Nest Protect im Test: Eleganter Rauchmelder für das Smart Home

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Rauchmelder können bekanntlich Leben retten und sind in immer mehr Bundesländern gesetzlich vorgeschrieben. Der sprechende Rauchmelder Nest Protect gehört zu den elegantesten Vertretern seiner Art und wartet mit diversen Zusatzfunktionen auf. In unserem Test erläutern wir die Vor- und Nachteile des Geräts.

Erster Eindruck und Inbetriebnahme

Gute Rauchmelder sind bereits für rund 20 Euro zu haben und verrichten zuverlässig ihren Dienst. So kostet der Stiftung Warentest Testsieger (Test 1/2016) Ei Electronics EI650* (Amazon-Link) beispielsweise aktuell rund 22 Euro. Die von uns getestete zweite Generation des Nest Protect* (Amazon-Link) spielt mit einem Preis von 120 Euro in einer anderen Liga, bietet dafür aber auch diverse Zusatzfunktionen und ein ansprechendes Design – letzteres fällt direkt nach dem Auspacken ins Auge.

 

Nest Protect Lieferumfang

Im Lieferumfang befinden sich neben dem Nest Protect die Montageplatte und Anleitungen zur Montage und Nutzung des Rauchmelders.

Das Gerät besitzt ein schlichtes, elegantes Gehäuse, das mit den Abmessungen von 13,5 x 13,5 x 3,9 Zentimetern zwar etwas klobig wirkt, sich aber insgesamt aufgrund des schlichten Designs gut in den Wohnbereich einfügt. Der Protect wird mit sechs AA-Batterien betrieben. Die Laufzeit der Batterien tragen wir an dieser Stelle nach, sobald uns die Werte aus unserem Langzeittest vorliegen.

Der Einrichtungsvorgang gestaltet sich erfreulich unkompliziert und war in weniger als fünf Minuten erledigt.

Nest Protect: Einrichtung des Rauchmelders

  1. Nest App herunterladen (erhältlich für Android und iOS)
  2. Kostenloses Nest-Konto einrichten (entweder direkt in der App oder auf der Nest-Website)
  3. Schritt-für-Schritt Einrichtungsprozess in der App durchlaufen: Der Nest Protect wird mit dem eigenen Konto verknüpft, indem der QR-Code auf der Rückseite des Geräts mit der Nest App abfotografiert wird.
  4. Die WLAN-Zugangsdaten müssen in der App hinterlegt werden, damit sich der Rauchmelder mit dem heimischen Netz verbinden kann.
  5. Abschließend muss der Rauchmelder an der Decke montiert werden, was dank der mitgelieferten Montageplatte schnell und unkompliziert erledigt ist.

Die Nest Protect Smartphone-App führt in wenigen Schritten durch den Einrichtungsvorgang.

 

Wichtig zu wissen: Der Rauchmelder funktioniert natürlich auch im Falle eines Strom– oder Internetausfalls und alarmiert mit einem lauten Signalton über die Gefahr. Die Verbindung via WLAN wird benötigt, damit der Rauchmelder mit der App konfiguriert werden kann und im Falle eines Alarms eine Nachricht auf das verbundene Smartphone schicken kann.

Gut gefällt uns, dass der Nest Protect mit einem kostenlosen Nest-Konto ohne Einschränkungen genutzt werden kann – im Gegensatz zu den Überwachungskameras des gleichen Herstellers (unser Test), die zur Nutzung diverser Zusatzfunktionen ein kostenpflichtiges Nest Aware Abo voraussetzen.

Die kostenlose Registrierung ist allerdings erforderlich, da der Rauchmelder andernfalls keinerlei Zusatzfunktionen und somit keinen Mehrwert im Vergleich zu einem “klassischen” Rauchmelder bieten würde. Das Unternehmen Nest wurde 2013 von Google übernommen und ist somit eine Schwestergesellschaft von Google, beziehungsweise Teil der Alphabet-Holding, was von einigen Beobachtern mit Blick auf den Datenschutz kritisch gesehen wird. Nest betont auf seiner Website, das kein Datenaustausch mit Google oder den weiteren Alphabet-Unternehmen stattfinden würde:

Als Tochtergesellschaft von Alphabet gehört Nest zu Google, agiert aber unabhängig von den übrigen Google-Unternehmen.

[…]

Wir erfassen nur Daten, die unserer Ansicht nach nötig sind, um die Funktionalität deiner Nest-Produkte zu verbessern – beispielsweise Daten, die dir beim Energiesparen helfen, deine Sicherheit gewährleisten oder dich unterwegs über dein Zuhause informieren.

Inwieweit man dieser Aussage vertrauen kann, muss letztendlich jeder Anwender für sich entscheiden – was natürlich für sämtliche Produkte der großen Tech-Konzerne gilt.

