Philips Hue Test: Farbenfrohe LED-Lampen mit Smartphone-Anbindung

0
“170 Euro für drei Glühbirnen!?“ Das dürfte häufig die erste Reaktion von denjenigen sein, die sich mit dem Philips Hue Lichtsystem beschäftigen. Der Preis ist in der Tat alles andere als ein Schnäppchen – lohnt sich der Kauf dennoch?

In unserem Philips Hue Testbericht erläutern wir die Vor- und Nachteile der Philips Lampen, die via Smartphone gesteuert werden und in verschiedenen Farben leuchten können. Dafür haben wir uns das Connected Bulb Starterpaket genauer angesehen.

Erster Eindruck & Verarbeitung

Der erste Eindruck zählt – das hat sich offenbar auch Philips bei der Gestaltung der Hue-Verpackung gedacht. Die LED-Lampen sind optisch ansprechend verpackt. Ein nettes Detail: Mit einem Drehrad an der Verpackung kann die Leuchtfarbe der (abgebildeten) Lampe schon vor dem Öffnen der Verpackung verändert werden.

Philips Hue Paket

Ein nettes Gimmick: Die Farbe der abgebildeten Hue-Lampe lässt sich mit dem Drehrad verändern.

In dem  Philips Hue Connected Bulb Startpaket befindet sich die zentrale Steuerungseinheit Hue Bridge, drei LED-Lampen (kompatibel mit jeder Fassung vom Typ E26 oder E27) und ein LAN-Kabel zur Verbindung der Hue-Bridge mit dem Router.

Die Verarbeitungsqualität der Lampen und der „Hue Bridge“ überzeugt ebenfalls, was man angesichts des recht hohen Kaufpreises aber auch erwarten darf.

Hue Paket mit drei Lampen und Bridge

Das Hue Starterpaket enthält drei LED-Lampen und die Steuerungseinheit (“Hue Bridge”).

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme ist denkbar unkompliziert: Die drei Lampen werden in die gewünschten Fassungen geschraubt und eingeschaltet. Anschließend muss die Hue Bridge mit Strom und mit dem Router verbunden werden. Danach wird der Knopf auf der Hue Bridge gedrückt, um ein iOS Gerät mit dem Hue-System zu verbinden. Damit die Steuerung auch von unterwegs aus möglich ist, muss außerdem noch ein kostenloser Account bei Philips eingerichtet werden.

Die notwendigen Schritte sind in wenigen Minuten erledigt und anschließend ist das System auch schon einsatzbereit.

Hue Bridge

Die “Hue Bridge” wird mit dem WLAN-Router verbunden und übernimmt anschließend die Steuerung der Lampen.

Anwendungsmöglichkeiten des Philips Hue Systems

Was lässt sich mit dem System anstellen? Zunächst erhält man mit dem Starterpaket drei LED-Lampen, die in beliebigen Farben leuchten können und laut Philips 80% weniger Strom als herkömmliche Lampen verbrauchen. Die Lampen können mit der offiziellen Philips Hue App angesprochen werden, die für Apple iOS und Android Smartphones kostenlos erhältlich ist (Download: iOS / Android). Die Steuerung funktioniert nicht nur im heimischen WLAN, sondern auch von unterwegs, was dann nützlich sein kann, wenn man vergessen hat das Licht auszuschalten oder zu Hause die Anwesenheit von Personen simulieren möchte, um Einbrecher abzuschrecken.

Philips Hue Lampen im Einsatz

Alles so schön bunt hier: Die Farben der Hue-Lampen lässt sich nach Belieben auswählen.

Über die App können verschiedene Lichtszenen (Sunset, Deep Sea, Beach, Ski, Konzentrieren, Beruhigen etc.) ausgewählt werden, mit denen die Lampen voreingestellte Farb- und Helligkeitswerte einnehmen. Wer möchte, kann die Szenen anpassen oder neue Szenen erstellen. Dafür können Farbwerte aus eigenen Fotos ausgewählt und den jeweiligen Lampen zugeordnet werden.

Screenshot: Hue App

Mit der App können frei konfigurierbare Licht-Szenen aktiviert werden.

