Netatmo Welcome im Test: Die Überwachungskamera mit Gesichtserkennung

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Netatmo, vor allem bekannt durch die Wetterstation (alle Berichte zu Netatmo findest Du hier), hat vor einiger Zeit neben Heizungsthermostaten auch eine Indoor-Überwachungskamera auf den Markt gebracht – die Netatmo „Welcome“. Wir nutzen die Kamera nun seit knapp zwei Wochen – Zeit für einen Erfahrungsbericht.

Die Kamera ist in einem schicken Gehäuse aus Aluminium untergebracht, das wir schon von der Netatmo Wetterstation kennen. Das Design gefällt uns sehr gut und hebt sich deutlich von den meisten anderen Überwachungskameras ab. Auf der Rückseite der Kamera befinden sich der Stromanschluss (Micro-USB), ein LAN-Anschluss und ein Steckplatz für Micro-SD Karten (8GB Karte wird mitgeliefert). Auf der Vorderseite befindet sich oben die Kameralinse (130° Weitwinkel), eine Infrarot-LED für die Nachtsicht und eine Öffnung für das eingebaute Mikrofon.

Installation und Einrichtung

Um die Kamera einzurichten, läd man sich die Netatmo Welcome-App für Android oder iOS aus dem jeweiligen Appstore – die Installation kann jedoch alternativ auch über eine Desktop-Software (Windows, MacOS, Linux) von Netatmo durchgeführt werden. Eine App für Windows Phone ist aktuell noch nicht erhältlich.

Netatmo Welcome Test

Netatmo Welcome Überwachungskamera im Test

Wenn schon ein Netatmo-Konto vorhanden ist (z.B. für die Netatmo Wetterstation), kann das Login über dieses Konto erfolgen – ansonsten richtet man einfach ein neues Konto über die App ein.

Die Einrichtung der Kamera ist sehr einfach und schnell gemacht: Alle Schritte werden in der App durchlaufen und erklärt bis die Kamera mit dem WLAN verbunden ist.

Wenn die Kamera verbunden ist, muss diese mit einem Namen versehen werden und einem Ort zugewiesen werden. Anschließend werden noch einige Erläuterungen angezeigt und, wenn nicht vorhanden, die neuste Software automatisch auf der Kamera installiert.

 

Funktionen & Bedienung

Werfen wir zunächst einen Blick auf die technischen Daten und Funktionen:

  • 4 Megapixel Videosensor (Auflösung bis zu 1920 x 1080 Pixel)
  • Mikrofon eingebaut
  • Bewegungserkennung
  • Erkennung der An/Abwesenheit (Smartphone-Lokalisierung optional und Gesichtererkennung)
  • WLAN: 802.11 b/g/n (2,4 GHz)
  • LAN: 10/100 MBit
  • Steckplatz für Micro-SD (bis zu 32GB, 8 GB im Lieferumfang)
  • Infrarot-Nachtsicht
  • Lokale Speicherung der Videoaufzeichnungen und Identifizierungsdaten (SD-Karte)
  • App für Apple iOS und Android, Zugriff auch über Webseite
  • Abmessungen: 45 x 45 x 155 mm

Die größte Besonderheit bei dieser Kamera ist die Gesichtserkennung. So soll die Netatmo Welcome nach einer „Lernphase“ automatisch bereits erkannte Gesichter wiedererkennen und es so ermöglichen, nur bei unbekannten Gesichtern eine Alarmierung auszulösen. Damit das funktioniert, müssen zunächst Gesichter angelernt werden. In den ersten Tagen/Wochen nach der Inbetriebnahme der Kamera werden immer wieder Fotos der noch unbekannten Gesichter in der App angezeigt und müssen dann einem Namen zugewiesen werden. Aus diesen gesammelten Fotos erstellt die Software ein Profil und wird mit der Zeit immer besser beim Erkennen der Gesichter.

Diese Lernphase kann allerdings wirklich mehrere Wochen dauern, da unterschiedliche Lichtverhältnisse und Ansichten der Gesichter erst gesammelt und dem jeweiligen Profil zugewiesen werden müssen. Insbesondere bei Nachtaufnahmen braucht die Software einige Zeit, bis sie die Gesichter korrekt erkennt. Der Prozess der Profilbildung ist in der App wirklich gut gelöst: Wurden „neue“ Gesichter erkannt, so werden diese in einer Ansicht gesammelt und können dann schnell markiert und einer Person zugewiesen werden. Diese schnelle Zuweisung ist sehr hilfreich, da wirklich eine Menge aufgenommener Fotos der Gesichter in den ersten Wochen zugewiesen werden müssen.

