Sowohl über Philips Hue als auch über Osram Lightify haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach berichtet. Bei beiden Systemen handelt es sich um verschiedene per Smartphone steuerbare Lampen, die über eine Bridge (zentrale Steuereinheit) mit dem Internet / WLAN verbunden werden können. Während Philips Hue bereits seit 2012 auf dem Markt ist, hat Osram zwei Jahre später ihr ähnliches Produkt “Lightify” auf den Markt gebracht. Wir haben beide Systeme über viele Wochen ausführlich getestet und stellen die Unterschiede und Alltagstauglichkeit in diesem Artikel vor. Der Philips-Hue Test wurde noch mit der vorherigen Version der Bridge durchgeführt, jedoch ist die Funktionalität (abgesehen von der neuen Unterstützung von Apple Homekit) bei der neuen und alten Version der Hue-Bridge identisch.

Philips Hue

Philips Hue ist in verschiedenen Sets erhältlich, die jeweils die Hue-“Bridge” als zentrale Basis und LED-Lampen enthalten. Besitzt man bereits die Hue Bridge, so kann man das System durch verschiedene Erweiterungs-Sets ausbauen. Während die Bridge anfangs nur im Set mit Leuchtmitteln verkauft wurde, ist die neue Version der Zentrale mittlerweile für rund 50€ auch einzeln erhältlich. Der Preis für das Hue Starter-Paket mit Bridge und 3 LED-Lampen (E27, farbig) liegt bei 160€, einzelne Lampen kosten als E27 ab 20€ (Weiß) bzw. 55€ für die farbige Version. Auswahl und Preise der Leuchtmittel und Lampen für Philips Hue (Stand 05/2016):
  • LED-Lampe für E27-Fassung – Philips Hue (farbig, ca. 55€*) oder als Hue White (Weiß, dimmbar ca. 20€*)
  • LED-Lampe für GU10-Sockel (farbig, ca. 60€)
  • Philips Hue Beyond Tischleuchte (farbig, ca. 300€*)
  • Philips Hue Beyond Deckenleuchte (farbig, ca. 410€*) oder Pendel-Leuchte (farbig, ca. 500€*)
  • Philips Hue Deckenleuchte Being (Weiß, ca. 140€*)
  • Philips “Friends of Hue” LightStrips* LED-“Lichterkette” (farbig, ca. 60€*)
  • Verschiedene LED-Lampen “Living Colors – Friends of Hue*” oder die älteren “Living Colors”-Lampen

Installation und Einrichtung

Die Einrichtung von Philips Hue ist simpel: Die Bridge wird über ein Netzwerkkabel (kein WLAN) mit dem Router verbunden und die App aus dem Android- oder Apple Store auf das Smartphone geladen.  Nach dem Start sucht die App automatisch nach der Bridge im eigenen Netzwerk und zeigt bei Erfolg den nächsten und letzten Einrichtungsschritt an. Dieser besteht lediglich aus einem Knopfdruck an der Bridge, der die Verbindung zwischen App und Bridge herstellt. Anschließend können direkt die Lampen gesteuert bzw. Lampen hinzugefügt werden. Möchte man die Lampen auch von unterwegs, also außerhalb des eigenen Netzwerkes steuern, so muss man sich ein Konto bei meethue.com einrichten und sich in der Hue-App mit diesem Konto einloggen. Somit funktioniert Philips Hue aber grundsätzlich auch ohne Verbindung ins Internet.
Philips Hue bridge 2.0
Philips Hue Bridge 2.0
Die verbundenen Lampen lassen sich bei Hue in Szenen oder einzeln steuern. So kann man z.B. eine Szene “Fernsehen” anlegen, die bestimmte Lampen auf eine geringe Helligkeit und bestimmte Farben einstellt, andere Lampen aber ausgeschaltet lässt. Auch eventuell vorhandene Living Colors Lampen können in Szenen genutzt werden. Außerdem können Lampen automatisch durch einstellbare “Routinen” gesteuert werden – so ist es z.B. möglich bestimmte Lampen zum Aufwachen heller werden zu lassen (ähnlich Wake-Up-Light bei Osram, allerdings bei Hue ohne Veränderung der Farbtemperatur) oder Lampen beim Verlassen oder bei der Ankunft im Wohnbereich aus- oder einschalten zu lassen, was bei Osram Lightify noch nicht möglich ist.