Praktisch ist die Möglichkeit, Zeitprofile zu hinterlegen. So kann das Licht automatisch heruntergedimmt werden, wenn die Lieblingsserie beginnt. Mittels „Geofencing“ können die LED-Lampen weiter automatisiert werden: Die Funktion sorgt dafür, dass die Lampen automatisch eingeschaltet werden, sobald Ihr Euch Eurem Haus nähert.

Die Steuerung über die App hat in unserem Test zuverlässig funktioniert. Neben der App können die Lampen auch über die Website meethue.com geschaltet werden. Auch dieser Weg hat problemlos funktioniert.

Ein Haken hat das System allerdings: Wird eine Lampe mit einem Schalter vom Stromnetz getrennt, kann sie (logischerweise) über Hue nicht eingeschaltet werden. Die LED-Lampen können also nur dann über Hue eingeschaltet werden, wenn sie zuvor über Hue auch ausgeschaltet wurden.

Zumindest umgekehrt lassen sich die Lampen problemlos schalten: Genau wie vor der Installation des Hue-Systems können die Lampen über die Lichtschalter ein- und ausgeschaltet werden, wobei sie immer in einem normalen Weißton leuchten. Eine sinnvolle Eingeschaft, schließlich kann und möchte man nicht in jeder Situation zum Smartphone greifen und die Hue App öffnen, um das Licht einzuschalten.

Philips Hue: Apps, Schnittstellen und Integrationsmöglichkeiten

Philips hat vor einiger Zeit die Programmierschnittstelle für das Hue-System geöffnet. Ein Schritt, der zu vielen neuen Anwendungsmöglichkeiten und zahlreichen Apps von Drittentwicklern geführt hat.

Exemplarisch kann hier beispielsweise die App Ambify aufgeführt werden, mit der die Lampen im Rhythmus der Musik blinken und die Farben wechseln.

Besitzer eines Philips-Fernsehers mit Ambilight können die offizielle App „Ambilight+hue“ laden, mit der sich der Fernseher mit dem Hue-System verbinden lässt und angeschlossene Lampen die Lichtverhältnisse des TVs übernehmen. Während des Tatort-Intros leuchtet dann das gesamte Zimmer rot.

Mit der Anbindung des Webdienstes IFTTT (“If this than that”) an das Hue-System sind zahlreiche neue Anwendungsmöglichkeiten der WLAN-Lampen entstanden. Mit dem Onlinedienst lassen sich zahlreiche Onlinedienste und Applikationen miteinander verknüpfen und automatisieren. Zur Auswahl stehen beispielsweise Wetterinformationen, Aktienkurse, Email, Twitter oder Foursquare – und eben das Philips Hue System.

Wer möchte, kann seine LED-Lampen dank IFTTT beispielsweise blau leuchten lassen, wenn es anfängt zu regnen (“If it begins to rain then change the light colors to blue“). Möglich wäre auch die Anbindung an den eignen Gmail-Account, damit beim Eintreffen einer neuen E-Mail die Lampen kurz blinken (wenngleich dadurch bei einem größeren E-Mail-Aufkommen schnell ein Stroboskop-ähnlicher Effekt entstehen kann…).

lampe-blau

Beleuchtung als Wetterbericht: Die Lampe leuchtet blau, es wird also Regen geben.

Weiterhin können die Lampen beispielsweise bestimmte Farben annehmen, wenn der Kurs einer bestimmten Aktie über einen gewissen Wert steigt oder fällt, die Sonne auf- oder untergeht oder eine bestimmte Temperatur erreicht oder unterschritten wird. Ihr seht schon: Es gibt zahllose Möglichkeiten. Wer sich für die Anbindung der Hue Lampen an IFTTT interessiert, kann einen Blick auf die über 800 Verknüpfungen werfen, die IFTTT-Nutzer bislang für das Hue-System angelegt haben.

Erweiterungsmöglichkeiten: Mehr Lampen für Hue

Vor einigen Monaten hat Philips das Leuchtband Friends of Hue LightStrips vorgestellt, das für rund 90 Euro erhältlich ist. Der zwei Meter lange LED-Leuchtstreifen bietet eine Lichtleistung von 120 Lumen. Außerdem hat der Hersteller kürzlich GU10 Spots auf den Markt gebracht, die für Einbaustrahler gedacht sind und eine Leuchtkraft von 630 Lumen bieten – damit sind sie die hellsten Hue-Lampen, die bislang erhältlich sind. Die Spots kosten rund 60 Euro pro Stück. Helligkeit und Farbwerte lassen sich natürlich auch bei diesen beiden Lampen über die App steuern. Neben den Lampen ist diverses weiteres Philips Hue Zubehör, wie zum Beispiel der Hue Bewegungsmelder und der Hue Dimming Schalter, erhältlich.