Neben der Historie („Martin erkannt“ etc.) und Übersicht der Bewegungserkennung wird in der App das „Live-Bild“ der Kamera angezeigt. Hierbei handelt es sich jedoch um ein Standbild, das alle paar Sekunden aktualisiert wird. Das echte „Live-Video“ startet man durch Antippen des Standbildes, welches dann mit einer Verzögerung von ca. 5-10 Sekunden auf das Smartphone oder in den Browser gestreamt wird. Die Qualität des Bildes ist abhängig von der Verbindungsart des Smartphones – bei einer WLAN-Verbindung ist die Bildqualität sehr gut, bei UMTS-Verbindungen muss das Bild stärker komprimiert werden, was zu einer schlechteren Auflösung führt. Die Qualität der Nachtaufnahmen (Infrarot-LED) ist in Ordnung, hier kann man aufgrund der schlechten „Beleuchtung“ sicherlich keine Wunder erwarten.

Nach Angaben von Netatmo wird lediglich das Standbild auf den Servern von Netatmo gespeichert, um es in der App bereitzustellen – die Videos (und Identifizierungsdaten der Gesichter) werden auf der SD-Karte gespeichert. Dies hat aus Datenschutzsicht den Vorteil, dass die kritischen Daten (Videos und Identifizierungsdaten) nicht in der Cloud gespeichert werden – gleichzeitig sind die Videos mit allen Daten bei einem Diebstahl der Kamera natürlich verloren (die Daten sind auf der SD-Karte jedoch geschützt).

 

Die App bietet verschiedene Einstellungsmöglichkeiten zur Alarmierung. Es kann eingestellt werden, nach welcher Zeitspanne eine Person automatisch als „abwesend“ markiert werden soll, wenn diese nicht mehr von der Kamera erkannt wurde. Unbekannte Gesichter werden immer aufgezeichnet, ob diese auch per Push-Nachricht auf das Smartphone gemeldet werden sollen, kann eingestellt werden.

Zudem kann eingestellt werden, ob die Videoaufzeichnung bei der Erfassung von Bewegungen nie stattfinden soll, nur dann wenn niemand zu Hause ist oder immer. Auch die Beachrichtigung bei Erfassung von Bewegungen bietet diese drei Optionen (nie, wenn niemand zu Hause ist, immer).  Zudem lassen sich Meldungen gruppieren („Smart Notifications“), was zu weniger Alarmierungen führt, da die Kamera erst einige Sekunden auf weitere bekannte/unbekannte Gesichter wartet und dann erst eine Benachrichtigung für beide Personen sendet. Für jede identifizierte Person kann außerdem eingestellt werden, ob Videoaufnahmen gemacht werden sollen oder nicht.

Leider kann im Kamerabild kein Bereich markiert werden, die für die Gesichts- und Bewegungserkennung ignoriert werden soll. Wenn man die Netatmo Welcome also so aufstellt, dass der Fernseher im Bild ist, werden regelmäßig Gesichter aus TV-Sendungen als „unbekannt“ identifiziert und je nach Einstellung alarmiert. Wer Haustiere hat, die sich im überwachten Raum aufhalten können, wird mit der Bewegungserkennung der Kamera keine Freude haben: Bei uns hat die Katze etliche Alarm-Meldungen ausgelöst, als wir nicht zu Hause waren. Könnte man, wie z.B. in der Software „Surveillance Station“ der Synology NAS-Geräte einen Bereich für die Bewegungserkennung ignorieren oder wenigstens die Empfindlichkeit einstellen, ließen sich solche Fehlalarme vermeiden.

Netatmo Welcome Überwachungskamera: Vor- und Nachteile

Vorteile

  • Sehr schickes Design der Kamera
  • Zuverlässige Alarmierung
  • Videos und Identifizierungsdaten werden lokal im Gerät (SD-Karte) gespeichert und nicht in der Cloud
  • Keine weiteren Kosten
  • Automatische Erkennung der Abwesenheit per Smartphone App
  • Kompatibel mit IFTTT (if this, then that)
  • Kamera kann bald mit Tür/Fenstersensoren erweitert werden (Netatmo Welcome Tags)
  • Einfache Einrichtung

Nachteile

  • Man kann keinen Bereich im Videobild „ausklammern“ um so eine ungewollte Gesichtserkennung zu vermeiden, z.B. Gesichter im Fernsehen
  • Die Empfindlichkeit der Bewegungserkennung kann nicht eingestellt werden, was zu unerwünschten Alarmierungen bei Haustieren führen kann.
    (Update 06.08.2017: Die Kamera bietet seit dem letzten Softwareupdate eine „Haustier-Erkennung„)

