbindung automatisch eingestellt, kann aber vom Nutzer in der App auch fest eingestellt werden. Im Nachtsicht-Modus (Infrarot) ist die Bildqualität ebenfalls in Ordnung.

 

Die Überwachungskamera zeichnet in den Videos auch den Ton mit auf, dabei lässt sich die Mikrofonempfindlichkeit in der Kamera einstellen. Die Tonaufzeichnung lässt sich jedoch bei Bedarf abschalten. Sofern ein NestAware-Abo abgeschlossen wurde, können die aufgezeichneten Videos in der App oder im Browser aufgerufen und bei Bedarf heruntergeladen werden.
Über die App und den in der Kamera integrierten Lautsprecher und das Mikrofon ist es möglich mit einer Person im Raum zu kommunizieren, die Sprachverständlichkeit war hierbei in unseren Tests gut.

Gut gelöst ist auch die Funktion Familienmitglieder für den Zugriff auf die Kamera einzuladen. Die Smartphones der Familienmitglieder können dann ebenfalls für die An- und Abwesenheitsfunktion genutzt werden. Über die App kann keine Markierung eines Alarmbereiches vorgenommen werden – dies ist nur im Browser auf der Webseite möglich und etwas umständlich gelöst.

Nest Cam IQ leuchtet bei Nutzung vom Google Assistant

Nest Cam IQ leuchtet bei Nutzung vom Google Assistant

Nest Cam IQ mit Google Assistant

Mittlerweile hat Nest für die Kameras den Google Assistant per Softwareupdate bereitgestellt – der Sprachassistent von Google kann nun über die Kameras so genutzt werden wie zuvor schon in den „Home“-Produkten von Google (-> unser Testbericht zum Google Home Mini). Der Sprachassistent lässt sich schnell über die Nest-App mit Hilfe der Google Home App verknüpfen und anschließend nutzen.

In unserem Test ist uns zunächst die hohe Lautstärke der Sprachausgabe aufgefallen, die sich laut den Informationen auf den Hilfe-Seiten bei Nest nicht einstellen lässt. Dies stimmt jedoch nur bedingt – zwar lässt sich die Lautstärke weder per App noch am Kamera-Gehäuse einstellen, doch führt der Sprachbefehl „Ok Google, Lautstärke 2“ zum gewünschten Ergebnis und die Sprachausgabe wird auf die Lautstärke „2“ eingestellt. Die Sprachausgabe ist gut verständlich und in etwa vergleichbar mit der des „Google Home Mini“.

Drei Alternativen zur Nest Indoor Kamera

Da wir in den letzten Jahren diverse Kameras im Alltag getestet haben, können wir die verschiedenen Produkte gut vergleichen. Wir möchten drei Alternativen zur Nest Indoor Cam vorstellen, die ähnliche Funktionen bieten – jedoch nicht den integrierten Sprachassistenten von Goole.

  1. Netatmo Welcome
    Bei Netatmo ist kein kostenpflichtiges Abo erforderlich (aber dennoch ein Account bei Netatmo, ganz ohne „Cloud“ geht es auch hier nicht). Die aufgenommen Videos werden verschlüsselt auf dem Gerät (SD-Karte) gespeichert und dann bei Bedarf auf das Smartphone des Nutzers gestreamt, dies geschieht (verschlüsselt) über die Server von Netatmo. Die Videos werden also lokal auf dem Gerät gespeichert und nicht in einem Cloud-Dienst. Optional kann man die Videos zusätzlich via FTP auf einem Server oder bei Dropbox automatisch sichern lassen. Die Netatmo Welcome-Kamera (ca. 170€ bei Amazon*) kann ebenfalls Personen erkennen, was auch in der Praxis gut funktioniert.
    -> Unser Netatmo Welcome Kamera Test
  2. Netgear Arlo / Arlo Pro
    Bei Netgear werden aufgenommene Videos in die Cloud geladen, jedoch wird der Videostream zunächst lokal ausgewertet und nicht kontinuierlich in die Cloud gestreamt. Es werden 7 Tage Videoverlauf ohne zusätzliche Abo-Gebühren geboten. Zusätzlich können die Videos auf einem per USB-verbundenen Laufwerk gespeichert werden, eine vollständige lokale Nutzung ohne Cloud ist jedoch auch hier nicht möglich.
    -> Unser Netgear Arlo pro Test
  3. Canary
    Canary bietet ebenfalls ein Abo-Modell an. In der kostenlosen Variante können jedoch mittlerweile 24 Stunden Video-Verlauf (wird durch Anzahl der Geräte geteilt, also 12 Stunden pro Gerät bei 2 Kameras) genutzt werden, auch ein Download der Videos ist möglich. Das Abo kostet 9,99€ pro Monat für die erste Kamera. Auch Canary wertet das Videobild zunächst lokal aus und speichert dann aufgenommene Videos im Cloud-Dienst.
    -> Unser Canary Überwachungskamera Test

 

Nest Cam IQ neben der Netatmo Welcome Kamera

Nest Cam IQ neben der Netatmo Welcome Kamera

Nest Cam IQ Indoor im Test: Unser Fazit

Die Verarbeitung und Videoqualität der Nest Cam IQ ist in Ordnung und die Kamera bietet viele nützliche Funktionen. Die Alarmierung und die Gesichtserkennung funktionierte im Test zuverlässig. Leider bietet die App nicht alle Funktionen der Nest-Webseite – so lässt sich das NestAware Abo nur auf der Webseite abschließen, auch die Markierung von Überwachungsbereichen funktioniert nicht in der App.

Leider ist der Funktionsumfang bei den Nest-Kameras ohne kostenpflichtiges Abo derart eingeschränkt, dass die Kamera ohne zusätzliche Kosten kaum sinnvoll einsetzbar ist. Ist man bereit ein „Nest Aware“ Abo abzuschließen, bietet die Kamera eine solide Lösung. Da alle Nest-Kameras dauerhaft das Live-Bild als Stream an den Hersteller senden, ist jedoch neben einer performanten Internetverbindung (mind. 2 MBit Upload) auch Vertrauen in die Sicherheit und den Datenschutz beim Anbieter notwendig.

Die Nest Cam IQ Indoor ist aktuell für ca. 350€ im Handel (zum Beispiel bei Tink*) und direkt bei Nest erhältlich.

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