Nest Protect im Test

Der Nest Protect ist relativ groß, fügt sich aber dennoch gut in den Wohnbereich ein.

Funktionsumfang und Bedienung

Nest Protect erkennt laut dem Hersteller sowohl schnell brennendes Feuer als auch langsame Schwelbrände. Darüber hinaus besitzt das Gerät einen Kohlenmonoxid (CO)-Sensor. Kohlenmonoxid entsteht, wenn bei der Verbrennung von Holz, Öl oder Erdgas nicht genügend Sauerstoff vorhanden ist. Das Gas breitet sich langsam, farb- und geruchslos aus und kann zu tödlichen Vergiftungen führen. 

Der Nest Protect bietet im Vergleich zu den günstigen Rauchmeldern aus dem Baumarkt diverse “intelligente” Benachrichtigungs- und Alarmierungsfunktionen. Das Gerät versucht Fehlalarme zu vermeiden, indem mit zwei Warnstufen gearbeitet wird. Wenn beispielsweise Rauch von dem Grill auf dem Balkon in das Haus zieht, ertönt nicht direkt der schrille Alarm. Stattdessen warnt der Protect zunächst mit einer Stimme (“Vorsicht, im Raum Wohnzimmer wurde Rauch erkannt. Möglicherweise ertönt ein Alarm”). Werden mehrere Geräte im Haus eingesetzt, informiert der Rauchmelder mit einer Sprachansage darüber, in welchem Raum die Gefahr festgestellt wurde – zum Beispiel mit dem Hinweis “Rauch im Schlafzimmer festgestellt”. Die Sprachansagen waren in unserem Test klar und deutlich zu verstehen.

Automatische Systemtests sollen sicherstellen, dass der Protect im Fall der Fälle auch tatsächlich funktioniert. Hierfür testet das Gerät laut dem Hersteller mehr als 400-mal am Tag seine Batterien und Sensoren. Zusätzlich wird einmal im Monat ein kurzer “Soundcheck” durchgeführt, um die integrierte Sirene zu testen. Der Zeitpunkt des Checks kann in der App eingestellt werden, hier lässt sich er sich auf Wunsch auch vollständig deaktivieren.

Der Rauchmelder ist mit einem LED-Ring ausgestattet, der über den Status des Rauchmelders informiert. So leuchtet der Ring beim Ausschalten des Lichts grün auf und signalisiert so, dass alles in Ordnung ist. Bei einer kleinen Menge an Rauch, zum Beispiel wenn ein Toast verbrennt, warnt der Rauchmelder mit einem gelben LED-Ring und einer Sprachansage.  Wenn die Rauch- oder Kohlenmonoxidkonzentration ein kritisches Niveau erreicht, wird die Sirene ausgelöst und der LED-Ring leuchtet rot. Zusätzlich wird angesagt, in welchem Raum der Notfall vorliegt. Nest Protect kann zudem als Bewegungsmelder eingesetzt werden: Wird nachts eine Bewegung erfasst, leuchtet der integrierte LED-Ring auf, um beispielsweise den dunklen Flur auszuleuchten. Auch diese Funktion lässt sich in der App bei Bedarf abschalten.

Ein gut sichtbarer LED-Ring informiert über den Status des Nest Protect.

Apropos Smartphone-App: Mit selbiger wird der Nutzer im Alarmfall benachrichtigt, wobei neben der Alarmierung auch angezeigt wird, wie im Notfall sicher das Haus verlassen werden kann. Zudem lässt sich ein Notfallkontakt hinterlegen, damit die Daten schnell auffindbar sind. Die App kann zudem genutzt werden, um einen Alarm mit wenigen Taps auszuschalten.

Nest Protect: Der Rauchmelder im Smart Home

Nest Protect ist von Haus aus mit diversen weiteren Smart Home-Geräten und Plattformen kompatibel (“Works with Nest”). So versteht sich der Melder beispielsweise mit den Beleuchtungssystemen Philips Hue und Lifx, um im Alarmfall automatisch im gesamten Haus das Licht einzuschalten. Dank der Anbindung an die Home Connect-Plattform lassen sich kompatible Hausgeräte aus der Ferne abschalten, wenn Zuhause eine Rauchentwicklung festgestellt wird. Wenig überraschend versteht sich das Gerät auch mit der Überwachungskamera Nest Cam. Die Kamera beginnt im Alarmfall automatisch mit der Aufnahme und sendet einen Videoclip auf das Smartphone des Anwenders.