Betrieb in der Praxis

Wir nutzen Philips Hue in Verbindung mit 3 Living Colors-Lampen (3. Generation), einer Philips Hue Lux (Weiß, nicht mehr erhältlich), einer Osram Lightify-Deckenleuchte und einer Osram Lightify-RGBW-Lampe (E27). Zusätzlich haben wir die farbigen Philips Hue Lampen ausprobiert. Die oben genannte Kombination funktioniert im Alltag sehr zuverlässig – obwohl wir auch Lampen eines anderen Herstellers (Osram) integriert haben (beide Systeme nutzen ZigBee Light Link). Wie man Living Colors Lampen mit Hue verbindet haben wir bereits in einem älteren Beitrag beschrieben – wir mussten den Vorgang zwei Mal wiederholen, da zunächst einzelne Living-Colors Lampen mit der Fernbedienung manchmal nicht gesteuert werden konnten. Die Steuerung der Lampen per App macht keinerlei Probleme und funktioniert sehr zuverlässig. Leider haben wir keine Möglichkeit gefunden auch die Osram Lampen mit der Living Colors Fernbedienung zu verbinden. Damit kommen wir zu einem “Nachteil” beider Systeme – zumindest aus unserer Sicht. Die Steuerung der Lampen per App funktioniert gut, aber im Alltag nervt es ein wenig für Änderungen der Beleuchtung immer zum Smartphone greifen zu müssen und die App zu starten. Immerhin gibt es mittlerweile sowohl für Philips Hue als auch für Osram Lightify Widgets, die es ermöglichen vordefinierte Einstellungen / Beleuchtungs-Szenen schneller am Smartphone aufzurufen – dennoch nutzen wir meistens die Fernbedienung der Living Colors Lampen oder den Philips Hue Lichtschalter zur Änderung der Helligkeit oder zum Aus- und Einschalten der Beleuchtung. Bei beiden Systemen können die Lampen natürlich auch weiterhin über den normalen Lichtschalter ein- und ausgeschaltet werden. Wurden die Lampen über den herkömmlichen Lichtschalter vom Strom getrennt, können sie natürlich nicht mehr über die App eingeschaltet werden.
Philips Hue App - Stand 2016
Philips Hue App – Stand Mai 2016

Vorteile von Philips Hue gegenüber Osram Lightify:

  • Kompatibel mit Philips Living Colors Lampen und deren Fernbedienung
  • Viele Apps von Drittanbietern
  • Kann mit IFTTT verbunden werden
  • Sprachsteuerung mit Siri möglich (benötigt Hue Bridge 2.0)
  • Kann (begrenzt) mit Logitech Harmony Fernbedienung gesteuert werden (keine Szenen)
  • Kompatibel mit diversen Smart Home Systemen wie RWE Smarthome, Digitalstrom und Qivicon
  • Lampen lassen sich auch via Browser steuern (Konto bei meethue.com vorausgesetzt)
  • App wird regelmäßig aktualisiert und um neue Funktionen ergänzt

Nachteile:

  • etwas höherer Preis als Osram Lightify (je nach Lampe/Set)
  • (noch) keine Produkte für den Außenbereich (Update 20.03.2018: Ab Juli 2018 wird Gartenbeleuchtung für Philips Hue erhältlich sein)