Netatmo Welcome im Test: Unser Fazit

Die Netatmo Welcome Überwachungskamera bietet tolle Funktionen in einem sehr schicken Design. Die Gesichtserkennung funktioniert nach 1-2 Wochen Lernphase gut – wobei wir an dieser Stelle keinen Vergleich zu anderen Systemen haben. Probleme gibt es bei uns durch die „übereifrige“ Gesichtserkennung im Fernsehen und die nicht einstellbare Bewegungserkennung. Es bleibt zu hoffen, dass Netatmo die Möglichkeit der Markierung von Bereichen, die nicht überwacht werden sollen, zu einem späteren Zeitpunkt durch Softwareupdates nachreicht. Wir empfehlen die Netatmo Welcome Kamera aktuell für Haushalte, in denen ein geeigneter Aufstellort (der Fernseher sollte nicht im Bild sein, ca. 1,5 – 2 Meter Höhe) vorhanden ist.

Netatmo hat bereits das neue Produkt „Netatmo Tags“ als Zubehör für die Kamera angekündigt. Hierbei handelt es sich um kleine Sensoren, die an Türen und Fenstern angebracht werden und so Einbruchsversuche erkennen können. Die Netatmo Tags sind dann mit der Welcome-Kamera verbunden und können so als Gesamtsystem zur Hausüberwachung eingesetzt werden.

Die Netatmo Welcome Kamera ist aktuell für ca. 165 Euro z.B. bei Amazon erhältlich*.

Letzte Aktualisierung am 14.12.2018 um 14:44 Uhr / Affiliate Links* / Bilder: Amazon

#Bericht aktualisiert am 17.08.2016: Tonaufnahme und Wiedergabe im Livestream funktioniert seit einiger Zeit einwandfrei.

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Netatmo Welcome im Test

9.0 Empehlenswert

Die Kamera sieht toll aus und bietet durchdachte Funktionen - leider fehlt eine wichtige Einstellungsmöglichkeit zur Gesichts- und Bewegungserkennung. Die App ist einfach zu bedienen, Videos und Identifizierungsdaten werden lokal gespeichert.

  • Einrichtung 10
  • Bedienung 10
  • Funktionsumfang 8
  • Preis-Leistung 8
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41 Kommentare

  1. Danke für den Testbericht über die Netatmo Welcome! Ich habe mal in einem Erfahrungsbericht gelesen, dass die Überwachungskamera sehr heiß werden soll. Könnt Ihr das bestätigen? Falls ja: So heiß, dass man sich sorgen machen muss?

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  3. Hallo Olli. Das Gehäuse wird manchmal tatsächlich sehr warm. Da das Aluminiumgehäuse aber als Kühlkörper für den Prozessor dient, mache ich mir da keine Sorgen

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  6. Super, danke vielmals für den Test. Wenn der Preis auf 150 fällt kaufe ich mir eines. Besonders interessant finde ich es in Verbindung mit den Tags. Ausschlaggebend ist für mich der bessere Schutz der Privatsphäre.

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  12. Hat man keine Möglichkeit die Dateien und Videos wo anders zu speichern als auf der sd Karte der Kamera?? Ich denke da so an eine nas, denn jeder Dieb der rein kommt wird mit Sicherheit die Kamera sehen und weg ist sie zusammen mit den Bildern. Wenn die netatmo dann erst nach 10 sek das Bild sendet ist sie zum Einbrecher erkennen eher ungeeignet. Da sehe ich eher Sinn im bespitzeln meiner Familie.

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  24. Ich habe die Kamera nun seit gut 1 Jahr im einsatz. Bin im gross und ganzen sehr zufrieden mit der Kamera.

    Ich hatte schon viele Überwachungskameras und keine lief ununterbrochen. Leider ist dies auch bei der Netamo nicht anders. Dennoch bis jetzt die zuverläsigste Kamera. Es passiert öffers das die Kamera nach 2-3 Wochen einfach nicht mehr reagiert dies sieht man bespielsweise daran wen das IR nicht mehr einschaltet. Der Fehler wurde bis heute nicht behoben.

    Das Problem scheint vorallem aufzutauchen wen mehrere Gesichter erkennt werden, als ob die Kamera überfordert wäre.

    Als Lösung benutze ich nun eine Zeitschaltuhr welche die Kamera 1x am Tag kurz ausschaltet.

    Die Videos werden seit einem Update Problemlos auch auf ein FTP Server übertragen.

    Ich hoffe aktuell auf ein 4K Nachfolger.

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