Vor- und Nachteile des Philips Hue Systems

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die wesentlichen Argumente, die für oder gegen die Anschaffung des Hue-Systems sprechen.

Vorteile

  • unkomplizierte Einrichtung
  • einfache Bedienung mit der Hue App für iOS und Android
  • offene Schnittstelle: Diverse Apps von Drittentwicklern und Integrationsmöglichkeit in iFTTT schaffen neue Möglichkeiten
  • hohe Leuchtkraft der LED-Lampen (600 Lumen)
  • Lampen können zahlreiche Farbvarianten darstellen
  • hochwertige Verarbeitung
  • geringer Stromverbrauch: Laut dem Hersteller 80% geringer im Vergleich zu herkömmlichen Lampen

Nachteile

  • hoher Preis: 200 Euro für das Starterpaket, jede weitere Lampe kostet rund 60 Euro
  • wird eine Lampe über den Netzschalter vom Strom getrennt, kann sie über die Hue App nicht eingeschaltet werden

Günstigere Hue Alternativen

Wer von den Möglichkeiten, die das Hue-System bietet, grundsätzlich angetan aber nicht bereit ist 200 Euro auszugeben, sollte einen Blick auf die Philips Hue Alternative Osram Lightify werfen, die grundsätzlich einen ähnlichen Funktionsumfang bieten. Das Starterpaket inklusive Steuerungseinheit ist schon für 60 Euro zu haben. Klarer Nachteil: Im Gegensatz zu Philips Hue bietet Osram Lightify weniger Schnittstellen zu weiteren Apps und Smart Home-Diensten.

Preise und Bezugsmöglichkeiten

Die Philips Hue Lampen wurden lange exklusiv über die Apple Stores und den Apple Online Store vertrieben, sind aber mittlerweile auch bei diversen anderen Shops, wie beispielsweise Amazon*, erhältlich. Das von uns getestete Philips Hue Starterpaket* (bestehend aus der Steuerungseinheit und drei LED-Lampen) ist für rund 170 Euro erhältlich. Eine weitere Lampe kostet rund 60 Euro.

Philips Hue im Test: Unser Fazit

Uns haben die WLAN-Lampen von Philips insgesamt überzeugt: Einrichtung und Bedienung sind absolut unkompliziert. Die unterschiedlichen Farbvarianten bringen Abwechslung in das Wohnzimmer und ermöglichen es, das Licht der jeweiligen Situation anzupassen: Helles Licht zum Lesen, gedimmtes Licht für den TV-Abend und eine bunte Beleuchtung für die Party.

Praktisch finden wir zudem, dass sich alle Lichtszenen mit einer Zeitsteuerung versehen lassen. Die Anbindung an den Webdienst IFTTT schafft viele weitere Anwendungsmöglichkeiten.

Ein großer Wermutstropfen ist allerdings der hohe Preis, der viele Käufer abschrecken dürfte. Wer auf die Anbindung an IFTTT verzichten und mit einem etwas eingeschränkteren Funktionsumfang leben kann, sollte sich die oben erwähnten Osram Lightify als Alternative anschauen.

Update (19.02.2016): Wir haben die neue Version der Philips Hue Bridge 2.0 mit Apple HomeKit / Siri getestet: Philips Hue: Bridge 2.0 mit Apple HomeKit im Test

Philips Hue im Test

6.8 Philips Hue überzeugt in unserem Test, wenngleich der Preis zu hoch angesetzt ist.
  • Einrichtung 6
  • Bedienung 8
  • Funktionsumfang 7
  • Design 9
  • Preis-Leistung 4
Teilen:

Beitrag kommentieren

Dein Smart Home Newsletter – jetzt gratis anfordern!

Erhalte einmal pro Monat die wichtigsten Smart Home News und Testberichte.

Du kannst Dich jederzeit wieder abmelden.