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Osram Lightify

Ähnlich wie Philips Hue besteht das System von Osram ebenfalls aus einer Bridge/Gateway, das jedoch anders als Philips Hue direkt in eine Steckdose gesteckt wird und ausschließlich per WLAN mit dem Netzwerk kommuniziert – ein Anschluss für ein Netzwerkkabel ist nicht vorhanden. Das Osram Lightify Gateway kostet einzeln ca. 35€, Lampen kosten ab ca. 26€ (Weiß) bzw. 42€ für die farbige Version (E27). Auswahl der Leuchtmittel und Lampen für Osram Lightify (Stand 05/2016):
  • E27-Fassung – Osram Lightify Classic (Einstellbares Weiß ab ca. 26€* oder farbig ab ca. 32€*) Vorsicht bei der Bestellung – bei beiden Varianten steht bei Amazon “Classic, RGBW”. Bei der Variante, die nur Weiß leuchtet, steht jedoch zusätzlich “dimmbar, weiß” in der Bezeichnung.
  • GU10-Lampensockel (nur einstellbares Weiß, ab ca. 27€*)
  • Lightify “Surface Light*” Deckenleuchte (nur einstellbares Weiß, ab ca. 100€*)
  • Lightify “Downlight*” GU10 Einbauleuchte für Decke/Wand  (nur einstellbares Weiß, ab ca. 33€*)
  • Lightify “Gardenspot*” – Gartenspots (farbig, ab ca. 65€*)
  • Lightify Flex – “Lichterkette” (farbig, ab ca. 50€*)

Installation und Einrichtung

Die Einrichtung von Lightify ist ähnlich einfach wie bei Philips Hue, benötigt jedoch aufgrund der WLAN-Verbindung mehr Schritte. Zunächst installiert man die Lightify-App auf dem Smartphone und startet die App. Nun folgt man den Anweisungen und scannt mit der Kamera des Smartphones den QR-Code auf der Rückseite des Lightify-Gateways.
Osram Lightify Gateway
Osram Lightify Gateway
Anschließend muss man sich bei Osram registrieren und ein Passwort vergeben. Bei Philips ist dies nicht notwendig, wenn man die Lampen nicht von unterwegs steuern möchte. Nach der Registrierung steckt man das Gateway in die Steckdose und verbindet das Smartphone mit dem neuen WLAN, dass das Gateway selbst startet. In der App werden nun alle gefundenen WLAN-Netzwerke angezeigt und man wählt einfach das eigene Netzwerk aus. Nach der Eingabe des WLAN-Schlüssels verbindet sich das Gateway mit dem eigenen WLAN und dem Internet. Neue Lampen können einfach in der App hinzugefügt und auch wieder problemlos entfernt werden. Lampen können einzeln, in Gruppen oder in einer Szene eingestellt und geschaltet werden – wie bei Philips kann auch ein Foto vom Smartphone als Vorlage zur Auswahl der Farben dienen. Die eingestellte Farbe und Helligkeit lässt sich pro Lampe als Favorit abspeichern. Osram hat die Lightify-App nach und nach um Funktionen erweitert, die bei unserem ersten Test noch nicht zur Verfügung standen. So gibt es auch bei Lightify nun die Möglichkeit “Timer” einzurichten, die Lampen zu bestimmten Wochentagen und Uhrzeiten ein- und wieder ausschaltet. Es gibt nun außerdem die Option ein “Wake-up-Light” einzurichten: Dazu werden einzelne Lampen oder Gruppen von Lampen automatisch zu einer einstellbaren Zeit langsam heller (und die Farbtemperatur des Lichts wird wärmer), bis sie schließlich wieder ausgeschaltet werden. Die Lightify-App bietet außerdem die Möglichkeit, einen Urlaubs-Modus einzurichten, der Lampen(-gruppen) automatisch und zufällig innerhalb von konfigurierbaren Zeiten schaltet.    

Betrieb in der Praxis

Die aktuelle Version der Lightify-App funktioniert auf zwei von uns getesteten Smartphones (Google/LG Nexus 5 und iPhone 6, jeweils aktuelles Betriebssystem) stabil – in der Vergangenheit gab es laut verschiedenen Bewertungen der App und des Lightify-Systems insgesamt offensichtlich noch einige Kinderkrankheiten. Auch in unserem Test gab es zunächst ein Problem mit der Deckenleuchte “Surface Light”: Nach der Montage an der Zimmerdecke und dem ersten Einschalten “fiepte” die Lampe dauerhaft in einem sehr unangenehmen, hohen Ton – und zwar immer dann, wenn die Farbtemperatur und/oder Helligkeit nicht auf 0% oder 100% eingestellt war. Doch dieses Problem wurde durch ein Update der Lampen-Software (funktioniert nur über das Osram Gateway, nicht über Philips Hue) gelöst – mit der neuen Firmware “piept” die Lampe nun nicht mehr. Leider lagen der Lampe sehr minderwertige Schrauben bei, deren Kopf nach einmaligem (!) Einschrauben bereits “rundgedreht” waren – also besser bei der Montage gleich eigene Schrauben verwenden.  

