Übersicht: Beleuchtung mit dem Smartphone steuern

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In den vergangenen Jahren haben wir häufig über verschiedene Lampen und Beleuchtungssysteme berichtet und auch selbst einzelne Systeme getestet. In diesem Artikel möchten wir einen allgemeinen Überblick über die Möglichkeiten und Systeme der Beleuchtungssteuerung per Smartphone geben. 

Einzelne Lampen per App steuern

Wer tatsächlich nur wenige, einzelne Lampen per App in der Farbe und Helligkeit steuern möchte, findet mit der Bluetooth Stummungslampe „Avea“ von Elgato einen einfache Lösung. Diese Lampe kann einzeln oder in einer Gruppe zusammen mit weiteren Avea-Lampen per Smartphone-App gesteuert werden. Ein Gateway, dass als Zentrale eine Verbindung zu allen Lampen hält ist hier nicht erforderlich, da das Smartphone selbst per Bluetooth direkt mit den einzelnen Lampen kommuniziert.

 

Elgato Avea - Lampe und App

Elgato Avea – Lampe und App

Dies macht derartige Lösungen etwas günstiger im Vergleich zu anderen Lösungen, bietet aber auch weniger Möglichkeiten. So ist eine Steuerung von unterwegs aus natürlich nicht möglich, da die Bluetooth-Lampen keine Verbindung ins Internet haben.  Ein weiterer Nachteil derartiger Lösungen ist der, dass es bisher ausschließlich Lampen für E27-Sockel gibt. Eine Schnittstelle zu anderen Systemen und Diensten, wie z.B. „IFTTT“ (if this, then that) oder Smarthome-Komplettlösungen wie digitalstrom, Qivicon und anderen gibt es ebenfalls nicht.

Beispiellösungen:

  • Elgato Avea (bluetooth)
  • MiPow Playbulb (WLAN, auch mit Lautsprecher erhältlich)

Komplette Beleuchtungssysteme

Mehr Möglichkeiten und Auswahl bieten dagegen komplette Beleuchtungsssysteme wie Philips Hue und Osram Lightify. Diese Systeme setzen auf den Funkstandard ZigBee und eine Gateway (auch „Bridge“ genannt), das als Zentrale dient und die Verbindung ins Internet ermöglicht. Die einzelnen Lampen werden dazu mit dem Gateway verbunden und können anschließend über die jeweiligen Smartphone-Apps gesteuert werden – auch unterwegs. Das Gateway ist dabei über WLAN oder LAN-Kabel selbst mit dem eigenen Router verbunden.

Philips Hue und Osram Lightify bieten mittlerweile viele verschiedene Lampen an – von der LED-„Lichterkette“ über Tischlampen und Deckenlampen bis zur E27 LED-Lampe. Für die beiden genannten Systeme gibt es mittlerweile auch Schalter (Osram Lightify Schalter kommt in Kürze auf den Markt), die als Wandschalter oder als Fernbedienung neben der App zur Steuerung der Lampen genutzt werden können. Beide Systeme werden kontinuierlich erweitert, Philips ist jedoch schon länger auf dem Markt. Aber auch Osram erweitert die Auswahl an Lampen und anderen Produkten – so bietet Osram demnächst auch eine schaltbare Steckdose an, die Philips aktuell (für den deutschen Markt) nicht bietet. Einen Vergleich beider Systeme haben wir im Februar 2015 veröffentlicht.

Beispiellösungen:

  • Osram Lightify (Beitragsübersicht)
    • Diverse Lampen: GU10, E27, Deckenlampen, Lichterketten, bald verfügbar: E14-Lampe, Steckdose, Schalter
    • Lampen können mit der Philips Hue Bridge verbunden werden
    • Bisher Steuerung nur über Osram App (und demnächst per Schalter) oder kompatible Smarthome-Lösungen (aktuell ist uns nur Qivicon bekannt)
    • Starter-Set mit 1 Lampe und Gateway ab ca. 60€ bei Amazon*
Osram Lightify Surface Lights (Deckenlampen)

Verschiedene Osram Lightify Surface Lights (Deckenlampen)

  • Philips Hue (Beitragsübersicht)
    • Diverse Lampen: GU10, E27, Deckenlampen, Tischlampe, Schalter, tragbares Stimmungslicht, Effektlampen (Living Colors friends of hue)
    • Ältere LivingColors Lampen können ggfs. mit der Hue Bridge verbunden und gesteuert werden
    • Steuerung auch über Apps von Fremdanbietern, z.B. „Hue Disco“ und über Smarthome-Komplettlösungen (z.B. Digitalstrom, Qivicon, RWE Smarthome)
    • Starter-Set mit 3 Lampen und Bridge ab ca. 180€ bei Amazon*
  • IKEA 
    • IKEA arbeitet an einem ähnlichen System wie Hue und Lightify. Details dazu sind derzeit leider noch nicht bekannt (Quelle: Gizmodo.com)

Smart Home Komplettlösungen

Wer nicht nur das Licht, sondern auch andere Geräte steuern und das Haus überwachen möchte, findet auf dem Markt immer mehr Lösungen, die verschiedene Standards nutzen. Es gibt Systeme, die zur Kommunikation mit den Aktoren (z.B. Jalousiesteuerung, Steckdose) und Sensoren (z.b. Helligkeit, Fenstersensor, etc.) zum Beispiel den Funkstandard Z-Wave oder HomeMatic nutzen – einige Beispiele wären hier „Home Control“ von Devolo (Z-Wave) oder Qivicon von der Deutschen Telekom (u.a. HomeMatic). Andere Systeme nutzen ein (hauptsächlich) kabelgebundenes Bus-System wie KNX oder die Stromleitungen (Digitalstrom) zur Kommunikation.

