Netgear Arlo Pro im Test: Kabellose Überwachungskamera mit Akku und Audiofunktion

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Vor zwei Jahren haben wir die Netgear Arlo in einem Test vorgestellt. Kürzlich hat der Hersteller mit der Arlo Pro ein Nachfolgemodell der drahtlosen Überwachungskamera auf den Markt gebracht. In diesem Testbericht erläutern wir die Vor- und Nachteile der neuen Version.

Erster Eindruck und Inbetriebnahme

Das von uns getestete Paket „Netgear Arlo Pro 1 Kamera System“ besteht neben der Überwachungskamera aus einer Zentrale, die mit dem eigenen Router verbunden wird. Die Kamera selber funktioniert vollständig drahtlos – dank eines Akkus wird noch nicht einmal eine Steckdose benötigt. Die Arlo Pro ist zudem genau wie das Vorgängermodell wetterfest (IP65) und lässt sich dementsprechend flexibel aufstellen. So können beispielsweise Bereiche im Garten überwacht werden, ohne umständlich Kabel verlegen zu müssen.

Netgear Arlo Pro Lieferumfang

Netgear Arlo Pro im Test: Das Paket enthält neben der Überwachungskamera und der Zentrale die notwendigen Kabel.

Im Paket befindet sich neben der gut verarbeiteten Überwachungskamera die Zentrale samt Netzteil und Netzwerkkabel, eine Magnethalterung für die Kamera sowie das Ladegerät für den Akku der Kamera.

Die Einrichtung ist erfreulich unkompliziert und in wenigen Schritten erledigt:

  1. Kostenlose Netgear Arlo App auf das Smartphone laden und für den Arlo Cloud Dienst registrieren (statt der App kann auch die Webversion unter arlo.netgear.com genutzt werden)
  2. Zentrale mit Strom versorgen und mit dem Router verbinden
  3. Den Einrichtungsprozess in der Arlo App starten
  4. Die Kamera mit der Zentrale verbinden, indem zuerst an der Zentrale und dann an der Kamera die entsprechende Taste gedrückt wird

Netgear Arlo App: Ein Assistent führt in wenigen Schritten durch den Einrichtungsprozess.

In unserem Test hat die Einrichtung auf Anhieb funktioniert und war innerhalb von fünf Minuten erledigt. Hier kann der ein oder andere Hersteller von Smart Home-Geräten noch einiges lernen – wir denken beispielsweise an die (letztendlich erfolglose) Einrichtung eines „smarten“ Thermostats zurück, für die wir mehrere Stunden aufgewendet haben.

Überwachungskamera ohne Kabel

Arlo Pro: Die Überwachungskamera benötigt keine Steckdose und kann dementsprechend flexibel positioniert werden.

Auch die Montage ist denkbar einfach: Die Kamera kann beispielsweise einfach in ein Regel gestellt oder im Außenbereich montiert werden. Die mitgelieferte Magnethalterung hinterlässt auf uns einen zwiegespalten Eindruck. Zwar lässt sich die Kamera unkompliziert von der Halterung lösen, um den Akku wieder aufzuladen, allerdings ist sie so natürlich in keinster Weise vor einem Diebstahl geschützt. Für die Montage im Carport haben wir stattdessen die für rund 15 Euro erhältliche Halterung NETGEAR VMA1000-10000S eingesetzt, die statt des Magnets das Schraubgewinde der Arlo Pro nutzt. Wirklich diebstahlsicher ist diese Variante natürlich auch nicht, in Kombination mit einem schwer erreichbaren Montageort erscheint uns die Kamera aber einigermaßen geschützt.

Übrigens kann das Bild der Arlo in den Einstellungen der App gedreht werden, die Kamera lässt sich also auch problemlos verkehrt herum montieren.

Die Arlo Pro an der Decke des Carports (verwendete Halterung nicht im Lieferumfang).

Arlo Pro: Fakten im Überblick

  • Abmessungen der Überwachungskamera: 17,4 x 12,6 x 5,9 cm
  • Stromversorgung: Akku (Alternativ Betrieb über mitgeliefertes Netzteil möglich)
  • Auflösung: HD (720p)
  • Audio: Lautsprecher und Mikrofon integriert (Sirene in Zentrale)
  • Bewegungserkennung bis zu 7 Meter
  • Bedienung via Smartphone-App oder Browser
  • 130 Grad Sichtfeld
  • Wasserfest (IP65)

Funktionsumfang und Bedienung

Worin unterscheidet sich die Arlo Pro von dem weiterhin erhältlichen Vorgängermodell Netgear Arlo? Die Stromversorgung erfolgt jetzt mit einem Akku und nicht mehr mit (relativ teuren) CR123-Batterien. Außerdem besitzt die Kamera einen größeren Erfassungsbereich (130° anstatt  110°) und eine Zwei-Wege-Audiofunktion. Überarbeitet wurde auch die Zentrale, die von Netgear mit einem schlankeren Design und einer 100+ Dezibel lauten Sirene ausgestattet wurde.