Vorteile von Osram Lightify:

  • Etwas günstiger als Philips Hue
  • Lampen lassen sich einzeln zurücksetzen und mit einem anderen Osram Lightify Gateway (oder einer Philips Hue Bridge) verbinden.
  • Lampen für den Außenbereich erhältlich

Nachteile:

  • Noch keine Schnittstelle/API und dadurch noch keine Apps anderer Anbieter und kein Zugriff via Browser Nachtrag 08.05.2016: Osram bietet mittlerweile eine Schnittstelle für Lightify.
  • Noch keine Kompatibilität zu IFTTT
  • App bietet weniger Funktionen als Hue-App: Kein “Geofencing” (Lampen anhand des Aufenthaltsortes des Smartphones automatisch steuern)
  • System wird kaum weiterentwickelt

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Kompatibilität von Osram Lightify und Philips Hue

  • Osram Lightify-Lampen können grundsätzlich an der Hue-Bridge betrieben werden. Die Änderung der Helligkeit oder der Farbe funktioniert dabei oft etwas verzögert im Vergleich zu den Hue-Lampen, funktioniert aber insgesamt. Am Lightify-Gateway reagieren die Osram-Lampen zügiger.
    • Getestet: Osram Lightify Surfacy Light und Lightify-Classic (E27, RGBW)
  • Philips Living Colors-Lampen (2. und 3. Generation, erkennbar an der runden Fernbedienung) können problemlos an der Hue Bridge betrieben werden, jedoch nicht an der Lightify-Bridge.
  • Theoretisch sollten auch Philips Hue-Lampen an der Lightify Bridge gesteuert werden können, da beide ZigBee LightLink zur Kommunikation nutzen. Wir haben es jedoch nicht geschafft, eine Hue-Lampe mit der Osram Bridge zu verbinden. Uns ist nicht bekannt, wie sich die Hue-Lampen einzeln zurücksetzen lassen, weshalb eine Verbindung mit der Osram Bridge nicht möglich war. Die Osram Lightify Lampen lassen sich problemlos zurücksetzen (Einschalten -> 5 Sekunden warten, Ausschalten -> 5 Sekunden warten -> und das 5x wiederholen) und dann mit der Hue Bridge verbinden.

Fazit: Philips Hue und Osram Lightify im Vergleich

Grundsätzlich können wir beide Produkte empfehlen – es kommt darauf an, welche Funktionen und Lampen (siehe Auswahl der Lampen oben im Artikel) man benötigt. Sowohl Hue als auch Lightify ermöglichen eine meist zuverlässige Steuerung der Lampen per App – doch die Systeme unterscheiden sich aktuell noch etwas im Funktionsumfang und vor allem in der Kompatibilität. Philips hat hier die Nase weiterhin vorn, da das System länger auf dem Markt ist. So gibt es bereits seit langer Zeit eine Programmierschnittstelle für Entwickler, was eine große Anzahl an Apps von Fremdanbietern zur Folge hat (z.B. “Hue Disco” und viele weitere Apps). Ob man die nun braucht oder nicht, hängt vom eigenen Anwendungsfall ab. Hat man bereits Living Colors Lampen im Einsatz, führt wohl kein Weg an Philips Hue vorbei – denn die Living Colors Lampen können nicht mit dem Osram Lightify Gateway, wohl aber mit der Philips Hue Bridge  verbunden werden. Wer die Lampen per Sprachsteuerung mit Siri am iPhone steuern möchte, wird aktuell ebenfalls zu Philips Hue greifen müssen, da das Beleuchtungssystem von Osram nicht Apples Smart Home-Plattform HomeKit kompatibel ist. Wir werden die Entwicklung beider Systeme weiter beobachten und über Neuerung hier im Magazin und in unserem Newsletter berichten.

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Author

Martin berichtet seit 2013 über Smart Home-Themen und ist Mitherausgeber von Housecontrollers.de.

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