Fast schon obligatorisch für Smart Home-Geräte ist die Anbindung an die Automatisierungsplattform Ifttt. In unserem Test ließ sich der Protect grundsätzlich unkompliziert mit weiteren Ifttt-kompatiblen Geräten verknüpfen (siehe Nest Protect auf Ifttt). Da es bei der Nutzung von Ifttt aber häufig zu Verzögerungen kommt, empfiehlt es sich, nach Möglichkeit die direkten Integrationsmöglichkeiten des “Works with Nest”-Programms zu nutzen, um beispielsweise die Philips Hue Lampen über den Nest Protect anzusteuern – schließlich zählt im Alarmfall jede Sekunde.

Angesichts des hohen Preises von rund 120 Euro finden wir es schade, dass die Anwendungsmöglichkeiten trotz der vielen nützlichen Zusatzfunktionen letztendlich überschaubar sind: Mit den Funktionen ist der Nest Protect ohne Frage einer “smarter Rauchmelder”, er könnte er aber noch viel mehr sein. Vorstellbar wäre beispielsweise die Nutzung als Alarmanlage, immerhin befinden sich ein Bewegungsmelder (zur Aktivierung der Nachtlicht-Funktion) und ein Lautsprecher ohnehin bereits an Bord. Solche oder ähnliche Funktionen, die Nest mit einem Software-Update nachreichen könnte, würden den hohen Anschaffungspreis relativieren.

Vor- und Nachteile im Überblick

Vorteile

  • zuverlässige Alarmfunktion
  • einfache Einrichtung und Bedienung
  • sinnvolle Funktionen wie Sprachansagen, Selbsttest und Nachtlicht
  • ansprechendes Design

Nachteile

  • hoher Preis
  • relativ große Abmessungen
  • Anwendungsmöglichkeiten könnten mit Software-Update erweitert werden (z.B. Alarmanlagen-Funktion)

Preis und Verfügbarkeit

Der Nest Protect ist im Handel für rund 120 Euro erhältlich: Nest Protect 2. Generation Rauch- und CO-Melder bei Amazon*.

  

Nest Protect Rauchmelder im Test: Unser Fazit

Der Nest Protect konnte in unserem Test mit einem sehr einfachen Einrichtungsvorgang und einer intuitiven Bedienung überzeugen. Der Rauchmelder arbeitet zuverlässig und lässt sich mit weiteren Smart Home-Geräten verbinden, zum Beispielsweise im Alarmfall die Beleuchtung einzuschalten.

Für den Komfort muss der Käufer allerdings tief in die Tasche greifen, zumal in der Regel mehrere Rauchmelder benötigt werden, um sämtliche Räume abzudecken. Wünschenswert wäre, wenn Nest den Funktionsumfang mit künftigen Updates erweitern würde. Mit Blick auf die Hardware (Bewegungsmelder, Mikrofon, Lautsprecher etc.) wird das Potenzial des Rauchmelders aktuell noch nicht ausgeschöpft. Abgesehen davon ist der Nest Protect ein eleganter “Premium-Rauchmelder” mit praktischen und durchdachten Funktionen.

Nest Protect: Das sind die Alternativen

  • Netatmo hat für die zweite Jahreshälfte 2017 einen vernetzten Rauchmelder angekündigt, der mit Apples Smart Home-Plattform HomeKit sowie der Automatisierungsplattform Ifttt kompatibel sein wird: Netatmo bringt vernetzten Rauchmelder und Alarmsirene
  • Eine weitere Alternative stellen die Rauchmelder der gängigen Smart Home-Systeme dar. Für Systeme wie Devolo Home Control oder Magenta SmartHome sind Rauchmelder erhältlich, die sich genau wie Nest Protect über eine App konfigurieren lassen. Die Rauchmelder liegen preislich bei rund 50 Euro und sind somit deutlich günstiger als der Nest Protect. Auf Zusatzfunktionen wie Sprachansagen oder eine Nachtlicht-Funktion muss der Käufer bei diesen Alternativen allerdings verzichten.

Nest Protect im Test

7.8 Gut aber teuer

Nest Protect ist ein eleganter Rauchmelder mit praktischen Funktionen, der sich mit weiteren Smart Home-Geräten sinnvoll vernetzten lässt. Angesichts des hohen Preises sollte der Hersteller weitere Zusatzfunktionen mit künftigen Updates ergänzen.

  • Einrichtung 10
  • Bedienung 9
  • Design & Verarbeitung 8
  • Funktionsumfang 6
  • Preis-Leistung 6
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7 Kommentare

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  3. Hi, Bosch bringt mit seiner Smart Home Serie einen ähnlichen Sensor auf den Markt. Dieser soll soweit ich es sehe auch die Luftqualität messen können. Gibt es hierzu schon eine Bewertung? Danke

  4. Schöner Test. Danke euch. Hab den Nest Protect auch seit kurzem und kann alles so bestätigen.

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