Die Arlo Smartphone-App ist weitgehend intuitiv aufgebaut und lässt hinsichtlich des Funktionsumfangs kaum Wünsche offen. Aufgezeichnete Videos werden in der „Bibliothek“ in Form einer Zeitleiste angezeigt und können bei Bedarf auch heruntergeladen werden. Unter dem Menüpunkt „Modus“ lassen sich die Kameras manuell oder zeitgesteuert aktivieren und deaktivieren. Gut: Im Zeitplan können bei Bedarf für jeden Wochentag unterschiedliche Einstellungen hinterlegt werden. Als weitere Option steht der Modus „Geofencing“ zur Verfügung, mit dem die Kameras basierend auf den Standortdaten des Smartphones geschaltet werden: Verlässt der Bewohner das Zuhause, wird das System aktiviert, kehrt er nach Hause zurück wird es automatisch deaktiviert. Die Funktion ist aktuell noch als „Beta“ deklariert, hat in unserem Test aber anstandslos funktioniert.

Wichtig zu wissen: Um den Akku nicht zu sehr zu belasten, zeichnen die Arlo-Kameras grundsätzlich nicht kontinuierlich sondern nur im Falle einer registrierten Bewegung oder eines Geräuschs auf, wobei die maximale Aufnahmedauer bei 120 Sekunden liegt. Unabhängig von einer Aufnahme kann der Nutzer bei Bedarf zudem jederzeit ein Live-Bild der Kamera aufrufen.

Weiterhin ermöglicht die App die in der Arlo-Zentrale integrierte Alarmsirene auszulösen – eine sinnvolle Ergänzung, um Einbrecher nicht nur aufzuzeichnen, sondern auch zu verschrecken. Die Sirene ist mit 100 Dezibel ausreichend laut und ließ sich in unserem Test über die App zuverlässig aktivieren und – Gott sei Dank – auch schnell wieder deaktivieren.

Auf der Rückseite der Zentrale befindet sich der Lautsprecher für die Alarmsirene. Die beiden USB-Anschlüsse ermöglichen lokale Backups auf USB-Datenträgern.

Gut gefällt uns, dass die Kamera nicht nur mit der Smartphone-App sondern auch mit jedem Browser unter der Adresse arlo.netgear.com bedient werden kann. Zudem bietet Netgear eine App für den aktuellen Apple TV an, mit der die Videoüberwachung auf den Fernseher geholt wird.

Last but not least unterstützt das Arlo-Sicherheitssystem den Automatisierungsdienst Ifttt und ermöglicht somit die Kombination mit zahlreichen weiteren Smart Home-Geräten und Webdiensten. Wer möchte, kann die Bewegungserkennung der Arlo Pro beispielsweise nutzen, um im „Alarmfall“ automatisch die Beleuchtung im Haus einzuschalten (siehe hierzu den Arlo Channel auf Ifttt). Darüber hinaus sieht es mit der Kompatibilität allerdings recht düster aus: Neben Ifttt wird aktuell lediglich das Samsung SmartThings-System unterstützt. Wünschenswert wäre, wenn Netgear diesbezüglich nachlegt und weitere direkte Integrationen (ohne den Umweg über Ifttt) in die gängigen Smart Home-Systeme mit einem Update nachreichen würde.

Übersicht: Netgear Arlo App

Die wichtigsten Bereiche der Netgear Arlo Smartphone App in der Übersicht (klicken für eine größere Ansicht):

Bild- und Tonqualität

Schade, dass Netgear mit der neuen Kamerageneration die Auflösung nicht erhöht hat – sie liegt weiterhin bei 720p, was HD-Qualität entspricht. Die Bildqualität reicht zwar völlig aus, um die zu überwachenden Bereiche im Blick zu behalten. Um im Fall der Fälle Gesichter besser identifizieren zu können, wäre eine höhere Auflösung aber natürlich wünschenswert. So bietet die Überwachungskamera Netatmo Welcome beispielsweise eine Full HD-Auflösung (1080 Pixel), allerdings benötigt sie im Unterschied zur Arlo Pro auch eine Steckdose.