Für welches System man sich entscheidet, ist neben der Kostenfrage auch abhängig von den Gegebenheiten im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung. Wer zur Miete wohnt, wird sich für ein System entscheiden, dass drahtlos kommuniziert und keine aufwendigen und teuren Einbauarbeiten erforderlich macht – wie es z.b. bei KNX-Systemen oder Digitalstrom notwendig wäre. Wer gerade einen Neubau oder größere Renovierungsarbeiten plant, hat hier natürlich ganz andere Möglichkeiten und kann z.B. direkt Steckdosen und Schalter von Digitalstrom einbauen oder ein KNX Bus-System verlegen lassen – wobei letzteres dann wirklich eher bei einem Neubau sinnvoll sein kann.

Vernetzung der Digitalstrom-Komponenten

Vernetzung der Digitalstrom-Komponenten (Grafik: digitalstrom.de)

Bei der Entscheidung für oder gegen ein System sollten die vorhandenen Schnittstellen und Erweiterungsmöglichkeiten eine wesentliche Rolle spielen. Die Basisstation von Qivicon z.B. bietet neben dem integrierten Funkmodul für HomeMatic die Möglichkeit ein weiteres Funkmodul für ZigBee per USB nachträglich einzustecken und damit die Kompatibilität zu erweitern. Das System erlaubt auch eine Steuerung der Beleuchtungssysteme von Osram (Lightify) und Philips (Hue), sowie von bestimmten Miele Haushaltsgeräten (Geschirrspüler, Kühlschrank, Kochfeld etc.).

Ohne Schnittstellen könnten derartige Lösungen nur die eigenen (oft proprietären und teuren) Schalter und Zwischenstecker steuern, was aus unserer Sicht ein KO-Kriterium bei der Wahl des Smarthome-Systems ist.

Beispiellösungen – drahtlos:

  • Devolo Home Control (Z-Wave) – unser Testbericht
    • System, das sich eher an Einsteiger richtet. Bietet aktuell noch keine Schnittstellen zu anderen Systemen, sollen aber kommen.
    • Beleuchtung kann aktuell nur über schaltbare Steckdosen gesteuert werden
    • Es können grundsätzlich Z-Wave kompatible Geräte eingebunden werden, auch von anderen Herstellern
    • Starter-Paket mit Tür/Fensterkontakt, schaltbarer Steckdose und Zentrale ab ca. 190€ bei Amazon*
  • Magenta Smart Home (u.a. HomeMatic) – unser Testbericht
    • Bietet auch Möglichkeiten der Steuerung von einigen Fremd-Systemen, auch Osram Lightify und Philips Hue
    • Bietet Erweiterungsmöglichkeit mit ZigBee-USB-Stick
    • Zentrale einzeln ab ca. 120€ z.B. direkt bei der Telekom (verschiedene Pakete erhältlich)
  • Innogy Smart Home
    • Steuerung von Philips Hue möglich
    • Wird nach unserer Beobachtung kaum weiterentwickelt
    • Zentrale ab. ca. 250€ direkt bei Innigy (verschiedene Pakete erhältlich)
  • HomeMatic-Systeme
    • schon sehr lange auf dem Markt
    • es können nur Homematic-Komponenten gesteuert werden

Beispiellösungen – kabelgebunden:

  • Digitalstrom
    • Kommuniziert über die vorhandene Stromleitung, dadurch hält sich der Installationsaufwand noch in Grenzen
    • Spezielle Digitalstrom-Komponenten notwendig (Schalter, Klemmen, etc.), Einbau nur durch Elektriker
    • Einige Fremdsysteme können eingebunden werden (Philips Hue, Sonos)
  • KNX-Lösungen
    • schon sehr lange auf dem Markt, Standard ist weit verbreitet
    • Spezielle KNX-Komponenten notwendig
    • sehr hoher Verkabelungs- und Einrichtungsaufwand

Die Möglichkeiten der Beleuchtungs- und Haussteuerung sind also vielfältig.

Unsere Empfehlung

Wir können keine Kaufempfehlung für oder gegen ein einzelnes Produkt aussprechen, da die Bedürfnisse und die finanziellen Möglichkeiten natürlich unterschiedlich sind.
Grundsätzlich empfehlen wir Systeme, die verbreitete Standards wie ZigBee nutzen. Sollen nicht nur Lampen, sondern auch andere Geräte und Komponenten gesteuert und überwacht werden, würden wir ebenfalls zu einem System raten, dass sich erweitern lässt – sei es durch zusätzliche Funkmodule oder vorhandene Schnittstellen.

P.S.: Über weitere Smart Home-News informieren wir Euch einmal pro Monat mit unserem kostenlosen Newsletter.

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3 Kommentare

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