Insgesamt hat uns die Bildqualität der Arlo Pro in unserem Test aber überzeugt. Auch bei schlechten Lichtverhältnissen sind Details noch gut zu erkennen und selbst bei völliger Dunkelheit liefert die Kamera dank des Infrarotmodus zufriedenstellende Ergebnisse.

Testbild Netgear Arlo Pro

Mit der Netgear Arlo Pro lässt sich beispielsweise unkompliziert das Carport überwachen (klicken für eine größere Ansicht)

Arlo Pro Testbild (Nachtmodus)

Aufnahme bei völliger Dunkelheit: Auch der Nachtmodus liefert ein gutes Bild.

Die Zwei-Wege-Audiofunktion wertet den Funktionsumfang im Vergleich zum Vorgängermodell deutlich auf, ermöglicht sie doch Gespräche mit Personen, die sich in der Nähe der Kamera befinden. So kann man dem Paketboten beispielsweise auch von unterwegs mitteilen, dass er das Paket im Garten oder bei einem bestimmten Nachbarn ablegen soll, unerwünschte Besucher verschrecken und erwünschte Besucher darüber informieren, dass man in ein paar Minuten Zuhause ist. Die Tonqualität ist für solche Anwendungsfälle völlig ausreichend. Die Sprachnachrichten erreichen die Kamera zwar mit einigen Sekunden Verzögerung, was uns im Alltag aber nicht weiter gestört hat.

Hinweis: Wir werden an dieser Stelle in Kürze weitere Testaufnahmen veröffentlichen.

Netgear Arlo Cloud-Dienst

Die aufgezeichneten Videos werden grundsätzlich in der Cloud von Netgear gespeichert – dementsprechend ist eine Registrierung für den Dient auch Voraussetzung, um das Netgear Arlo System nutzen zu können. Das bedeutet auch, dass die Hardware faktisch nutzlos sein würde, sofern der Dienst einmal abgestellt wird – ein Nachteil, den sich Arlo mit vielen weiteren Smart Home-Geräten teilt.

Immerhin bietet die kostenlose Basis-Variante einen Funktionsumfang, der für die meisten Anwender bereits ausreichen dürfte: 7 Tage Videoaufzeichnung in der Cloud und die Unterstützung von bis zu fünf Kameras. Bei Bedarf kann der Funktionsumfang mit dem Premier-Dienst (30 Tage Aufnahmedauer, bis zu 10 Kameras) für 8,99 Euro oder dem Elite-Dienst (60 Tage Aufnahmedauer, bis zu 15 Kameras) für 13,99 Euro erweitert werden.

Zusätzlich kann an die Arlo-Zentrale ein USB-Laufwerk angeschlossen werden, um Backups auch lokal anzulegen. In unserem Test hat das reibungslos funktioniert, an der grundsätzlichen Nutzung der Cloud-Plattform führt aber auch in diesem Fall kein Weg vorbei – vollständig lokal kann das Arlo-System nicht genutzt werden.

Netgear Arlo: Die Preise des Cloud-Dienstes

Vor- und Nachteile im Überblick

Wie gut schlägt sich die Netgear Arlo Pro im Alltagstest? Unsere Erfahrungen können wir wie folgt zusammenfassen.

Vorteile

  • Wetterfestes Gehäuse und Akku ermöglicht flexible Aufstellungsorte
  • Einfacher Einrichtungsvorgang
  • Zwei-Wege-Audiofunktion
  • Hochwertige Verarbeitung der Überwachungskamera
  • Zentrale mit integrierter, lauter Sirene
  • Mit Automatisierungsplattform Ifttt kompatibel
  • USB-Anschluss ermöglicht lokale Datensicherung

Nachteile

  • hoher Preis
  • keine kontinuierliche Aufzeichnung möglich (nur bei Bewegung oder Geräuschen), maximal 120 Sekunden Aufnahmelänge
  • Cloud-Dienst von Netgear muss zwingend genutzt werden (kostenlose Variante ist aber verfügbar)
  • relativ geschlossenes System, lediglich mit Ifttt und Samsung SmartThings kompatibel

Preis

Das von uns getestete Netgear Arlo Pro Sicherheitssystem bestehend aus der Zentrale mit einer Kamera ist für 330 Euro erhältlich, wer sich direkt zwei Kameras anschaffen möchte zahlt für das Paket 560 Euro. Optional können weitere Kameras für recht happige 250 Euro auch einzeln gekauft werden.

Die aktuellen Preise im Überblick:

Netgear Arlo Pro im Test: Unser Fazit

Wer auf der Suche nach einer wirklich kabellosen Überwachungskamera ist, kommt an dem Netgear Arlo System kaum vorbei. Das System ist einfach einzurichten und intuitiv zu bedienen. Die Überwachungskamera liefert eine gute Bildqualität und lässt sich – im Gegensatz zu den meisten Alternativen – flexibel und unkompliziert montieren. Während für das Vorgängermodell relativ teure Batterien gekauft werden müssen, kommt beim Arlo Pro ein Akku zum Einsatz – das schont den Geldbeutel und die Umwelt.

Bei allem Lob gibt es auch Kritik: Zum einen ist das System mit einem Preis von 324 Euro (Paket besteht aus der Zentrale und einer Kamera) wahrlich kein Schnäppchen, zumal für jede weitere Kamera happige 250 Euro fällig werden. Zum anderen wäre es schön, wenn das System auch vollständig lokal und ohne „Cloud-Zwang“ betrieben werden könnte. Immerhin bietet der Cloud-Dienst auch in der kostenlosen Variante einen Funktionsumfang, der für die meisten Anwendungsszenarien ausreichen dürfte.

Insgesamt kann uns das Arlo Pro-System trotz des recht hohen Preises überzeugen: Die Kameras sind solide verarbeitet, die App lässt sich einfach bedienen und das System funktionierte in unserem Test absolut zuverlässig.

Netgear Arlo Pro: Das sind die Alternativen

  • Wer auf die Zwei-Wege-Audiofunktion und die Sirene verzichten kann, greift zum wesentlich günstigeren Vorgängermodell Netgear Arlo*, das bereits für rund 170 Euro erhältlich ist. Im Vergleich zur Pro-Variante werden die Kameras allerdings mit Batterien und nicht mit einem Akku betrieben. Mehr dazu in unserem Netgear Arlo Testbericht.
  • Netatmo Presence* ist eine Outdoor-Überwachungskamera, die mit einem integrierten Flutlicht ausgerüstet ist und zwischen Menschen, Tieren und Fahrzeugen unterscheiden kann. Die Kamera ist aktuell für 263 Euro erhältlich. Mehr dazu in unserem Netatmo Presence Test.
8.2 Empfehlenswert

Arlo Pro lässt sich sehr einfach einrichten und bedienen. Gut gefällt uns, dass die Stromversorgung jetzt mit Akku anstatt mit Batterien wie beim Vorgänger erfolgt. Insgesamt ein überzeugendes Sicherheitssystem, das allerdings seinen Preis hat.

  • Einrichtung 10
  • Bedienung 9
  • Design & Verarbeitung 8
  • Funktionsumfang 8
  • Preis-Leistung 6
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4 Kommentare

  1. Pingback: Netgear Arlo: Neue Pro-Version der kabellosen Überwachungskamera ab sofort erhältlich - housecontrollers

  2. RasenderHarry am

    Zeichnet die Kamera erst auf, wenn sie eine Bewegung erkennt? Soweit ich weiß, zeichnet die Netatmo Presence dauernd auf und überschreibt – so können aber Personen rechtzeitig aufgenommen werden. Sollte dies bei der Arlo nicht sein, könnte es für schnell bewegliche Personen mit der Aufzeichnung schon zu spät sein. Kannst du dazu mal etwas sagen. Danke.

    • Das ist richtig. Die Netgear Arlo Pro zeichnet erst auf, nachdem ein Geräusch oder eine Bewegung registriert wurde. Siehe oben:

      „Wichtig zu wissen: Um den Akku nicht zu sehr zu belasten, zeichnen die Arlo-Kameras grundsätzlich nicht kontinuierlich sondern nur im Falle einer registrierten Bewegung oder eines Geräuschs auf, wobei die maximale Aufnahmedauer bei 120 Sekunden liegt. Unabhängig von einer Aufnahme kann der Nutzer bei Bedarf zudem jederzeit ein Live-Bild der Kamera aufrufen.“

      In unserem bisherigen Tests wurde die Aufzeichnung der Arlo Pro immer rechtzeitig aktiviert, wir werden das aber noch einmal unter die Lupe nehmen.

  3. Garage_7 am

    Schöner Test. Eine wichtige Sache wurde aber nicht erwähnt: wie sieht es mit dem Akku aus? Wie lange hält er durch, macht sich ein leerer Akku bemerkbar, sieht man die Restlaufzeit, wie lange dauert das aufladen?

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